Frauen an den Herd

27. Oktober 2017 16:56; Akt: 27.10.2017 16:56 Print

Warum ist die heutige Jugend so konservativ?

von P. Michel - Der Mann arbeitet, die Frau schaut zu den Kindern: Dieses Modell findet bei vielen Jungen Zuspruch. Ein Experte sagt, warum die Jugend konservativ tickt.

Für die Mehrheit der Schweizer Jugendlichen sind traditionelle Familienmodelle weiterhin erstrebenswert. (Video: Tamedia/SDA)
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Heiraten gehört zum Leben, der Mann soll die Familie ernähren, ein akademischer Grad ist ein Muss: Die Ergebnisse der Jugendstudie CH-X zeichnen ein konservatives Bild der Schweizer Jugend. Luca Bertossa, Wissenschaftlicher Leiter der Studie, erklärt die Ergebnisse.

Herr Bertossa, für die Mehrheit der 19-Jährigen sind traditionelle Werte hoch im Kurs: Die meisten möchten heiraten, 73 Prozent wünschen sich Kinder. Überrascht Sie das?
Die hohen Zustimmungswerte etwa für das traditionell-bürgerliche Familienmodell mit dem Mann als Ernährer haben uns selbst erstaunt. Das Alter der Befragten spielt vermutlich eine wichtige Rolle für diese eher konservative Einstellung. Sie stehen mit 19 Jahren am Übergang zum Erwachsenenalter und an der Schwelle zum Berufseinstieg. In dieser Zeit verändert sich sehr viel, womit auch die Verunsicherung steigt. Indem sich die Jungen an einer konservativen, heilen Welt festklammern, suchen sie Halt.

Sind die heutigen Jugendlichen gar konservativer als die Generationen vor ihnen?
Nein, das ist ein Märchen. Grundsätzlich bleiben die Grundwerte über Jahrzehnte stabil. Es ist auch nicht so, dass die ganze heutige Jugend stockkonservativ wäre. Es zeigen sich Unterschiede zwischen Stadt und Land: Um beim Familienthema zu bleiben – junge Männer aus ländlicher Umgebung möchten eher Vollzeit arbeiten, während junge Männer aus städtischer Umgebung eher möchten, dass auch die Partnerin arbeitet.

Eine Mehrheit jener Befragten, die Kinder wollen, findet: Die Frau soll sich vorwiegend um die Familie kümmern, der Mann ist der Ernährer. Interessiert die Jungen die Vereinbarkeit von Familie und Beruf nicht?
Diesen Schluss würde ich nicht ziehen. Man muss sehen: Es wurden 19-Jährige befragt. Viele von ihnen haben noch nie gearbeitet oder haben keine Erfahrungen in einer längerfristigen Beziehung. Ihre Idee von einer traditionell bürgerlichen Familie ist also noch ein Wunschbild. Das kann sich schnell ändern. Denn wir sehen, dass sich die Jungen stark auf das fokussieren, was direkt unmittelbar vor ihnen liegt. Darum interessieren sie sich auch kaum für Politik, dafür für Freunde und Freizeit. Dass die Jungen kein Interesse daran haben, einmal Beruf und Familie zu vereinen, wäre absolut falsch. Aber es stimmt: Es gibt Widersprüche.

Welche?
Während die Wichtigkeit des Lebensbereichs Karriere etwa im Vergleich zu Freunden oder Freizeit weit unten rangiert, sagen 50 Prozent der Befragten, sie möchten im Alter von 35 Akademiker oder Führungskraft sein. Das ist wohl ein Widerspruch, der bei 19-Jährigen normal sein darf, da sie sehr auf die Gegenwart und Selbstfindung fokussiert sind. Was mir dabei Sorgen macht, ist, dass offenbar sehr viele Junge auf eine Karriere hoffen, die für sie nicht realistisch ist.

Was meinen Sie damit?
Die Jugend ist eine Zeit, in der man träumen darf. Das finde ich absolut wichtig. Und offenbar üben das Image und das Prestige von Akademiker-Jobs eine grosse Anziehungskraft aus. Dieser Wunsch wird auch von den Eltern befeuert. Aber die Schweiz ist ein Land, in dem viele Junge eine Lehre machen und auch eine Berufslehre mittelfristig zu finanzieller Sicherheit führen kann. Dass 50 Prozent der 19-Jährigen mit 35 als Akademiker oder Manager arbeiten werden, ist eine Illusion. Wir müssen deshalb aufpassen, dass sich die Jungen nicht Hoffnungen machen, die sich dann zerschlagen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Märy am 27.10.2017 17:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ich, W, 27ig..

    ..befürworte dieses Modell. ich will meine Kinder aufwachsen sehen und Zeit mit ihnen verbringen. Wenn mein Partner auch daheim sein möchte, wäre ich auch bereit, 50/50 zu machen.

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  • 25 Jähriger am 27.10.2017 17:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na und?

    Und was soll an einer konservativen Haltung falsch sein herr Experte? Solangs für beide passt, ist doch super! Nehme kaum an dass nur Jungs befragt wurden (vonwegen Machogelaber etc)

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  • Kritik Ker am 27.10.2017 17:02 Report Diesen Beitrag melden

    Fragwürdig

    Umfragen immer Fragwürdiger. Irgendwann komm einer auf die Die, Kindergarten-Kinder zu fragen was sie von der AHV halten.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Unbekannt am 30.10.2017 19:54 Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Ich finde es unglaublich egoistisch, wenn Nur-Hausfrauen und -Mütter es als selbstverständlich ansehen, dass sie den ganzen Tag daheim bleiben können über Jahre und Jahrzehnte und sich und ihren Nachwuchs vom Mann, Staat und Umfeld (Grosseltern, "Göttis/Gotten" und anderen Unbeteiligten) finanzieren lassen. Der Mann muss arbeiten und sie lässt sich bequem finanzieren. Das ist doch nicht korrekt so.

    • Drizzt am 08.11.2017 03:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Unbekannt

      Hmm dann sollten wir schauen dass keine Frauen und Männer mit 100% Arbeit weniger als 5000.- x13 bekommen. Vor allem Frauen werden einfach immer noch zu Löhnen beschäftigt für die 90% der Männer nichtmal aufstehen würden... Wie soll den da eine Frau auch mit EFZ weiter arbeiten nach der Geburt WENN SIE MÖCHTE?

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  • RF am 30.10.2017 18:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Mütter stehen den Väter im Weg

    Die Mütter verhindern, dass der Vater mehr Zeit hat für die Kinder. Sollte ein Vater ausnahmsweise das Sorgerecht bekommen, dann muss die Ex-Frau auch Alimenten bezahlen.

  • Lehrer am 30.10.2017 10:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Individualisten

    Bei nur 14 Wochen Mutterschaftsurlaub. Klar. Nach weniger als einem halben Jahr gibt man sein Kind nicht her. Dennoch ein wenig Gemeinschaftssinn indem die kleinen Prinzen vor der Schule lernen mit anderen Kindern sich zu arrangieren täte manchen Kindern gut. Da bin ich konservativ.

    • Dor am 30.10.2017 11:02 Report Diesen Beitrag melden

      Mami

      Lieber Individualist. Dieses Problem stammt aber nicht daher dass eine Mutter ihre Kinder selber grosszieht. Dies fällt zurück auf die gesellschaftliche Entwicklung dass Eltern den Kindern nicht mehr getrauen Grenzen zu setzen. Und wenn Kinder miteinander spielen, regeln die Eltern die Auseinandersetzungen der kids. Wenn man als Mutter oder Vater nicht sofort einschreited, wenn sein Sprössling sich nicht ganz korrekt verhält, kommt die Mutter oder Vater das anderen Kindes und trägt das unter sich aus. Nicht die Kinder selber.

    • RF am 30.10.2017 18:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Lehrer

      Dank der Umverteilung erhalten die Frauen jedes Jahr über eine Vielzahl von Gesetzen und Kassen 15 bis 20 Milliarden Franken von den Männern. Für einen 2- oder 4-wöchigen Vaterschaftsurlaub hat man kein Geld oder ist zu teuer. Die jährlichen Mehrkosten der Frauen belaufen 15,5 Milliarden Franken. Die jährlichen Mehrkosten der Männer belaufen sich auf 200 Millionen oder 430 Millionen Franken.

    • Lina am 30.10.2017 22:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Dor

      Doch, der Lehrer hat Recht. Wir haben nämlich nicht mehr 6 - 13 Kinder pro Familie, keinen grossen Garten, Wäsche etc. von Hand waschen, Brot etc. selber machen. Früher mussten die Frauen zu Hause bzw. auf dem Hof viel mehr leisten, das wird leider von vielen vergessen. Kinder untereinander bringen sich sehr viel bei, mal abgesehen davon, dass auch Tanten, Grosseltern und Nachbarn die Kinder miterzogen haben. Vergleiche mit früher sind daher unmöglich.

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  • Urs Hürlimann am 28.10.2017 22:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realismus - nicht Tradition

    Was hat das Ergebnis mit traditionell-bürgerlich zu tun? Als Mann kann ich die Mutter in der ersten Zeit aus biologischen Gründen nicht ersetzen und zudem hat die Mutter auch selber eine anstrengende Zeit hinter sich gebracht. In der Zeit muss ja irgendjemand das Geld nachhause bringen oder nicht? Klar ist es einfacher wenn beide arbeiten, aber selbst der Lohn einer normalen Akademikerin ist nahezu 100% für die Füchse bei den Preisen der KITAs. Es ist eine reale Lösung, keine traditionell-bürgerliche. Hört doch endlich mit dem Scheuklappendenken auf! Furchtbar!

  • luna am 28.10.2017 20:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    nein danke

    Genau deshalb will ich keine Kinder. Ich mag sie nicht besonders und zu Hause zu sitzen und Windeln zu wechseln wäre für mich absolute Horror-Vorstellung. Einrn Mann zu finden, der ohne Diskussionen die Hälfte der Kinderarbeit übernimmt und sein Pensum reduziert, ist fast unmöglich.

    • Wissender am 28.10.2017 21:04 Report Diesen Beitrag melden

      @luna

      Wenn eine Familie mit normalen Einkommen wenigstens am unteren Rand des Mittelstandes leben und nicht in die Unterschicht abstürzen möchte, müssen beide Elternteile zusammen mindestens zu 170% bezahlter Erwerbstätigkeit nachgehen. Wer weniger arbeitet bzw. verdient, kann sich zudem kaum eine anständige Altersvorsorge aufbauen. Wie du siehst, der Spielraum von Paaren, Arbeitspensen zwecks Kinderbetreuungs- und Erziehungsaufgaben zu reduzieren, wird politisch schmal gehalten. Bei besseren Rahmenbedingungen wären die Männer jedoch gewillt, im Interessen der Frauen lediglich Teilzeit zu arbeiten.

    • Carola am 28.10.2017 21:32 Report Diesen Beitrag melden

      Das Leben

      Sie kamen wohl als Erwachsene auf diese Welt?

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