Erwischt

19. Februar 2010 11:37; Akt: 19.02.2010 12:54 Print

Lumengo: «Ich werde das nie wieder tun»Lumengo: «Ich werde das nie wieder tun»

Der wegen Stimmenfang angeklagte Nationalrat Ricardo Lumengo reagiert – und gesteht Fehler ein. Er habe überforderten Wählern den Wahlzettel ausgefüllt und dabei seinen Namen auf die Liste gesetzt. Das habe aber ihrem Willen entsprochen.

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Ricardo Lumengo spricht 2008 im Nationalrat (Bild: Keystone/Peter Klaunzer)

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«Ich wollte die Wahlen nicht verfälschen»: Ricardo Lumengo entschuldigt sich in einem Communiqué dafür, dass er seinen Namen auf Wahlzettel geschrieben hat. Heute Morgen hatte der Blick berichtet, dass gegen Lumengo, den ersten Nationalrat schwarzer Hautfarbe, eine Anklage wegen Stimmenfang eingereicht worden sei. Ein Experte habe festgestellt, dass bei 50 Wahlzetteln bei den Nationalratswahlen 2007 Lumengo selbst seinen Namen reingeschrieben habe, dasselbe geschah mit 44 Wahlzetteln bei den Bieler Grossratswahlen 2006.

Lumengo versichert: «Ich habe in keiner Weise Personen in ihrem Wahlverhalten beeinflusst.» Es wäre auch zu dumm gewesen: Bei den 43447 Stimmen für Lumengo bei den Wahlen 2007 hätten die 50 Stimmen auch keinen Unterschied gemacht: Lumengo lag mit 6500 Stimmen Vorsprung vor dem nächsten Kandidaten auf der SP-Liste des Kantons Bern.

Biel: Analphabeten sind keine Seltenheit

Lumengo schreibt, er habe Wahlzettel mit seinem Namen und den Namen anderer Kandidaten bei Stimmberechtigten ausgefüllt, welche vom Wahlprozerede überfordert gewesen seien: «Ich habe im Wahlkampf vielfach Fragen über das Wahlprozedere beantwortet und in Einzelfällen und auf entsprechende Anfrage Wählende beim Ausfüllen des Zettels unterstützt.» Dies habe immer dem Willen der betreffenden Personen entsprochen. «Den Stimmrechtsausweis haben sie aber selber unterzeichnet», schreibt der Nationalrat. Ricardo Lumengo zeigt Reue: «Ich werde diesen Fehler nie mehr machen.»

Für Erich Fehr, Sprecher der SP-Biel, ist das eine plausible Begründung. Gegenüber 20 Minuten Online sagt er: «Ricardo Lumengo hat eine starke Basis bei den Migranten in Biel: Dort sind Analphabeten keine Seltenheit.» Wahrscheinlich habe er deshalb bei seinen Wahltouren einige Wahlzettel selbst ausgefüllt.

Lumengo bedauert den Fehler

Trotzdem sei er erstaunt, dass so etwas passiere, sagt Fehr. «Wir machen allen unseren Kandidaten vor dem Wahlkampf klar: Die Stimmbürger zur Wahl motivieren ist gut, die Handlung müssen aber die Leute selbst vollziehen.»

Bei der SP Biel zeigt man sich erstaunt: Die angefragten Vorstandsmitglieder haben anscheinend bis heute Morgen nichts vom Verfahren gegen Lumengo, der in der SP Biel gross geworden ist, gewusst. Erich Fehr sagt: «Schon kurz nach den Nationalratswahlen wurden in Biel Vorwürfe gegen Lumengo laut, dass seine Handschrift auf 50 Wahlzetteln erscheine.» Man habe jedoch nicht gewusst, woher dieser Vorwurf komme, ob es gar eine Attacke politischer Gegner sei. Die Anschuldigungen seien vom Bieler Regierungsstatthalter untersucht worden, danach habe man nichts mehr gehört - bis heute Morgen.

(job)

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  • arsenius am 23.02.2010 10:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wunderwaffe

    Die "Wunderwaffe Rassismus" wird trotz der Minaret-Abstimmung immer noch gerne angewendet nur ist sie etwas unscharf geworden!

  • Urs Wyder am 22.02.2010 15:42 Report Diesen Beitrag melden

    Bananen-Rassismus

    Wenn aus Afrika stammende Menschen mit Bananen-Assoziationen verunglimpft werden, so zeigt dies einmal mehr, wie dumm diese Rassisten sind: Bananen kommen aus Südamerika und nicht aus Afrika. Somit war die Banane auch nie die natürliche Ernährung der Affen, die bekommen sie höchstens im Zoo.

  • Marc Bachmann am 22.02.2010 15:41 Report Diesen Beitrag melden

    Gleiches Recht für alle...

    Nur so für alle, die jetzt gegen Ricardo Lumengo und insbesondere die SP wettern: PS: Ich finde das Vorgehen von Ricardo Lumengo auch bedenklich!