Gerichtsurteil

02. September 2016 20:06; Akt: 02.09.2016 20:16 Print

Maries Mörder bleibt für immer hinter Gittern

Der Mörder der 19-jährigen Marie wurde im Berufungsprozess erneut schuldig gesprochen. Er gilt als dauerhaft nicht therapierbar.

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Am 1. September 2016 ging vor dem Waadtländer Kantonsgericht die Berufungsverhandlung im Fall Marie los. Der Angeklagte Claude Dubois wurde schwer bewacht ins Gebäude gebracht. Die Eltern der getöteten Marie, Antoine und Evelyne (hier mit ihrem Anwalt Jacques Barillon) beim schweren Gang vor Gericht. Der heute 40-jährige Claude Dubois war Ende März zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und einer lebenslänglichen Verwahrung verurteilt worden. Dagegen legte er Berufung ein. Dubois hatte Marie am Abend des 13. Mai in Payerne VD entführt und später erdrosselt. Vor der Tat traf er die 19-Jährige mehrfach und soll sie auch beobachtet und überwacht haben. Hier wurde Maries Leiche gefunden: Waldstück in der Nähe von Châtonnaye im Kanton Freiburg. (15. Mai 2013) Claude Dubois lieferte sich mit der Polizei eine wilde Verfolgungsjagd: Der Wagen des Entführers auf der Strasse zwischen Vaulruz und Romont FR. (14. Mai 2013) Dubois wurde festgenommen und leicht verletzt ins Spital eingeliefert. (14. Mai 2013) Nur mit mehreren Schüssen konnte die Polizei den Täter stoppen. (14. Mai 2013) Nach seiner Festnahme führte er die Beamten zur Leiche von Marie. (14. Mai 2013) Hier hatte der Mann das 19-jährige Opfer in sein Auto gezerrt: Landstrasse bei Payerne. (14. Mai 2013) Der Fall löste Trauer und Wut aus: Kerzen zum Andenken an die getötete Marie in Payerne. (15. Mai 2013) In Gedenken an die getötete Marie marschierten rund 200 Personen durch Payerne VD. (15. Mai 2013) Eine Gerichtszeichnung zeigt Claude Dubois im März 2016 im Gerichtssaal in Renens VD. Drei Jahre mussten Maries Eltern Antoine und Evelyne auf den Prozess gegen Dubois warten. Sie erschienen am 7. März 2016 ebenfalls vor Gericht. Der Anwalt der Opferfamilie, Jacques Barillon, zusammen mit Maries älterer Schwester Laetitia und ihrer Mutter in Renens. Die Anwälte von Claude Dubois, Yael Hayat und Loïc Parein, vor dem Gericht in Renens.

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Das Waadtländer Kantonsgericht hat am Freitag die lebenslängliche Verwahrung für den Mörder von Marie bestätigt. Es sah den Täter als dauerhaft nicht therapierbar an. Dieser war überraschend nicht anwesend bei der Urteilseröffnung. Sie habe vor einer Stunde einen Anruf vom Gefängnis erhalten, dass der Angeklagte nicht kommen werde, sagte die Gerichtspräsidentin zu Beginn der Urteilseröffnung in Lausanne, ohne auf Details einzugehen.

In Abwesenheit des 40-Jährigen Schweizers stellte sie später im Urteil klar: «Der Angeklagte stellt dauerhaft ein Risiko für die öffentliche Sicherheit dar.»

Das Gericht bewertete das Tötungsdelikt klar als Mord. Der Angeklagte habe Marie stundenlang in seiner Gewalt gehalten, bevor er sie mit einem Gürtel erwürgt habe. Man könne sich kaum eine grauenvollere Lage für ein Opfer vorstellen, sagte die Gerichtspräsidentin. Der Täter habe das Opfer leiden lassen wollen.

Dauerhaft nicht therapierbar

Nach Angaben der psychiatrischen Gutachter weise dieser eine schwere dissoziale Störung auf, so dass er dauerhaft nicht therapierbar sei. Die drei Richter sahen auch die Expertisen der beiden psychiatrischen Gutachter als übereinstimmend an.

Einer der beiden Gutachter habe zwar keine Prognose bis ans Lebensende gestellt. Seine aktuelle Prognose sei aber derart schlecht, dass er sich nicht vorstellen könne, dass sich das eines Tages ändern könnte.

Auch die von der Verteidigung im Berufungsprozess geäusserten Zweifel an der Vereinbarkeit der lebenslänglichen Verwahrung und der europäischen Menschenrechtskonvention wurden vom Waadtländer Kantonsgericht verworfen.

Mit Menschenrechten vereinbar

Bei einer lebenslänglichen Verwahrung im Sinne der 2004 vom Schweizer Stimmvolk angenommenen Verwahrungsinitiative steht eine bedingte Entlassung erst zur Diskussion, wenn neue wissenschaftliche Erkenntnisse für die wirksame Behandlung von Straftätern vorliegen.

Eine regelmässige Überprüfung wie bei der ordentlichen Verwahrung gibt es nicht. Zwar verstosse eine lebenslange Haft ohne die Aussicht auf eine Entlassung gegen die Menschenrechtskonvention, sagte die Gerichtspräsidentin. Das sei bei der Verwahrung aber nicht der Fall.

Trotz den restriktiven Entlassungsbedingungen verstosse die lebenslänglichen Verwahrung nicht gegen die Menschenrechte. Der Waadtländer Generalstaatsanwalt Eric Cottier begrüsste nach der Urteilseröffnung diese Auslegung. «Der Verurteilte wird nicht in der Versenkung verschwinden gelassen», sagte er.

Weiterzug offen

Die Verteidiger Loïc Parein und Yaël Hayat blieben nach dem Berufungsprozess zurückhaltend und liessen einen Weiterzug ans Bundesgericht offen. Sie wollen zunächst das schriftliche Urteil abwarten und sich mit ihrem Mandanten besprechen.

Die Verteidiger begrüssten es jedoch, dass das Gericht sich mit der Frage auseinander gesetzt hat, ob die lebenslängliche Verwahrung mit den Menschenrechten vereinbar sei. Die Verteidiger zeigten sich jedoch erstaunt über die Schlussfolgerung des Kantonsgerichts. Sie hatten im Berufungsprozess vergeblich eine Aufhebung der lebenslänglichen Verwahrung sowie eine Verurteilung wegen vorsätzlicher Tötung anstatt wegen Mordes gefordert.

Das Gericht bestätigte jedoch sämtliche Schuldsprüche des Regionalgerichts von Ende März. Der Angeklagte wurde erneut wegen Mordes, sexueller Nötigung, Freiheitsberaubung und Entführung sowie wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen.

«Marie ist Gerechtigkeit getan»

Der Mann hatte am 13. Mai 2013 die 19-jährige Marie in Payerne VD in ein Auto gezerrt und entführt. In der Nacht auf den 14. Mai erdrosselte er die Frau in einem Wald bei Châtonnaye FR. Der Mann verbüsste zum Zeitpunkt der Tat eine Reststrafe in Hausarrest. Er hatte 1998 seine damalige Ex-Freundin in einem Chalet in La Lécherette VD vergewaltigt und danach erschossen. Dafür wurde er im Alter von 22 Jahren zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.

Zufrieden mit dem Ausgang des Berufungsprozesses zeigten sich die Eltern der getöteten Marie. Das Gericht habe weder das Grauen banalisiert, noch die Tat relativiert, sagte der Vater, ein Waadtländer Pfarrer. «Marie ist Gerechtigkeit getan», sagte er.

(ij/sda)