Absurde Reklamationen

11. Mai 2017 10:20; Akt: 11.05.2017 12:49 Print

«Darf mein Nachbar nachts aufs WC gehen?»

von Laly Zanchi - Lauter Sex in der Mietwohnung ist okay, Trompetenspiel aber nicht. Ein Rechtsberater des Mieterverbands erzählt, was erlaubt ist und was nicht.

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Ruedi Spöndlin hat in seiner Funktion als Rechtsberater beim Schweizer Mieterverband schon mit vielen unzufriedenen Mietern zu tun gehabt. Er hat 20 Minuten von seinen skurrilsten Reklamationen erzählt und erklärt, welche Geräusche in einer Mietwohnung zulässig sind. Fühlen sich Mieter von den Pinkel- oder Spülgeräuschen gestört, muss man damit leben. Spöndlin erinnert sich daran, wie ihn eine Mieterin verlegen gefragt habe, ob sie ihrem Nachbarn verbieten könne, nachts auf die Toilette zu gehen. «Natürlich mussten wir ihr sagen, dass das nicht geht.» Auch wenn vielerorts zwischen 12 und 13 Uhr Ruhezeit gilt, dürfen Mieter das Geschirr über Mittag abwaschen. Spöndlin erinnert sich an einen verärgerten Mieter, der das Geräusch sogar auf einem Gerät aufgenommen hatte. Genützt hat ihm das nichts. Ab und zu beschweren sich laut Spöndlin Leute darüber, dass ihre Nachbarn nachts ummöblieren würden. Das ist nicht erlaubt. «Bei solchen Reklamationen stellt sich dann aber oft heraus, dass der Nachbar bloss ein paar Mal von seinem Stuhl aufgestanden ist.» Auch in der Nacht sind nicht alle Geräusche absolut verboten. Während der Nachtruhe gilt laut Spöndlin ‹Zimmerlautstärke›. «Das heisst, dass man so laut reden und Musik hören darf, dass man es im gleichen Zimmer versteht.» Hörbaren Sex in der Mietwohnung zu haben ist nicht verboten. «Sogenannte ‹Lustgeräusche› gehören zu den normalen Lebensgeräuschen dazu», sagt Spöndlin. Babygeschrei ist unvermeidbar und muss von den Nachbarn toleriert werden. Ältere Kinder haben auch das Recht, in der Wohnung tagsüber zu spielen. Nachts sollten Kinder aber nicht laut toben oder schreien. Wer in der Nähe von Familien lebt, müsse mit gewissen Geräuschen rechnen. Reklamationen wegen Klavierspiel würden immer wieder bei der Beratungsstelle eingehen. «Zwei bis drei Stunden am Tag ein Instrument zu spielen ist aber völlig akzeptabel», sagt Spöndlin. Sehr laute Instrumente wie Schlagzeug oder Trompete solle man aber nicht in einer Mietwohnung üben. Übermässig lautes Musikhören oder Fernsehen sollte aus Respekt gegenüber den Nachbarn vermieden werden. «Man erlebt manchmal junge Mieter mit null Wohnkompetenz, die zu später Stunde noch laut Musik hören und aggressiv reagieren, wenn man sie darauf anspricht», sagt Spöndlin. Wenn ein Mieter mit ungerechtfertigten Lärmreklamationen Psychoterror mache, habe der andere Mieter oft das Nachsehen. Laut Spöndlin hat der Mieter, der zuerst reklamiert, die Verwaltung meist für sich eingenommen. «Hat der Vermieter Grund zur Annahme, dass ihm der Reklamierer zu viele Mieter vertreibt, kann eine Kündigung durchaus gerechtfertigt sein», sagt Spöndlin. Dass der Mieter, der zuerst eine Reklamation macht, von der Verwaltung bevorzugt behandelt wird, dementiert Annekäthi Krebs vom Hauseigentümerverband. «Reklamiert ein Mieter sehr häufig, riskiert er im Gegenteil, nicht mehr glaubwürdig zu sein, und verdirbt es sich allenfalls mit der Verwaltung.»

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Wenn Menschen auf engem Raum mit ihren Nachbarn zusammenleben, kann jede Sekunde Ruhe kostbar werden. Da können beim kleinsten Geräusch schnell die Nerven blank liegen. Manche Vermieter versuchen sich mit extrem detaillierten Hausordnungen zu helfen und den Frieden im Wohnkomplex zu bewahren.

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Ruedi Spöndlin hat in seiner Funktion als Rechtsberater beim Schweizer Mieterverband schon mit vielen unzufriedenen Mietern zu tun gehabt. Er hat 20 Minuten von seinen skurrilsten Reklamationen erzählt und erklärt, welche Geräusche in einer Mietwohnung zulässig sind.

Nachts aufs Klo
Fühlen sich Mieter von den Pinkel- oder Spülgeräuschen gestört oder werden sie gar davon geweckt, muss man damit leben. Spöndlin erinnert sich daran, wie ihn eine Mieterin verlegen gefragt habe, ob sie ihrem Nachbarn verbieten könne, nachts auf die Toilette zu gehen. «Natürlich mussten wir ihr sagen, dass dies nicht geht.»

Mittags Geschirr abwaschen
Auch wenn vielerorts zwischen 12 und 13 Uhr Ruhezeit ist, dürfen Mieter das Geschirr über Mittag abwaschen. Spöndlin erinnert sich an einen verärgerten Mieter, der das Geräusch sogar auf einem Gerät aufgenommen hatte. Genützt hat ihm das nichts.

Nachts Möbel umstellen
Ab und zu beschweren sich laut Spöndlin Leute darüber, dass ihre Nachbarn nachts ummöblieren würden. Dies ist nicht erlaubt. «Bei solchen Reklamationen stellt sich dann aber oft heraus, dass der Nachbar bloss ein paar Mal von seinem Stuhl aufgestanden ist.»

Haben Sie auch schon eine absurde Reklamation von einem Nachbarn bekommen? Erzählen Sie uns davon.

Nächtliche Unterhaltungen
Auch in der Nacht sind nicht alle Geräusche absolut verboten. Während der Nachtruhe gilt laut Spöndlin ‹Zimmerlautstärke›. «Das heisst, dass man so laut reden und Musik hören darf, dass man es im gleichen Zimmer versteht.» Auf einem Balkon gelte «ab Eintritt der Nachtruhe ‹Tischlautstärke›, so dass man es nur noch am gleichen Tisch versteht.»

Lauter Sex
Hörbaren Sex in der Mietwohnung zu haben ist nicht verboten. «Sogenannte ‹Lustgeräusche› gehören zu den normalen Lebensgeräuschen dazu», sagt Spöndlin.

Schreiende Babys
Babygeschrei ist unvermeidbar und muss von den Nachbarn toleriert werden. Ältere Kinder haben auch das Recht, in der Wohnung tagsüber zu spielen. Nachts sollten Kinder aber nicht laut toben oder schreien. «Wenn ein Kind einen nächtlichen Tobsuchtsanfall hat, können die Eltern auch nicht immer etwas dagegen tun», sagt Spöndlin. Wer in der Nähe von Familien lebt, müsse mit solchen Geräuschen rechnen.

Musizieren
Reklamationen wegen Klavierspiel würden immer wieder bei der Beratungsstelle eingehen. «Zwei bis drei Stunden am Tag ein Instrument zu spielen, ist aber völlig akzeptabel», sagt Spöndlin. Sehr laute Instrumente wie Schlagzeug oder Trompete solle man aber nicht in einer Mietwohnung üben.

Laut Musik hören oder fernsehen
Übermässig lautes Musikhören oder Fernsehen sollte aus Respekt gegenüber den Nachbarn vermieden werden. «Man erlebt manchmal junge Mieter mit null Wohnkompetenz, die zu später Stunde noch laut Musik hören und aggressiv reagieren, wenn man sie darauf anspricht», sagt Spöndlin. Es komme aber auch vor, dass ältere Bewohner zu laut fernsehen, weil sie nicht mehr gut hören.

Was, wenn der Nachbar dauernd reklamiert?

Wenn ein Mieter mit ungerechtfertigten Lärmreklamationen Psychoterror macht, habe der andere Mieter oft das Nachsehen. Laut Spöndlin hat der Mieter, der zuerst reklamiert, die Verwaltung meist für sich eingenommen. «Hat der Vermieter Grund zur Annahme, dass ihm der Reklamierer zu viele Mieter vertreibt, kann eine Kündigung durchaus gerechtfertigt sein», sagt Spöndlin. Das sei aber schwierig zu beweisen, und man versuche in der Regel, zwischen den Mietern zu vermitteln. «Sonst raten wir meist dem anderen Mieter, sich eine neue Wohnung zu suchen. In so einem Haus wird man auf Dauer nicht glücklich.»

Die Dauerreklamierer sind laut Annekäthi Krebs vom Hauseigentümerverband auch für Vermieter eine schwierige Situation. «Solche Mieter wird es immer geben, man muss als Vermieter lernen einzustufen, ob sie die Lebensqualität der anderen Mieter einschränken und angemessen handeln.» Dass der Mieter, der zuerst eine Reklamation macht, von der Verwaltung bevorzugt behandelt wird, kann Krebs nicht bestätigen. «Reklamiert ein Mieter sehr häufig, riskiert er im Gegenteil, nicht mehr glaubwürdig zu sein, und verdirbt es sich allenfalls mit der Verwaltung.» Reklamiere er hingegen in zehn Jahren einmal, werde ihm viel mehr Glauben geschenkt.

Haben Sie auch schon eine absurde Reklamation von einem Nachbarn bekommen? Erzählen Sie uns davon!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Andy am 11.05.2017 10:35 Report Diesen Beitrag melden

    Papierwände

    Was sind das für Wohnungen, wenn man den Nachbar pinkeln hört?? Papierwände---billig gebaut aber teuer vermietet.

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  • Amadies am 11.05.2017 10:40 Report Diesen Beitrag melden

    Lärmbelästigung

    Baut nur noch billiger......es geht nichts über Profitgier. Wenn man hört wann der Nachbar oben die Zähne putzt, sind Probleme vorprogrammiert.

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  • Toleranz am 11.05.2017 10:48 Report Diesen Beitrag melden

    Reklamieren als Olympiadisziplin?

    Viele Menschen sind so ICH bezogen,da fehlt jegliche Toleranz,Anstand und Respekt!Ich höre meinen Nachbar auch sofern ich wach bin, wenn er auf Toilette geht,na und?Es gibt X Beispiele wo sich notorische Nörgler aufregen, nur nicht über sich selber!!

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Tolerante am 13.05.2017 00:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nachbarn

    In meiner alten Wohnung hat meine Abwartin,sie wohnt im EG und ich im 3.Stock, morgens gehört,wenn meine Zahnbürste ins Lavabo gefallen ist. Zudem wusste sie auf die Minute genau wann ich nach hause kam oder weg gegangen bin. Sie stand auch den ganzen Tag am Fenster und beobachtete alles wie eine Eule. In der neuen Wohnung habe ich manchmal ein mulmiges Gefühl wenn ich keinen Nachbarn höre. Fühle mich dann so allein im ganzen Hochhaus

  • Jonas am 12.05.2017 21:58 Report Diesen Beitrag melden

    Akzeptiert es!

    Also sorry, aber ich lasse mich sicher nicht einreden, wie ich zu leben habe. Man lebt nur einmal, und dann muss ich mich wirklich nicht wie im Gefägnis fühlen. Es ist mein Leben. Menschen leben halt und lärmen!!! Akzeptiert es oder wem es stört kann ja als Einzelgänger irgendwo alleine leben!

  • Kinder am 12.05.2017 21:08 Report Diesen Beitrag melden

    Viele Karrieremenschen sind von Kindern genervt

    Mit kleinen Kindern sollte man ein eigenes Haus haben... Dann erspart man viel Ärger. Ich persönlich habe gerne Kinder und möchte später auch welche. Aber es gibt viel Leute, die von Kindern einfach genervt sind. Meistens sind das Karrieremenschen, die gestress sind und kein Lärm ertragen können...grrr

    • Désy am 12.05.2017 21:53 Report Diesen Beitrag melden

      Désy

      Ja , ein Haus wäre für Familien mit Kindern ideal aber nicht jeder kann sich ein Haus leisten ich finde es sollten diejenigen die Karriere machen wollen ein Haus suchen sollen , den Familien mit Kindern sind meist arm dran oder sehr knapp bei Kasse

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  • jane marple am 12.05.2017 17:00 Report Diesen Beitrag melden

    anstand + schamgefühl sind ausgestorben

    ich habe als kind in einem armen viertel gelebt, wo man schon eng aufeinander hockte, bevor der begriff «verdichtet bauen» erfunden war. doch so arrogant, rücksichtlos und egoistisch wie sich die menschen heute benehmen (speziell auf balkonen und vorgärten), wäre damals undenkbar gewesen! man nahm rücksicht aufeinander und «beglückte» seine nachbarn auch nicht mit nächtlichen gestöhne. es regelrecht widerlich, was man da unfreiwillig mitanhören muss, ganz zu schweigen vom gestank von grill-fleisch.

  • S. Tinker am 12.05.2017 16:40 Report Diesen Beitrag melden

    Typisch Pseudotoleranz!

    Die Leute haben immer weniger Anstand und Erziehung, denken sie seien das Zentrum des Universums, und alle anderen müssen "tolerant" sein, echt das Letzte!