Wahlen in der Türkei

09. August 2014 20:41; Akt: 10.08.2014 13:22 Print

«Parteien sollen arbeiten wie in der Schweiz»

von Florian Meier - Am Sonntag wählen die Türken zum ersten Mal direkt ihren Präsidenten. Auch der Schweizer Auslandtürke Tunaboylu Kahraman hat seine Stimme abgegeben. Wir haben mit ihm gesprochen.

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Historisch: Zum ersten Mal konnten Auslandtürken an politischen Wahlen in ihrem Heimatland teilnehmen, ohne dabei in die Türkei reisen zu müssen. (Bild: Keystone/AP/Hans Punz)

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Herr Tunaboylu, zum ersten Mal können Auslandtürken von ihrer neuen Heimat aus an politischen Wahlen teilnehmen. Waren Sie schon wählen?
Natürlich. Ich war am letzten Sonntag im Wahllokal in Dietikon und habe meine Stimme abgegeben.

Was bedeutet das für Sie?
Ich bin sehr glücklich. Endlich können wir unsere Bürgerrechte auch von hier aus wahrnehmen. Bis jetzt war das sehr schwierig. Als Auslandtürken mussten wir immer zurück in unser Heimatland reisen, wenn wir unsere Stimme abgeben wollten. Dafür wurden an den Grenzen und den Flughäfen jeweils Urnen aufgestellt. Aber natürlich war es so sehr schwierig für uns, an Wahlen teilzunehmen – auch wenn wir das sehr gerne getan hätten. Ich hatte beispielsweise nie die Möglichkeit, extra für eine Wahl in die Türkei zu reisen.

Auch zum ersten Mal überhaupt wählen die Türken direkt ihren Präsidenten, davor gab es nur Parlamentswahlen. Umso bedeutender muss der nächste Sonntag für Sie sein …
Natürlich, für uns ist das ein historischer Moment. Bis jetzt konnten wir unseren Präsidenten nur indirekt über das Parlament bestimmen. Nun haben wir die Möglichkeit, selber mitzureden und in einem direktdemokratischen Verfahren zu entscheiden, wer unser neuer Präsident wird. Das ist ein grosser Fortschritt für die Türkei.

In der Schweiz leben rund 130'000 Türken. Wie stark sind die Präsidentschaftswahlen in der türkischen Gemeinschaft hierzulande ein Thema?
Gerade wenn Wahlen anstehen wie jetzt, kommt es immer wieder zu spannenden Diskussionen über die Politik in meinem Heimatland. Jeder hat seine eigene Meinung und das muss auch respektiert werden. Im Grunde wünschen wir uns aber alle, dass die Türkei in Sachen Politik und Gerechtigkeit weiterkommt.

Welche Entwicklungen wünschen Sie sich konkret?
Ich wünsche mir, dass die politische Zusammenarbeit ein wenig so wird, wie sie hier ist. In der Türkei gibt es eine starke Polarisierung und die Parteien zeigen wenig Kompromissbereitschaft. Hier in der Schweiz arbeiten die verschiedenen Parteien eng zusammen und versuchen stets, gemeinsam eine Lösung zu finden. Natürlich gibt es politische Auseinandersetzungen, diese sind auch sinnvoll und nötig. Aber die besten Lösungen werden immer durch eine respektvolle Kooperation erreicht. Ich wünsche mir, dass die Türkei in dieser Hinsicht ein bisschen so wird wie die Schweiz.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • sascha am 09.08.2014 21:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    geht nicht

    das ist eine frage der kultur... es kann nur so werfen wenn auch die kultur so ist... aber die meisten wo in die schweiz kommen wohlen ihre kultur so weiterleben... also diese kultur vor der sie geflohen sind... das wird nie was....

  • Ethnopluralist am 09.08.2014 20:47 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht gut.

    Ich finde das nicht gut, dass sich viele Ausländer immer noch so stark mit ihrer Heimat identifizieren. Das zersplittert die Bevölkerung in kleine Gruppen und ist ungesund für die Schweiz.

  • Carli am 09.08.2014 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wollen

    alle immer so sein wie die Schweiz? Wir haben eine andere Kultur!....Geht gar nicht! Lest mal nach wie dies entstanden ist..war nicht einfach für unsere Vorfahren. Aber sie haben für ein besseres Leben gekämpft. Dies wird heute mit Füssen getreten! Die Helvetier würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie die heutige CH sehen würden.

Die neusten Leser-Kommentare

  • fred am 09.08.2014 23:36 Report Diesen Beitrag melden

    vergleichst äpfel mit birnen

    Vergiss den Fisch... in der Türkei, oder Amerika oder viele andere Länder ist es nun mal anders. Dort geht es härter zu und nicht wie hier bei unseren bubi Bundesräte. Würde eine Frau in der Türkei nackt Bilder posten, gingen tausende auf die Strasse demonstrieren. Andere Sitten andere Bräuche

  • Carli am 09.08.2014 23:19 Report Diesen Beitrag melden

    Warum wollen

    alle immer so sein wie die Schweiz? Wir haben eine andere Kultur!....Geht gar nicht! Lest mal nach wie dies entstanden ist..war nicht einfach für unsere Vorfahren. Aber sie haben für ein besseres Leben gekämpft. Dies wird heute mit Füssen getreten! Die Helvetier würden sich im Grabe umdrehen, wenn sie die heutige CH sehen würden.

  • schweiztürkin am 09.08.2014 23:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    internationale niederlage

    sehen wir uns die Schlappe von der Opposition und dem ganzen Westen an. Ich freue mich darauf! Grosser Meister RTE wir glauben an dich!

  • philipp mäder am 09.08.2014 23:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ....FÜR erdogan....

    ich würde es erdogan sehr sehr gönnen. er hat schon sehr viel gutes für die türkei getan. (nicht nur sachen die einige nicht gut finden). schlussendlich setzt er sich sehr viel für die türkei ein. millionen stehen hinter ihm. und dank ihm ist die türkei wirtschaftlich enorm gewachsen. ich denke und hoffe, dass erdogan staats-präsident wird.....

  • g. bernasconi am 09.08.2014 22:41 Report Diesen Beitrag melden

    Tuerkei muss ins Abseits

    Im Falle einer Wahl Erdogan's muss die zivilisierte und demokratische Welt ihre Beziehungen mit der Tuerkei stoppen (wie bei Waldhiem in Oesterreich).