575 Neuansteckungen

14. Juli 2014 14:15; Akt: 14.07.2014 16:41 Print

Schweizer HIV-Diagnosen über EU-Durchschnitt

Die Zahl der HIV-Diagnosen in der Schweiz ist im vergangenen Jahr zwar wieder zurückgegangen. Nach wie vor liegt sie aber weit über dem vom Bund angestrebten Wert.

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In der Schweiz stecken sich überdurchschnittlich viele Menschen mit HIV an. (Bild: Keystone/Martial Trezzini)

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575 bestätigte HIV-Diagnosen gab es im vergangenen Jahr laut dem Bundesamt für Gesundheit (BAG) in der Schweiz – ein Rückgang von acht Prozent gegenüber dem Vorjahr. Zwar liegt die Zahl der Diagnosen deutlich über dem angestrebten Ziel, doch von 2009 bis 2011 war die Zahl der HIV-Diagnosen stetig gesunken. Das Jahr 2012 bildete die – negative – Ausnahme.

Sowohl für die Zunahme der neuen HIV-Diagnosen vor zwei Jahren wie auch für die letztjährige Abnahme sind Männer, die Sex mit Männern haben, verantwortlich. Bei den anderen Bevölkerungsgruppen und Übertragungswegen hat sich die Zahl der Meldungen hingegen nur geringfügig verändert.

HIV wird bagatellisiert

Obwohl sie nur drei Prozent der sexuell aktiven Männer ausmachen, betrug der Anteil der Schwulen an den HIV-Diagnosen 2013 rund 39 Prozent. Das nationale Programm fokussiert laut dem Bundesamt für Gesundheit darum auch in den kommenden Jahren auf diese Zielgruppe.

Bei den HIV-Infektionen gibt es ausserdem grosse regionale Unterschiede: Während im Kanton Genf auf 100'000 Einwohner 15,1 Fälle kommen, sind es in den Ostschweizer Kantonen lediglich 3,6 Fälle. Der landesweite Durchschnitt liegt bei 7,2 Fällen.

Weil HIV-Infizierte inzwischen eine annähernd gleich hohe Lebenserwartung haben wie gesunde Personen, hat das HI-Virus viel von seinem Schrecken verloren – was die Prävention laut BAG nicht einfacher macht.

Höchste HIV-Neuansteckungsrate in Ukraine

Die Ukraine hat die höchste Neuansteckungsrate in Europa. Nun gefährden die Kämpfe zwischen Armee und Separatisten im Osten des Landes die ohnehin schwierige Versorgung der mehr als 250'000 Infizierten.

Schon immer war die Versorgungslage im zweitgrössten Flächenstaat Europas schwierig. Wie so vieles in dem finanziell angeschlagenen Land liegt auch der Gesundheitssektor weitgehend am Boden. Nun toben noch dazu seit Monaten Kämpfe zwischen Regierungskräften und prorussischen Separatisten im Osten des Landes.

Wegen dieser politischen Turbulenzen sei die Versorgung mit lebensnotwendigen Medikamenten gefährdet, sagt Olga Stepanischina von der Patientenorganisation «Pazienty Ukrainy» der Deutschen Presse-Agentur in Kiew.

Wandlungsfähiger Erreger

Das Humane Immunschwächevirus (HIV) ist die Ursache für die Krankheit Aids. Er wird heute vor allem durch ungeschützten Geschlechtsverkehr und infizierte Injektionsnadeln übertragen. Das Virus ist sehr wandlungsfähig. Viele Tests für einen Impfstoff sind bisher gescheitert.

Der Erreger legt unter anderem bestimmte Immunzellen lahm. Deshalb kann das Abwehrsystem des Körpers Krankheitserreger wie Bakterien und Viren nicht mehr wirkungsvoll bekämpfen. Selbst an sich harmlose Infektionen können so zur tödlichen Bedrohung werden.

Nach einer erkannten HIV-Infektion lassen sich Ausbruch und Symptome von Aids (Acquired Immune Deficiency Syndrome, Erworbenes Immunschwäche-Syndrom) heute mit verschiedenen Medikamenten bekämpfen. Sie verhindern die Vermehrung des Erregers im Blut.

Lebensqualität und -erwartung von Patienten sind durch diese Therapien deutlich gestiegen. Eine Heilung ist noch nicht möglich.

(sda)