Lokführer skeptisch

23. September 2017 10:34; Akt: 23.09.2017 12:18 Print

SBB und RhB planen selbst fahrende Züge im Tunnel

von Stefan Ehrbar - Automatisch fahrende Züge im Gotthard- und Vereinatunnel sollen die Kosten senken. Lokführer befürchten Nachwuchsprobleme.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Wenn sich SBB-Chef Andreas Meyer Ende September mit 15 Lokführern ausspricht, wird es auch darum gehen, ob es deren Job in Zukunft noch geben wird. Die Bahnen treiben im Rahmen ihres Programms SmartRail 4.0 die Automatisierung voran. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) hat vor kurzem grünes Licht für das gemeinsame Vorgehen gegeben, nachdem es erst noch Bedenken angemeldet hatte.

Umfrage
Würden Sie in einem führerlosen Zug mitfahren?

Das Teilprojekt Automatisches Fahren wird von der Südostbahn (SOB) geleitet. Diese will 2019 einen ersten Test mit führerlosen Zügen im Toggenburg starten – vorerst noch ohne Passagiere. Das Projekt ist nicht das einzige, wie eine Präsentation der SBB zeigt, die 20 Minuten vorliegt.

«Kapazität im Tunnel steigern»

Die Rhätische Bahn (RhB) denkt darüber nach, ihren Autoverlad im Vereinatunnel so weit zu automatisieren, dass noch ein Lokführer in den Zügen mitfahren müsste. Der würde aber nur noch das Funktionieren der Systeme überwachen. Ein solches Vorgehen wird als Automatisierung der Stufe 2 verstanden. Die Stufe 1 kennzeichnet das heutige System einer manuellen Fahrt mit Zugsicherung, die Stufe 4 einen vollautomatischen Betrieb ohne Personal.

RhB-Sprecherin Yvonne Dünser sagt, die RhB habe im Vereinatunnel die Kapazität zu Spitzenzeiten erreicht und prüfe, ob sie durch geschickte Zugslenkung erhöht werden könne. Dem Lokführer komme nach wie vor eine wichtige Rolle zu. Es gehe darum, zu prüfen, ob ihm zusätzliche Informationen zur Verfügung gestellt werden könnten. «Wir hoffen, die Kapazität zu steigern oder zumindest die Pünktlichkeit verbessern zu können.»

«Führerlose Züge kein Thema»

Die Berner RBS will laut Präsentation ab 2025 mit einem Automatisierungsprojekt beginnen, sobald der umgebaute Bahnhof Bern in Betrieb ist. Die SBB wiederum plant ab 2020 die Realisierung von ersten Automatisierungen der Stufe 2. Bereits 2019 soll im Gotthard-Basistunnel ein Vorläufer installiert werden. Die genauen Details sind noch offen, wahrscheinlich soll die Geschwindigkeit der Züge im 57 Kilometer langen Tunnel vollautomatisch und energieschonend reguliert werden.

SBB-Sprecher Olivier Dischoe will das spezifische Projekt nicht kommentieren. Die Automatisierungsprojekte allgemein sollen die Kapazität, Sicherheit und Wettbewerbsfähigkeit der Bahn weiter erhöhen, sagt er. «Führerlose Züge ohne Menschen sind zurzeit kein Thema.»

Lokführer sind skeptisch

Die Lokführer blicken den Projekten mit gemischten Gefühlen entgegen. «Die Automatisierungs-Vorhaben haben bereits jetzt einen Einfluss auf die Rekrutierung von Lokführern», sagt Hubert Giger, Präsident des Schweizer Lokführer-Verbands (VSLF). «Sie wird immer schwieriger, weil das Berufsbild mit der Automatisierung unattraktiver zu werden droht.»

Grundsätzlich stehe der VSLF Automatisierungen positiv gegenüber. «Wir sehen aber auch, dass die erste Euphorie wieder verflogen ist», sagt Giger. Es werde nur noch über Projekte der Stufe 2 diskutiert. Wann sie eingeführt werden, sei noch nicht klar – ebenso wenig, wie damit Geld gespart werden könne und was damit erreicht werde. «Wir wissen, dass die Züge damit nicht schneller oder schöner fahren.»

Wichtig sei, dass von den Projekten nicht nur die Industrie profitiere. Zudem bestehe die Gefahr, dass Züge ab einem gewissen Automatisierungs-Grad bei einer Panne nur noch manuell gefahren werden könnten oder dass viele Lokführer auf Pikett bereitstehen müssten. «Wir begrüssen es deshalb, dass wir beim Treffen mit Andreas Meyer unsere Erwartungen anbringen können», sagt Giger.

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Cyberdyne Systems am 23.09.2017 10:50 Report Diesen Beitrag melden

    Roboter

    Ich war Schlosser und wurde durch eine CNC Maschine ersetzt, heute bin ich Ofenbauer . Ich Hoffe, dass der Bauroboter erst nach meiner Pension entwickelt wird.

    einklappen einklappen
  • Scientist am 23.09.2017 10:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BGE

    Die Automatisierung Schreitet unaufhaltsam voran. Wir kommen in Zukunft nicht um ein bedingungsloses Grundeinkommen herum.

    einklappen einklappen
  • Erzieherin am 23.09.2017 11:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Alle und jeden ersetzen? Nein!

    Und immer mehr Menschen werden arbeitslos weil die Maschinen uns alle ersetzen. Die einzige davon profitieren, sitzen an der Spitze oben. Mich schaudert es, wenn ich an die Zukunft der neuen Generationen denke....

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Manuel am 25.09.2017 00:29 Report Diesen Beitrag melden

    Super Sache

    Berufe ändern sich mit der Zeit. So auch der Beruf des Lockführers. Es wird der Tag kommen an dem die ersten Züge ohne Lockführer fahren und die Lockführer bei einer Störung von ausserhalb auf die Lock zugreifen werden.

    • Lo(c)kführer am 25.09.2017 08:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Manuel...richtig....

      ...vom Lokführer zum Lockführer, wir latschen dann durch die Gegend und locken Besucher an, denen wir dann die Umgebung zeigen...

    einklappen einklappen
  • Lokführer am 24.09.2017 17:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Steuerzahler schaut genau hin...

    Den in der Frühlingsausgbe des Locofolio (VSLF Zeitschrift) zweifelte ein Ingenieur der Bahnindustrie über die Machbarkeit in einen offen Bahnsystem. Ebenso im selben Interview ein Vertreter des BAV über die Kosteneinhaltung . Eigentlich ist die Industrie für solche Innovation zuständig und warum das BAV 6Monate später einknickt entziehet sich meiner Kenntnis.Man muss davon ausgehen das die Bahnen hier einen Eigenläufer produzieren und diese Vision darf der Kunde und Steuerzahler bezahlen.Die Direktoren der Bahn haben nie erklärt wie sie dies zahlen wollen , also ist klar der Bahnkunde

  • B. Wusst am 24.09.2017 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selbstfahrend

    Was für eine unglückliche Überschrift. Es ist ein Unterschied ob man "selbst fahrende Züge" (also man überlässt die Planung fahrender Züge keinem anderen) oder "selbstfahrende Züge" plant.

  • g. bernasconi am 24.09.2017 10:25 Report Diesen Beitrag melden

    SBB: traeumen aber nichts tun

    Die Idee ist grossartig.....als waehrend ueber 2 Stunden in Gotthard steckengebliebener Passagier, freue ich mich schon auf das naechste Steckenbleiben......ohne Lokfuehrer diesmal, das kann dann noch lustiger werden. Ich glaube nicht, dass es eine Rueckerstattung dann geben wird: fuer den 1. Vorfall habe ich weder eine Antwort noch Geld von der SBB erhalten, das ist eben Kundendienst! PS: Wie waere wenn die SBB zuerst ihren Betrieb und ihre Puencklichkeit unter Kontrolle bringen?

  • Yves A. Schneider am 24.09.2017 10:02 Report Diesen Beitrag melden

    BGE ist überfällig

    Scientist, ja das BGE ist überfällg und die Automation kommt sowieso. Das BGE ist Kostenneutal ist und es muss viel weiter gehen. Einführen einer Transaktionssteuer von max. 1%. Jeder Geldtransfer wird mit einer Steuer belastet, im Gegenzug wird die MWSt um 1% gesenkt und in einer weiteren Phase die Einkommenssteuer unter 100'000 CHF fallen gelassen. Da tägliche Milliarden transferiert werden, würde das für den Staat lohnen und es wäre gerecht. Denn der der kleine Summen transferiert, (bei 100'000 im Jahr 1000 CH), ist es wenig. Die Bürger hätten mehr Geld und wäre weniger krank.