Unwetter im Aargau

09. Juli 2017 19:18; Akt: 10.07.2017 07:03 Print

Schaden in dreistelliger Millionenhöhe

Die Unwetter am Samstagabend haben in Teilen der Schweiz enorme Schäden angerichtet. Zofingen wurde so innerhalb von nur 30 Minuten überflutet.

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Unpassierbar: Die Bahnunterführung in Zofingen steht unter Wasser. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Im Uerkental bei Schöftland wurden Keller überflutet, Autos weggeschwemmt. Laut einem Leserreporter sind auch Tiere ertrunken und es kam zu einem Brand wegen einem umgekipptem Strommast. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Die Region um Zofingen AG war besonders stark betroffen. Hier eine Unterführung in der Nähe von Schöftland AG. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Die Autobahn A1 ist überspühlt worden. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter In Zofingen zeigt sich ein Bild der Verwüstung. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Ein Auto geht auf Tauchfahrt. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Zofingen und Oftringen stehen unter Wasser, schreibt dieser Leserreporter. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Heftige Überschwemmungen im Uerkental zwischen Zofingen AG und Schöftland AG. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Das Gewitter in Zofingen war so stark, dass das Wasser die A1 überflutete. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Aus Biel erreichen uns Bilder und Videos von Überschwemmungen: Hier steht eine Tiefgarage unter Wasser. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter In Zofingen war am Abend eine Unterführung unpassierbar. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Riesige Hagelkörner: Das Foto von Isabelle Jordi aus Rothrist AG. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporterin Isabelle Jordi In Biel steht ein Porsche Cayenne während des Hagelssturms im Freien. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Über Biel und dem Bielersee hagelte es kräftig... (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter ... wie hier in Sutz am Bielersee. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter Ein zweiter Leserreporter aus Rothrist AG hat einen Meter neben die Hagelkörner gelegt – sehr hilfreich. (8. Juli 2017) Bild: Leserreporter

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Besonders arg traf es die Stadt Zofingen und die umliegenden Gemeinden. Seit 45 Jahren sei er bei der Feuerwehr, aber so etwas habe er noch nie erlebt, sagte der Zofinger Feuerwehrkommandant Peter Ruch am Sonntag vor den Medien.

Starkregen und Hagel über dem Mittelland

Nach dem heftigen Gewitterregen sei die Stadt innerhalb von 30 Minuten flächendeckend überflutet worden. Weil die Kanalisation durch abgeschlagenes Laubwerk und Geröll verstopft wurde, bahnte sich das Oberflächenwasser den Weg quer durch die Stadt.

Betroffen von den Fluten waren der Ortsteil Mühlethal sowie tiefer gelegene Quartiere, die Altstadt und die Industriegebiete. Mehrere Betriebe, Keller, Tiefgaragen, Unterführungen und das Bahnhofparking standen teils meterhoch unter Wasser. Im Parkhaus beim Bahnhof waren laut Ruch rund 100 Autos abgestellt. Diese seien durch die Wassermassen ineinander geschoben worden. An vielen Fahrzeugen sei Totalschaden entstanden. Am Sonntag wurden die Autos auf einen Abstellplatz in Wikon LU gebracht.

«Wir können von Glück reden, dass keine Menschenleben zu beklagen sind», sagte Stadträtin Christine Guyer. Zwei Personen, die auf dem Schlamm ausgerutscht waren, mussten ins Spital gebracht und zwei Personen aus beschädigten Gebäuden evakuiert werden. Ein Autofahrer, der in der Bahnhofunterführung im Wasser stecken blieb, konnte sich selber aus dem Auto befreien.

Weil Trafostationen unter Wasser standen, fiel in grossen Teilen der Stadt der Strom aus. Im Seniorenzentrum war die Stromversorgung bis am Sonntagmittag unterbrochen. Dank Notstromaggregaten habe jedoch zu keiner Zeit eine Gefährdung der Bewohner bestanden, sagte Guyer.

300 Rettungskräfte im Einsatz

Insgesamt waren in der Nacht rund 300 Rettungskräfte im Einsatz, darunter mehrere Feuer- und Chemiewehren, der Zivilschutz und ein Löschzug der SBB. Am Sonntag arbeiteten rund 120 Einsatzkräfte mit Hochdruck daran, die überschwemmten Unterführungen für den Verkehr passierbar zu machen, Keller auszupumpen und die Stromversorgung sicherzustellen.

Bis am Sonntagabend konnte fast das ganze Zofinger Stadtgebiet wieder mit Strom versorgt werden, mit Ausnahme von 15 Liegenschaften. Bei diesen seien die Elektroinstallationen durch das Wasser beschädigt worden, aus Sicherheitsgründen konnten sie noch nicht ans Stromnetz angeschlossen werden, teilte die Stadt am Abend mit.

Insgesamt waren bei der kantonalen Notrufzentrale und bei der Feuerwehr Zofingen 491 Schadenmeldungen eingegangen. Die meisten Rettungseinsätze konnten bis am Sonntagabend abgeschlossen werden. In den nächsten Tagen stehen allerdings noch aufwändige Aufräumarbeiten an.

Schaden in dreistelliger Millionenhöhe

Die Schadensumme sei noch nicht zu beziffern, hiess es an der Medienkonferenz. Stadträtin Guyer geht jedoch von einem «dreistelligen Millionenbetrag» aus. Neben privaten Haushalten seien auch etliche Betriebe von den Überschwemmungen betroffen.

So wurde etwa beim «Zofinger Tagblatt» (ZT) das Papierlager überflutet. Rund 100 Tonnen Zeitungspapier stünden im Wasser, sagte ein Redaktor. Das ZT müsse deshalb in den nächsten Tagen bei der «Aargauer Zeitung» gedruckt werden.

Um auf weitere Regenfälle vorbereitet zu sein, befreiten die Feuerwehren Strassen und Bachläufe von Schmutz und Geröll. Ausserdem wurden gezielt an gefährdeten Stellen Wassersperren aufgebaut.

Das Unwetter beeinträchtigte auch den Verkehr auf Strasse und Schiene. Laut der Aargauer Kantonspolizei wurde die A1 bei Oftringen überflutet. Vorübergehend kam der Verkehr in beiden Richtungen zum erliegen. In Zofingen standen zudem am Samstagabend zwei Gleise unter Wasser. Im Kanton Glarus wurde ein fahrendes Auto von umstürzenden Bäumen eingeklemmt. Der Lenker blieb unverletzt.

Auch Bern und Solothurn betroffen

Heftige Gewitter entluden sich auch in Teilen der Kantone Bern und Solothurn. Die Kantonspolizei Bern erhielt zwischen Samstag, 16 Uhr, und Sonntag, 9 Uhr, insgesamt 300 Schadenmeldungen.

Wie Polizeisprecherin Daniela Sigrist am Sonntagmittag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda sagte, kamen die meisten davon aus dem Seeland, und zwar aus den Gemeinden Biel, Bellmund, Ipsach, Port und Nidau.

In der Nacht auf Sonntag wurde zudem wegen Unwetterschäden die Bahnlinie Langenthal-St. Urban LU unterbrochen. Im Kanton Solothurn waren vor allem die Gemeinden Gretzenbach, Däniken und Dulliken vom Unwetter betroffen. Die kantonale Alarmzentrale registrierte über 60 Schadenmeldungen, wie die Kantonspolizei Solothurn mitteilte.

In knapp 50 Fällen seien Wassereinbrüche gemeldet worden. Allein in Gretzenbach wurden 19 Keller überschwemmt. Der starke Wind entwurzelte zudem zahlreiche Bäume.

Bis zu 90 Liter Regen pro Quadratmeter

Am Samstagnachmittag und -abend waren teils heftige Gewitter über die Schweiz gezogen - und haben der Hitzewelle ein Ende gesetzt. Wurden vorerst noch Temperaturen von bis zu 34,8 Grad gemessen, stürmte es später am Tag stellenweise heftig.

Die kräftigsten Gewitterzellen entluden sich laut SRF-Meteo im Oberaargau sowie im aargauischen Suhren- und Wynental. In Wynau BE und Unterkulm AG wurden 77 Millimeter Regen gemessen. Für die Überschwemmungen entscheidend sei gewesen, dass der Hauptniederschlag in nur zwei Stunden gefallen sei und der Hagel teilweise die Abläufe verstopft habe.

(sep/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • willi am 09.07.2017 19:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unwetter

    oje ,ich wünsche allen Leidtragenden , viel Kraft beim Aufräumen.

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  • Pitri am 09.07.2017 20:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo

    grosses Kompliment an die Feuerwehrleute, die das Weekend im Dauereinsatz waren.

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  • Eskimo1 am 09.07.2017 19:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unwetter

    ich finde es traurig, dass es Leser gibt die so aus voller Schadenfreude ihre Kommentare abgeben. Traurig so was.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Klaus Wolfgang Frankreich am 11.07.2017 17:55 Report Diesen Beitrag melden

    Vorher Schauen wo man Baut

    Also in dieses Tal hätte kein Kelte sein Haus Gebaut !!! immer an leichter Höhung,bei meinem Hauskauf in Frankreich habe ich Eventuelles Hochwasser schon eingerechnet also mein Haus Steht nicht in einem Tal-Boden neben einem Bach ;-)...Klar Sagen die Gemeinden, hier ist sicher zum Bauen, Daneben ein Bächlein !!!!

  • Fred am 10.07.2017 17:19 Report Diesen Beitrag melden

    Leicht übertrieben??

    Ich war zwar nicht vor Ort wie Stadträtin Guyer. Dennoch kann ich einfach kaum glauben, dass im Raum Zofingen alleine ein Schaden über 100 Mio entstanden ist. Dazu braucht es schon sehr sehr viel, mehr als überschwemmte Keller. Das war eine grobe Einschätzung einer Politikerin am selben Tag. Wird aber als Tatsache hingestellt, bevor nur ein Versicherungsexperte eine Schätzung gemacht hat... Abwarten und sehen, bin gespannt. Wünsche den Hausbesitzern viel Kraft beim Aufräumen.

  • Kopfschüttler am 10.07.2017 13:05 Report Diesen Beitrag melden

    30 Minuten...

    30 Minuten... Oder sagen wir 15... Ja, das ist wahrlich viel zu wenig kurz seine Hasen und Tiere zu retten. Hoffentlich haben alle davon gelernt, und denken ein bisschen, jetzt bei weiteren allfälligen Unwtettern !

    • Marc am 10.07.2017 13:57 Report Diesen Beitrag melden

      Klar

      Es sind logischerweise immer alle zu Hause und warten auf allfällige Jahrhundertunwetter um sofort alles zu retten.

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  • Der Wiederholer am 10.07.2017 12:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ganz logisch

    Wahre Kausalität Masseneinwanderung sei dank . Mehr Menschen = mehr Infrastruktur = mehr Beton . So einfach ist die Rechnung . Danke an alle die das toll finden und nicht wahrhaben wollen .

    • Simple World am 10.07.2017 13:06 Report Diesen Beitrag melden

      Schwarz / Weiss

      Ja, so einfach sind Rechnungen und das Leben an sich... Ganz simpel gestrickt alles. Für manche, auf jedenfall.

    • Simple World am 10.07.2017 13:11 Report Diesen Beitrag melden

      Nachtrag:

      Dass man prinzipiell seit zig Jahren hierzulande die Natur in ein Korsett zwingt und massivst überbewirtschaftet, Flüsse begradigt und einengt, Bäche zuschüttet, Schutzvegetation zu hauf rodet, usw., das lassen wir einfach mal gekonnt ausser Acht. Weltbilder lassen sich schliesslich auch mit ganz einfachen Rechnungen erschaffen ;).

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  • Toni Meier am 10.07.2017 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Selber Schuld

    Seit 30 Jahren weiss man das der Klimawandel neue Schutzmechanismen (Höhere Ufer, Spezialdämme, Zusatzabflüsse) fordert. In Brig hat man nach der Katastrophe von 1993 Vorkehrungen getroffen. Wer Heute mit solchen Investitionen zuwartet muss sich dann nicht wundern wenn man absäuft!

    • Marco am 11.07.2017 07:44 Report Diesen Beitrag melden

      Uerkheim hatte diese chance auch...

      Uerkheim liess vor paar jahren ein hochwasserschutzprojekt an der urne bachab gehen. Das projekt hätte der gemeinde keine 5 mio gekostet. Trotzdem war das 51% der stimmbürgern zu teuer... Jetzt kassierten die im talboden wohnenden die quittung in x facher höhe. Schade. Es ist wohl angebracht, die hochwasserschutz-kommission wieder ins leben zu rufen.

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