Fall Gino Bornhauser

03. Juni 2016 10:11; Akt: 03.06.2016 10:11 Print

U-Haft für Verdächtigen beantragt – Ehefrau frei

Gino Bornhauser (67) gilt weiterhin als vermisst. Der Tatverdächtige, ein Brasilianer (34), soll hinter Gittern bleiben. Laut Nachbarn hat er psychische Probleme.

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In diesem Haus lebte der 34-jährige Brasilianer, der dringend verdächtig ist, etwas mit dem Verschwinden von Gino Bornhauser zu tun zu haben. Luiz R. wohnte dort zusammen mit seiner 33-jährigen Frau aus der Slowakei und den drei Töchtern. Im Haus sollen meist überall die Läden geschlossen gewesen sein. Ausserdem seien Überwachungskameras installiert worden. Laut Leuten, die das Ehepaar etwas besser kennen, soll Luiz R. psychische Probleme haben und eine IV-Rente beziehen. Luiz R. soll sich häufig mit seiner Frau gestritten haben. Auch mit den Nachbarn soll es Probleme gegeben haben. Aber keine gravierenden. Diese Bilder stammen von einer Videoaufnahme eines Zeugen des Vorfalls. Sie zeigen offenbar Luiz R., den die Staatsanwaltschaft als dringend tatverdächtig bezeichnet. Hier streitet er sich offenbar mit einer Person, ob es sich dabei um Gino Bornhauser handelt, ist unklar. Klar ist hingegen: Das Auto, das hier zu sehen ist, gehört Bornhauser. Und der Täter steigt offenbar in den Wagen und fährt mit dem schwer verletzten oder toten Bornhauser davon. Gino Bornhauser fiel einem Verbrechen zum Opfer - davon geht die Polizei aus. Seit dem 22. April, dem Abend, an dem es zum Streit auf dem Parkplatz kam, gilt er als vermisst. Zwei Tage nach dem Verschwinden von Gino Bornhauser fand man den ausgebrannten Opel Insignia auf der anderen Seite der Grenze in einem Waldgebiet von Nack in Deutschland. Lange suchte die Polizei offenbar vergeblich nach dem Vermissten und dem Täter. Nach umfangreichen Ermittlungen verhaftete sie dann aber am 31. Mai 2016 Luiz R. Laut Nachbarn ist die Verhaftung wie im Film und sehr professionell abgelaufen. Hier Bilder vom Tag der Verhaftung. Den ganzen Tag lang wurde das Anwesen spurentechnisch untersucht. Im Hintergrund die mobile Einsatzzentrale der Kantonspolizei Zürich. Mit Luiz R. wurde zunächst auch seine Frau verhaftet. Zwei Tage später wurde sie wieder aus der Haft entlassen. Ihre drei Kinder werden seit der Verhaftung von der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde betreut.

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Im Fall des vermissten Gino Bornhauser ist die Staatsanwaltschaft offenbar einen entscheidenden Schritt weitergekommen. Die zuständige Staatsanwältin Claudia Kasper hat für den am Dienstag verhafteten 34-jährigen Familienvater Luiz R.* U-Haft beantragt. Das bedeutet, dass dieser dringend tatverdächtig ist. Seine Ehefrau hingegen sei aus der Haft entlassen worden. «Die Suche nach Gino Bornhauser dauert an», sagte Kasper. Luiz R. war der ehemalige Nachbar von Bornhauser, bis dieser vor drei Jahren nach Eglisau umzog.

Der 67-Jährige war zuletzt am 22. April auf einem Parkplatz in Rafz gesehen worden, wo er von einem deutlich jüngeren Mann bei einer Auseinandersetzung schwer oder gar tödlich verletzt wurde. Der Täter zerrte Bornhauser danach offenbar in dessen Auto und fuhr damit davon. Zwei Tage später wurde der schwarze Opel Insignia jenseits der nahen Grenze in Deutschland vollständig ausgebrannt vorgefunden. Bornhauser blieb vermisst.

Psychische Probleme und IV-Rentner?

Von der Auseinandersetzung auf dem Parkplatz in Rafz zeigte die Polizei einen Videoausschnitt. Darauf ist stark verschwommen ein aggressiv gestikulierender Mann zu sehen, bei dem es sich offenbar um Luiz R. handelt.

Der Tatverdächtige zog 2012 nach Rafz. Seine Partnerin war damals hochschwanger mit dem dritten Kind. Der aus Brasilien stammende Mann, der schon lange in der Schweiz lebt und gut Deutsch redet, soll keine Arbeit gehabt haben. Wegen psychischer Probleme soll er aber eine IV-Rente erhalten haben. Dies erzählen Bewohner von Rafz, die das Paar etwas besser kennen.

Streit und Überwachungskameras

Im Rahmen dessen, was R. erlaubt war, soll er noch in einer Reinigungsfirma Jobs angenommen haben. Welche psychischen Probleme R. haben soll, ist nicht bekannt. Auffällig ist aber, dass am Wohnhaus des Verdächtigen Überwachungskameras installiert wurden. Ausserdem sollen dort laut Nachbarn meist Tag und Nacht alle Fensterläden geschlossen gewesen sein.

Zwischen den Ehepartnern soll es häufig heftigen Streit gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft äussert sich nicht dazu, ob es auch Fälle häuslicher Gewalt gab. Die 33-jährige Frau von Luiz R. beschreiben aber viele als verängstigt und hektisch. Sie habe vor der Geburt des dritten Kindes im Service gearbeitet, sagen Leute, die das Paar kennen. Seither kümmere sie sich um die Betreuung der drei Mädchen. Seit der Verhaftung der Eltern sind die Kinder in der Obhut der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde.

(ann)