Wegen Unfallgefahr

27. Januar 2015 12:50; Akt: 27.01.2015 13:48 Print

Härtere Strafen für Suff-Velofahrer gefordert

von Thomas Bigliel - Betrunkene Velofahrer kommen vor dem Gesetz oft besser weg als Autolenker. Nun fordern SVP-Politiker eine einheitliche Lösung.

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Sie fahren bei Rot über die Strasse, ignorieren Vortrittsregeln und biegen abrupt ab. Velofahrer gelten in den Augen vieler Automobilisten als unverbesserliche Rowdys. In Deutschland will man die Radfahrer deshalb künftig härter anpacken. Bis anhin konnten die Radler ungestraft ein gerüttelt Mass Alkohol trinken und durften trotzdem fahren. Damit soll nun Schluss sein. Auch in der Schweiz kommen betrunkene Radfahrer oft glimpflich davon. Ein Entzug des Autobilletts droht den Suff-Velofahrern erst ab einer Blutalkoholkonzentration von 2,5 Promille. Bei den Autofahrern ist der Gesetzgeber weniger kulant: Wer sich nach dem Feierabendbierchen ins Auto setzt, muss bereits ab 0,5 Promille mit dem Entzug des Fahrausweises rechnen (siehe Box).

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Fahren Sie betrunken Velo?
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21 %
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Insgesamt 8615 Teilnehmer

Dass für Velo- und Autofahrer unterschiedliche Promillegrenzen gelten, findet man nicht überall gut. «Das macht doch überhaupt keinen Sinn», meint SVP-Verkehrsexperte Walter Wobmann. Für die Blaufahrer hat Wobmann wenig Verständnis: «Die Spielregeln haben für alle Verkehrsteilnehmer gleich zu sein. Egal, ob fürs Velo oder fürs Auto.» Dieser Meinung ist auch sein Parteikollege Ulrich Giezendanner: «Wer ein vierrädriges Fahrzeug nicht mehr unter Kontrolle hat, hat auch ein zweirädriges nicht mehr im Griff.» Der Transportunternehmer und Nationalrat will deshalb prüfen, ob der Alkoholgrenzwert für Velo- und Autofahrer nicht vereinheitlicht werden kann.

Jeder dritte Velounfall passiert im Suff

Dass für Vier- und Zweiräder gleich lange Spiesse geschaffen werden sollen, stösst auch beim Automobil Club der Schweiz (ACS) nicht auf Ablehnung. «Alkohol bei Velofahrern ist tatsächlich ein oft unterschätztes Problem», sagt ACS-Generaldirektor Stefan Holenstein. Velofahrer würden schon ab 0,3 Promille Entfernung und Tempo eines Autos nicht mehr gut einschätzen können. Bei 0,5 Promille verschlechtere sich die Sehleistung und bei 0,8 die Reaktionsfähigkeit. «Viele Velofahrer sind sich dessen nicht bewusst und gefährden so andere Verkehrsteilnehmer. Aktuelle Untersuchungen zeigen, dass bei jedem dritten von einem Velofahrer verursachten Unfall Alkohol im Spiel war.» Weil sie selten einen Helm trügen, sei das Risiko tödlich zu verunfallen bei alkoholisierten Velofahrern zudem fast dreimal höher als bei nüchternen Radlern.

Blaufahrten sind verboten

Auf Seiten von Velofahrern ist man über die Pläne der Verkehrspolitiker gar nicht erfreut. «Angesichts der im Verhältnis zu den Zahlen der Autofahrer eher tiefen Unfallzahlen sehen wir keinen Handlungsbedarf», sagt Jean-François Steiert, Präsident von Pro Velo und SP-Nationalrat. Das gewisse Velofahrer betrunken im Strassenverkehr unterwegs sind, streitet Steiert nicht ab. «Das ist aber ein Problem, das wir mit der bestehenden Regelung bereits gut im Griff haben.» Augenmass fordert auch CVP-Nationalrat Martin Candinas: «Wer sich betrunken auf einen Sattel schwingt, bringt in erster Linie sich selbst in Gefahr. Bei einem Auto sieht die Gefahrenlage aufgrund der meist höheren Geschwindigkeit anders aus.» Die SVP-Forderung sei deswegen eine regelrechte «Schnappsidee». «Es gibt sicher wichtigere Probleme als biertrinkende Velofahrer», so Candinas.

Auch wenn im Normalfall kein Ausweisentzug droht: Velofahren in angetrunkenem Zustand ist verboten. Wer sich nicht daran hält, riskiert eine saftige Busse, die mehrere hundert Franken hoch sein kann. «Grundsätzlich muss ein Velofahrer wie ein Autofahrer mit einer Busse rechnen, wenn er mehr als 0,5 Promille Alkohol im Blut hat», bestätigt Guido Bielmann, Mediensprecher des Bundesamts für Strassen (Astra).

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • biker am 27.01.2015 12:58 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unnötig und gefährlich

    Sobald beim Velo die gleichen Alk. regeln wie beim Auto gelten, nehme ich das Auto. Da komme ich viel bequemer von der Bar nach Hause... Nacher muss ich ja so oder so laufen.

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  • Guschti Meier am 27.01.2015 12:59 Report Diesen Beitrag melden

    Hicks

    Prima, dann werde ich wenn ich besoffen bin in Zukunft wieder das Auto nehmen!

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  • stefan am 27.01.2015 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Suff- fahrer

    Ich bin selber Suff- Fahrer. Fahre jeweils in meine Beiz auf Feldwegen weitab vom Verkehr. Daher finde ich es nicht gerechtfertigt, wenn ich straffällig würde. Wenn- dann gefährde ich mich höchstens selber. Wenn es gleichgestellt wirde, gäbe es auch kein Argument mehr mit dem Velo zu gehen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Martin L am 28.01.2015 19:06 Report Diesen Beitrag melden

    charakterliche Eignungstests

    wann ich diese Kommentare lese, dann habe ich den Eindruck, dass hier einige Leute charakterlich nicht für die Teilnahme am Strassenverkehr geeignet sind. Ein betrunkener Radfahrer, der vor ein Auto fährt, kann zum beispiel sehr rasch eine Massenkarambollage verursachen, das Risiko wird offenbar eindeutig unterschätzt, und somit ist klar neben der Eigengefährdung auch eine Drittgefährdung gegeben.... :-)

  • Martin Füglistaller am 28.01.2015 14:22 Report Diesen Beitrag melden

    Für alle Verkehrteilnehmer?????

    «Die Spielregeln haben für alle Verkehrsteilnehmer gleich zu sein. Wen dem so sein sollte gilt dies ja auch für Fussgänger den auch die nehmen am Verkehr teil. Ist Wahsinn dann verlierst Du auch zu Fuss den Führerschein. Die spinnen die Politiker. Sollen sich um richtige Probleme kümmern!!

    • Martin L. am 28.01.2015 19:08 Report Diesen Beitrag melden

      Fussgänger

      nun es soll auch solche geben die gar keinen Führerschein besitzen, ob man denen dann die Schuhe entzieht oder eine Ausgangssperre verhängt wird...

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  • Zuschauerin am 28.01.2015 10:18 Report Diesen Beitrag melden

    80/20-Regel

    Die 80/20-Regel gilt auch hier: 80 Prozent der Umfrageteilnehmer geben an, auch alkoholisiert mit dem Fahrrad am Strassenverkehr teilzunehmen. Erfahrungsgemäss ist bei solchen Leuten die Hemmschwelle auch betrunken als Autofahrer im Strassenverkehr teilzunehmen tiefer angesetzt und tun diese das auch. Da stellt sich die Frage ob da nicht zuwenig kontrolliert wird. Offenbar sollte die Polizei vermehrt Schwerpunktkontrollen durchführen und Betrunkene Verkehrsteilnehmer aus dem Verkehr ziehen und zu Fussgängern machen.

    • Ordnungsliebhaber am 28.01.2015 10:40 Report Diesen Beitrag melden

      @Zuschauerin

      Antwort an ZAnstelle in den Pärken und am Waldrand auf Kiffer-Jagd zu gehen würden sich die Herren und Damen Ordnungshüter lieber auf den Strassenverkehr konzentrieren und dort die Einhaltung der Regeln durchsetzen. Potential hierzu hat es zur Genüge und der Nutzen wäre für alle deutlich grösser, wenn all die Blaufahrer und Alkoholverharmloser für die Gefährdung anderer zur Kasse gebeten würden. Dass zuwenig kontrolliert wird zeigt sich mitunter auch daran, dass es immer wieder Leute gibt die erst nach jahrzehntelangem Fahren ohne Führerschein erwischt werden. uschauerin

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  • Masshaltigkeit am 28.01.2015 07:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Regelwahn

    Schwachsinn, wir haben bald soviel Regeln, das man schon nach dem Aufstehen unbewuss ein Vergehen begangen hat.

    • Pitsch am 28.01.2015 08:03 Report Diesen Beitrag melden

      Angefressener Biker

      Währe schon lange klar, die Velofahrer sind Verkehrsteilnehmer und haben sich an die gleichen regeln zu halten, leider wird das Biken/Velofahren von unvernünftigen missbraucht

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  • rita wirz am 28.01.2015 07:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    frau

    wer fährt , trinkt nicht !! wer trinkt , fährt nicht !! das ist meine Meinung , an die ich mich strikt halte !

    • Banause am 28.01.2015 07:53 Report Diesen Beitrag melden

      @rita wirz

      Das ist Ausdruck von Anstand, Respekt und Vernunft. Drei Dinge, die im Umgang mit Alkohol eher selten anzutreffen sind. Süchtige Schluckspechte verzichten aus zwei Gründen darauf: erstens können sie nicht anders (weil sie wegen ihrer Suchtkrankheit zwanghaft trinken) und zweitens führt Alkohol dazu, dass sich der Abhängige überschätzt und Probleme verdrängt. Zusammen mit der Billigalkoholflut ist das eine Garantie, dass die Meldungen über Blaufahrer und Verkehrsunfälle mit Alkohol nicht weniger werden.

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