Tierquälerei-Verbot

01. März 2011 16:26; Akt: 01.03.2011 17:01 Print

«Pelzhandel ist nichts Verwerfliches»

von Ronny Nicolussi, Bern - Pelze von Tieren, die gequält wurden, dürfen weiterhin in die Schweiz importiert werden. Ständerat Ivo Bischofberger erklärt, weshalb er gegen eine Initiative gestimmt hat, die das verhindern wollte.

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Ein Nerz wartet in einem Käfig in China auf seine Verarbeitung. (Bild: Keystone/Diego Azubel)

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Sie haben heute mit der Mehrheit des Ständerats gegen ein Importverbot für «tierquälerisch hergestellte Pelzprodukte» gestimmt. Haben Sie kein Herz für Tiere?
Ivo Bischofberger: Natürlich bin ich dagegen, wenn Tiere bei der Pelzproduktion gequält werden. Die Frage, die sich in diesem Zusammenhang stellt, ist aber eine andere. Wie können wir sicherstellen, dass die Konsumenten darüber informiert sind, was für ein Produkt sie kaufen, wenn sie sich für einen Pelz entscheiden.

Damit schieben Sie die Verantwortung an die Kunden weiter.
Das muss so sein. Ziel ist eine Gesetzgebung, bei der die Kunden aufgrund einer Deklarationspflicht ganz genau wissen, was für Produkte sie erwerben.

Was hätte gegen ein Verbot solcher Importe gesprochen?
Ein Verbot wäre illusorisch gewesen. Damit wäre über das Ziel hinausgeschossen worden. Der Pelzhandel an und für sich ist ja nichts Verwerfliches, wenn die Tiere tierschutzgerecht gehalten werden. Wichtig ist einfach, dass man genau hinschaut, wie die Produkte hergestellt werden.

Offenbar eben nicht so, wie wir uns das in der Schweiz vorstellen.
In der Schweiz haben wir tatsächlich in der Tierschutzgesetzgebung einen sehr hohen Standard.
Wir können anderen Ländern aber nicht unsere Standards aufzwingen.

Wir könnten aber darauf pochen, dass nur Pelze in die Schweiz gelangen, die nach Schweizer Normen «produziert» werden.

Das machen wir indirekt auch, indem wir eine Deklarationspflicht für Pelze einführen werden. Das Parlament hat einer entsprechende Motion von Nationalrätin Tiana Moser zugestimmt. Damit soll für den Kunden transparent werden, ob ein Pelz aus einem Land kommt, in welchem es einschlägige Schwarzmärkte gibt.

Auf der Etikette wird wohl kaum stehen, dass ein Tier gequält wurde.

Ich gehe davon aus, dass die Deklarationen seriös gemacht werden. Das ist einerseits im Interesse des Landes, das die Deklarationen ausstellt, und anderseits im Interesse der internationalen Gesetzgebung. Die Welthandelsorganisation WTO/GATT wird solche Deklarationen kontrollieren und bei Ländern, die Missbrauch betreiben, Massnahmen ergreifen.

Wie effektiv sind solche Kontrollen, in Ländern, in denen Tiere gequält werden?
Ich weiss nicht im Detail, wie das in den einzelnen Ländern gehandhabt wird. Aber es gibt internationale Standards, die eingehalten werden müssen. Wenn die Schweiz etwas bewirken will, muss sie sich in solchen internationalen Gremien einsetzen. Tierschutz, Konsumentenschutz und Handel haben sich dazu bereits zusammengesetzt und sich auf einschlägige Artikel im Konsumenteninformationsgesetz geeinigt.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Chantal am 01.03.2011 17:56 Report Diesen Beitrag melden

    Jedes Leben zählt

    Weshalb müssen die Tiere sterben? Damit die teuren Pelze von irgendwelchen reichen Schnöseln getragen werden können. Kein Geld der Welt reicht, um ein Leben zu bezahlen. Das wäre wohl das gleiche, wie wenn wir einem Menschen die Haut abziehen würden, damit jemand anderes sie anziehen kann. Und über das Ziel hinausgeschossen wird noch lange nicht: Wenn schon sollte es ein weltweites Verbot von Pelzen geben. Wie gesagt: Ein Leben kann man nicht bezahlen. Auch wenn es "nur" das eines Tieres ist.

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  • der schweizerhamburger am 02.03.2011 08:59 Report Diesen Beitrag melden

    eine farce

    das klingt genauso wie seinerzeit der aufkleber auf den thunfischdosen - delphinfreundlich gefangen. eine farce ohne ende. wenn die kontrollen nicht direkt am anfang ansetzten kann man das ganze nur als lautmalerisches getue von herrn bischofsberger abtun.

  • Noël C.B am 01.03.2011 14:11 Report Diesen Beitrag melden

    "Die Schande von Bern"

    Wer gegen eine solche Initiative stimmt macht sich selber mitschuldig an der Tierquälerei. Herr Bischofberger, Goethe sagte mal: Wer Tiere quält, ist unbeseelt, und Gottes guter Geist ihm fehlt. Mag noch so vornehm drein er schauen, man sollte niemals ihm vertrauen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Lauren am 04.03.2011 11:22 Report Diesen Beitrag melden

    Pelz gibt warm und ist kuschelig!

    Ich selbst liebe Pelz, ich habe aber nur welchen aus Tiergerechten Haltungen. Stupid Pelz in der Schweiz tragen? Es ist im Winter eisig kalt und in den Bergen wohl oder übel eine gute alternative gegenüber unkuscheligen Winterjacken. Pelz ist gut. Ich werde weiterhin Pelz kaufen und ihn tragen. Das Verbot kann man nicht ändern , man würde sowieso dann halt einfach im Ausland kaufen gehen.

    • Katja am 04.03.2011 12:53 Report Diesen Beitrag melden

      zu so einer Aussage kann man nur sagen:

      Igitt!!

    • Schweizer am 04.03.2011 16:58 Report Diesen Beitrag melden

      Super

      @Katja: Tolles Argument -.- @Lauren: Finde ich super das Sie dazu stehen. Warum auch nicht? Wir leben schliesslich in einer Konsum-Gesellschaft und wenn Bedarf vorhanden ist wird eben auch produziert! Bleiben Sie weiterhin stark denn in einem Land wo mir die Entscheidung genommen wird will ich nicht Leben und ich kann mir nicht vorstellen das dies in der Schweiz jemals der Fall sein wird.

    • Clare am 08.03.2011 11:34 Report Diesen Beitrag melden

      Hauptsache:Schönreden!

      haha,das ist ja ein Knüller:Tiergerechte Haltung.Willkommen in der Welt der Verdrängung, Verblendung und Stumpfheit.Schön sich selber ins Gewissen reden, dann tut das Pelze tragen nicht mehr so weh.Mach doch mal ne Runde in einer "argerechten" Pelztierfarm:viel Vergnügen!

    • Franziska Pfleum am 08.04.2011 01:41 Report Diesen Beitrag melden

      Pelze für jeden

      Die Schweiz hat entschieden, Pelze müssen sein, Pelze werden verlangt, ob in der Schweiz oder anderswo. Ziehen wir weiterhin den Tieren das Fell über die Ohren, kleiden uns mit Tierleichen und genießen den Winter, in den kuscheligen Fellen. Ob Mantel, Swinger, Jacke, Hut, Muff, Stolen, und auch unsere Kosmetik und Handy soll nicht frieren und unsere Lederstiefel wollen auch in Pelz gehüllt sein. Die Chinesen freuen sich, wenn wir in Europa eine Farm nach der anderen schließen. Warum sollen wir nur im Winter Pelz tragen, auch für den Sommer wird es bald Kleider, Kostüme aus Pelz zu sehen sein,

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  • Daniel am 03.03.2011 19:23 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr wählen

    Richtig, solche Leute nicht mehr wählen! Das sich ein CVP Mann (christlich?) sich gegen solche Verbote auspricht ist für mich nicht nachvollziehbar. In der Schweiz braucht eh keiner ein Pelzmantel. Das ist "stupider" Luxus für die Reichen.

  • Gabi am 03.03.2011 19:17 Report Diesen Beitrag melden

    Naives Denken

    Es gibt anscheinend immer noch Leute, die denken, Pelze stammen von Tieren, die "natürlich" gestorben sind, daher würde ich mich freuen, in einem so fortschrittlichen Land zu leben, welches ein solches Verbot durchsetzen könnte. Ausserdem merken gewisse Leute gar nicht, wenn sie eine Winterjacke mit Echtpelz kaufen. Stattdessen glaubt man immer noch an die Vernunft der Kunden, welch naives Denken! Warum sind Froschschenkel und Schildkrötensuppe nicht bei uns mehr im Restaurant erhältlich? Aus ähnlichen Gründen! Es wäre wieder einmal an der Zeit, Mut zu zeigen und einfach nein zu sagen.

    • aranypok am 04.03.2011 06:51 Report Diesen Beitrag melden

      Keine Pelze mehr

      Und was macht ihr mit den Pelzen von Tieren, die als Nahrung geschlachtet werden? Schmeisst man die einfach weg? Ist das nicht auch eine Verhöhnung des Tieres? Ich finde es nicht richtig, wenn man Teile von Geschöpfen nicht nutzt, die durch unsere Lust am Fleisch sowieso sterben müssen.

    • S.H am 05.03.2011 19:49 Report Diesen Beitrag melden

      Schlachttiere?

      Pelze von Schlachttieren? Nie gehört. Habe noch nie Nerz gegessen und auch keine Sibirischen Wölfe. Ein Importverbot geht auch nicht darum, dass wir das Fell der Kühe von nun an fortschmeissen müssen. Ich kenne allerdings auch kaum Frauen, die im Kuhpelz durch die Stadt stolzieren.

    • hase02 am 10.03.2011 22:13 Report Diesen Beitrag melden

      Schlachttiere sind sie nicht

      Ist fast zu lustig, wenn es wirklich noch Menschen glauben, daß wir Tiere, die für Pelz gezüchtet, erschossen werden, essbare Tiere sind. Ich kenne nur sehr wenige. OK, manche lassen sich für uns weiter verwerten, zu kosmetischen Produkten, sonstige Mittel, die uns helfen. Da wir trotzallem nach Pelz verlangen, so wird sich an der Zucht wohl kaum etwas ändern, höchstens in andere Länder verlagern.

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  • venus am 03.03.2011 15:55 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht mehr wählen

    Das ist doch ganz einfach: Man soll solche Politiker wie Bischofberger nicht mehr wählen. Punkt.

  • adrian am 03.03.2011 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Sauerei

    Solche Aussagen von einem ``Politiker`` finde ich eifach unfassbar. Vielleicht sollte man mit Ihm das gleiche anstellen wie mit den Tieren!?

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