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Ständerat
11. Juni 2012 19:32; Akt: 11.06.2012 20:50 Print
Es wird nur noch elektronisch abgestimmt
Im Ständerat bahnt sich eine «kleine Revolution» an: Die kleine Kammer sprach sich für die Einführung des elektronischen Abstimmens aus.

Abstimmung im Ständerat - bald schon ein historisches Bild. (Bild: Keystone)
Das traditionelle Abstimmungsprozedere im Ständerat per Handheben gerät ins Wanken. Die kleine Kammer hat am Montag knapp eine parlamentarische Initiative gutgeheissen, welche die Einführung der elektronischen Stimmabgabe verlangt.
Das Abstimmen im Ständerat steht mit schöner Regelmässigkeit zur Debatte. Unter dem Stichwort «Dunkelkammer» zog im vergangenen Wahljahr vor allem die SVP über die traditionelle Abstimmungsart in der kleinen Kammer her.
Aus ihren Reihen stammte denn auch der Vorstoss für die kleine Revolution, die das Abstimmen per Knopfdruck im Ständerat wäre. In einer Abstimmung mit Namensaufruf sprach sich die kleine Kammer mit 22 zu 21 Stimmen bei einer Enthaltung für den Vorstoss von SVP- Ständerat This Jenny
This
Jenny
SVP, GL
StänderatVerbunden mit
Toneatti AG, Bilten
weitere Verbindungen anzeigen (GL) aus.
Jenny schlägt eine Regelung wie im Nationalrat vor. Die Nationalräte stimmen seit Februar 1994 per Knopf am Pult ab und sehen danach an einer Tafel, ob der Rat zugestimmt oder abgelehnt hat. Weil die Stimmabgabe registriert wird, gibt das elektronische Abstimmen immer wieder Anlass zu Parlamentarier-Ratings.
Die über zweistündige Debatte zeigte, dass die Ständeräte nicht den Knopfdruck fürchten, sondern die Ranglisten, die aus den registrierten Daten erstellt werden. Die Rankings positionieren die Parlamentarier beispielsweise auf einer Links-Rechts-Skala.
Kantonen statt Parteien verpflichtet
Das zerstöre die Dialogkultur in der «Chambre de réflexion», hielten die Gegner - vor allem in den Mitteparteien - fest. Innerhalb kurzer Zeit werde der Ständerat zu einem «kleinen Nationalrat mit unzähligen Ratings», prophezeite CVP-Fraktionschef Urs Schwaller
Urs
Schwaller
CVP, FR
StänderatVerbunden mit
Bäuerliche Bürgschaftsgenossenschaft, Freiburg
weitere Verbindungen anzeigen (FR).
Das führe unweigerlich zu mehr Parteidruck, weil die Parteiführungen mehr Geschlossenheit unter den Ständeräten fordern würden, sagte Schwaller. Ständeräte seien jedoch nicht ihren Parteien, sondern ihren Kantonen verpflichtet.
Das heutige Prozedere mit dem Heben der Hand - und damit ohne Ranglisten - fördere die Unabhängigkeit der Ständeräte gegenüber ihrer Partei und dem medialen Druck, hielt auch Filippo Lombardi
Filippo
Lombardi
CVP, TI
StänderatVerbunden mit
Mediapulse Stiftung, Bern
weitere Verbindungen anzeigen (CVP/TI) fest.
Weil im Ständerat jeder sprechen könne und es auch keine Redebeschränkung gebe, herrsche im Prinzip mehr Transparenz als im Nationalrat, sagte Robert Cramer
Robert
Cramer
GPS, GE
StänderatVerbunden mit
Transports Publics Neuchâtelois SA, La Chaux-de-Fonds
weitere Verbindungen anzeigen (Grüne/GE) für die Staatspolitische Kommission. «Jeder kann seine Gedankengänge erklären.»
Gefahren der «Knopfdruck-Demokratie»
Immer wieder verwiesen die Gegner darauf, dass der Ständerat häufig in der Diskussion zum Kompromiss finde. «Die Knopfdruck- Demokratie könnte das gefährden», sagte Cramer. Er enthielt sich am Ende der Stimme.
Kantonsbewohner wollten wissen, wie ihre Ständeräte stimmten, sagte Initiant Jenny. Zwar könne schon heute jeder Platz nehmen auf der Tribüne, um die Resultate der Abstimmungen zu registrieren, fügte Thomas Minder
Thomas
Minder
-, SH
StänderatVerbunden mit
Dianam SA, Neuhausen
weitere Verbindungen anzeigen (parteilos/SH) an. «Wir müssen aber den Weg zum Bürger machen und nicht der Bürger auf uns».
Ein «schönes Ritual» würde verloren gehen, räumte Pascale Bruderer
Pascale
Bruderer
SP, AG
StänderatVerbunden mit
Freunde des Zentrums für Demokratie (ZDA), Aarau
weitere Verbindungen anzeigen (SP/AG) ein. Das heisse aber nicht, dass der Ständerat sich deswegen dem Nationalrat annähere. Der Unterschied zwischen den Kammern sei das Rollenverständnis der Ratsmitglieder. «Es wird an uns liegen, die Kultur hochzuhalten».
Vorgeschmack bei der Abstimmung
Beendet wurde die Debatte über die Transparenz mit einer äusserst seltenen Abstimmung unter Namensaufruf. Wenn zehn Ständeräte es verlangen, muss sich schon heute jedes Mitglied einzeln äussern. Dass zehn Befürworter dies erzwangen, stiess im Ständerat auf Kritik.
Noch ist der Entscheid für das elektronische Abstimmen nicht abschliessend: Die zuständige Kommission muss den Vorstoss nun ausarbeiten. Vorbereitet wäre der Ständeratssaal: Die Anpassungen für ein elektronisches Abstimmungssystem wurden bei der Renovation im vergangenen Herbst vorgenommen.
(sda)
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Alle 19 Kommentare

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22:21 für Transparenz im SR- Bedenklic
Es ist unglaublich, dass sich der Ständerat mit nur 22:21 Stimmen für Transparenz ausgesprochen hat. Es geht doch nicht um "Dialogkultur" und ähnlichen Quatsch, sondern die Wählerschaft soll nicht wissen dürfen oder soll recherchieren müssen, wir ihr Ständerat in heiklen Fragen gestimmt hat. Ich war 12 Jahre im Nationalrat und bin ein 100%-Befürworter der elektronischen Abstimmung.
Raus aus der Dunkelkammer
Jetzt wird es interessant. Was wurde vor den Wahlen versprochen und wie wird nach den Wahlen abgestimmt? Denke, da kommt noch manch einer ins Grübeln und wird ellenlange Ausreden brauchen um sein Stimmverhalten zu rechtfertigen. Es wird auch viel klarer werden, von welcher Lobby er abhängig ist. Bürger informiert Euch und wählt entsprechend!
und die Älteren Leute?
Was ist mit der Älteren Generation, die keinen PC haben? Oder mit dem PC nicht klar kommen? Es ist schon schwierig genug für Ältere Generation. Sprich VBZ Bilette am Automaten zu lösen. Am Flughafen das Boarding und und und. Sie werden einmal mehr einfach vergessen. Finde es eine sauerei!
Printmedien
Es gibt genügend Zeitungen welche die Informationen auch auf Papier drucken. Natürlich fallen die tollen Suchfunktionen etc weg, dafür brauchts nun mal einen Rechner. Aber die Info per se ist immer noch auf Papier erhältlich. A propos, es gibt mittlerweile viele Rentner die ohne Berührungsängste mit dem PC umgehen und im Internet surfen. Man sollte die Rentner nicht immer so unterschätzen und bevormunden!
Was labersch du?
Es ist von der elektronischen Abstimmung im Ständerat die Rede, nicht von Volksabstimmungen.
Das heisst?
Soll man ihnen einen brief mit allen abstimmungsresultaten schicken oder einfach wieder per Hand abstimmen? Nicht motzen, vorschlagen...