Verlust in Millionenhöhe

07. August 2017 05:49; Akt: 07.08.2017 07:45 Print

SBB will nationales Schwarzfahrer-Register

von J. Furer - Jährlich entgeht der SBB ein zweistelliger Millionenbetrag wegen Schwarzfahrern. Ein nationales Register soll Abhilfe schaffen. Doch regionale Verkehrsbetriebe sehen keinen Bedarf.

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Die SBB verliert jährlich einen zweistelligen Millionenbetrag wegen Reisenden ohne gültigem Billett. Abhilfe schaffen könnte laut Sprecher Marc Dischoe eine nationale Datenbank. Bisher werden Schwarzfahrer in verschiedenen Registern erfasst, die nicht vernetzt sind. Wer beispielsweise in VBZ-Tram in Zürich ohne gültiges Billett erwischt wird und dann im SBB-Zug nach Bern, gilt nicht als Wiederholungstäter und muss somit weniger bezahlen. «Mit einer einheitlichen Datenbank könnte die Branche den Kampf gegen Schwarzfahren gemeinsam führen», so Dischoe. Auch bei Postauto und dem Tarifverbund Nordwestschweiz erachtet man eine nationale Datenbank als sinnvoll, um «chronisch nationalen Schwarzfahrern» erhöhte Gebühren aufzuerlegen. Anders sieht das der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV). Ein nationales Register erachtet man als kaum hilfreich. Sprecher Thomas Kellenberger sagt: «Es hätte für uns nur einen geringen zusätzlichen praktischen Nutzen. Innerhalb des ZVV besteht bereits seit Jahren ein Austausch zwischen den kontrollierenden Unternehmen.» Auch andere regionale Verkehrsbetriebe sprechen sich dagegen aus. Benjamin Schmid, Sprecher der BVB, sagt: «Aktuell ist eine nationale Datenbank kein Thema.» Und auch Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer findet: «Wir sehen momentan keinen Bedarf für die Einführung eines nationales Registers. Die meisten unserer Fahrgäste sind nur lokal oder regional unterwegs.» Zudem gehe er davon aus, dass sich dadurch die Quote der Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis kaum reduzieren lässt.

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430'000 Leute ohne gültigen Fahrausweis sind im Jahr 2016 von der SBB erwischt worden. Wegen Schwarzfahrern geht der Bahn laut eigenen Angaben jedes Jahr ein zweistelliger Millionenbetrag durch die Lappen. «Das schädigt die Transportunternehmungen und ist unfair», sagt SBB-Sprecher Oliver Dischoe zu 20 Minuten. Auch, weil der Verlust indirekt durch die Allgemeinheit zu tragen sei.

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Abhilfe schaffen könnte laut Dischoe eine nationale Datenbank. Bisher werden Schwarzfahrer in verschiedenen Registern erfasst, die nicht vernetzt sind. Wer beispielsweise in einem Tram in Zürich ohne gültiges Billett erwischt wird und dann im SBB-Zug nach Bern, gilt nicht als Wiederholungstäter und muss somit weniger bezahlen. «Mit einer einheitlichen Datenbank könnte die Branche den Kampf gegen Schwarzfahren gemeinsam führen», so Dischoe.

Regionale Verkehrsbetriebe kämpfen mit Schwarzfahren

Eine einheitliche Datenbank wäre laut der SBB auch im Sinne der Öffentlichkeit, da sie zentral betrieben und die strengen datenschutzrechtlichen Auflagen erfüllen würde.

Auch regionale Verkehrsbetriebe kämpfen gegen Schwarzfahrer und damit verbundene Verluste. Bei den Verkehrsbetrieben Zürich (VBZ) hatten 2016 rund 36'000 Fahrgäste bei Kontrollen kein gültiges Billett, im gesamten Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) waren es rund 95'700. Den Basler Verkehrs-Betrieben (BVB), Postauto und Bernmobil gingen je etwa 20'000 Personen ohne gültiges Billett ins Netz. Im Tarifverbund Nordwestschweiz waren es knapp 62'000.

«Quote der Schwarzfahrer lässt sich so nicht reduzieren»

Anders als die SBB erachten die meisten der genannten Transportunternehmen ein nationales Register aber nicht als notwendig, um Schwarzfahrern den Riegel zu schieben. Benjamin Schmid, Sprecher der BVB, sagt: «Aktuell ist eine nationale Datenbank kein Thema.» Bernmobil-Sprecher Rolf Meyer findet: «Wir sehen momentan keinen Bedarf für die Einführung eines nationales Registers. Die meisten unserer Fahrgäste sind nur lokal oder regional unterwegs.» Zudem geht er davon aus, dass sich dadurch die Quote der Fahrgäste ohne gültigen Fahrausweis kaum reduzieren lässt.

Auch beim ZVV erachtet man ein nationales Register als kaum hilfreich. Sprecher Thomas Kellenberger sagt: «Es hätte für uns nur einen geringen zusätzlichen praktischen Nutzen. Innerhalb des ZVV besteht bereits seit Jahren ein Austausch zwischen den kontrollierenden Unternehmen.»

Verband öffentlicher Verkehr entscheidet über Einführung

Anders sehen das Postauto und der Tarifverbund Nordwestschweiz. Beide Unternehmen erachten wie die SBB eine Einführung einer nationalen Datenbank als hilfreich an, um «chronisch nationalen Schwarzfahrern» entsprechende Gebühren aufzuerlegen.

Ob und wann ein nationales Schwarzfahrer-Register eingeführt wird, kann unter anderen auch der Verband öffentlicher Verkehr, der nationale Dachverband der Transportunternehmen, entscheiden. «Die internen Diskussionen finden statt. Ein Entscheid wird frühstens Ende Jahr fallen», sagt Sprecher Roger Baumann. Eine gesetzliche Grundlage ist bereits vorhanden. 2014 nahm das Parlament eine Änderung des Personenbeförderungsgesetzes an, am 1. Januar 2016 trat sie in Kraft.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Rebby am 07.08.2017 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sozialamt = Steuerzahler

    Mich würde noch interessieren, wieviel an Bussgeldern direkt vom Sozialamt bezahlt werden?

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  • Jens bader am 07.08.2017 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    oder,

    die sbb setzen wieder kondukteure ein, was gleichzeitig die Sicherheit im Zug erhöhen würde.

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  • Adrian B. am 07.08.2017 06:18 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Asien Vorbild

    Ich bewundere immer wieder, wenn ich in Asien bin und mit der Bahn fahre (skytrain), wie flüssig der ganze Schienenverkehr ist. Vor allem könnte die schweiz auch eine Abschrankung haben wo man ein gültiges Ticket braucht sobald man am zielort ankommt, wird von der Karte das guthaben abgebucht, sofern es sich um eine Prepaidkarte handelt.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • mcgee am 08.08.2017 10:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Umfragenverzicht angebracht

    Wieder einmal eine doofe Umfrage. Ich bin noch nie schwarz gefahren, da ich weiss, dass man für Dienstleistungen bezahlen muss. Also kann ich auch nichts ankreuzen. 'Ich bin noch nie erwischt worden' sugeriert, dass jeder mal schwarzfährt.

  • joerckel am 08.08.2017 10:07 Report Diesen Beitrag melden

    Richtig

    Richtig so, Schmatotzer müssen registriert werden, denn u.a. sind auch ein Bestandteil davon, dass die Preise immer wieder in die Höhe schnellen. Wer ihnen noch Mitleid bringt oder sie gar unterstützt, hat einfach nicht begriffen

  • JonasHaus am 08.08.2017 09:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Einkalkuliert

    Die SBB ist ja auch nicht dumm. Gehen wir von 2 % Schwarzfahrern aus, so schrumpft auch der Umsatz um plus minus 2 %. Also macht die SBB die Tickets ganz einfach 2 % teurer. Solche Verluste bzw. Risiken werden in die Preise einkalkuliert. Und ich könnte schwören, dass sich die Preise nicht ändern werden, wenn alle ein gültiges Ticket hätten...

  • Lupo am 08.08.2017 09:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Tja..

    Man unterstützt den stetigen Abbau, immer weniger Leistung für teuere Einnahmen und hinterher macht man dann grosse Augen, wenn sich die Probleme häufen. Da braucht man kein Hellseher zu sein, um eine derartige Entwicklung, nicht voraussagen zu können!

  • Berner Bär am 08.08.2017 08:17 Report Diesen Beitrag melden

    Wie früher: Bahnsteigsperre

    Dann kommt man nur mit einem gültigen Billett oder einer Perronkarte durch.