Notmassnahmen

11. Juni 2012 13:11; Akt: 11.06.2012 13:47 Print

SBB erhöhen Kapazität am Simplon massiv

Mit der Gotthard-Strecke ist die Hauptschlagader des Güterverkehrs blockiert. Dank Notmassnahmen können die SBB bereits 40 Prozent des Güterverkehrs vom Gotthard über die Simplon-Achse leiten.

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Am Dienstagmorgen, kurz vor 9 Uhr, ereignete sich in Gurtnellen UR ein Felssturz. Der 29-jährige Bauarbeiter, der dabei verschüttet worden war, konnte am frühen Samstagmorgen (9. Juni) nur noch tot geborgen werden. Zwei weitere wurden mit Verletzungen ins Spital gebracht. Frontalansicht des Abbruchs am Berg. 2500 Kubikmeter Geröll donnerten auf das Bahntrassee. Hier ereignete sich das Unglück. Die Geröllmasse verschüttete die Bahnlinie. Hier ist der Berg abgebrochen. Im Bereich der Absturzstelle befand sich eine Baustelle. Gemäss einem Sprecher der Kapo Uri seien zum Unglückszeitpunkt Hangsicherungsarbeiten im Gange gewesen. Neben der Rega ist auch Heli Gotthard im Einsatz. Suchhunde werden via Helikopter zum Felssturzgebiet geflogen. Der Felshang ist nach wie vor labil. Der Verschüttete wurde deshalb noch nicht geborgen. Für die Sicherheit der Bergungsmannschaften müssen zuerst geologische Abklärungen durchgeführt werden. Damit wolle man verhindern, dass Nachstürze weitere Personen verletzten, erklärte ein Polizeisprecher. Die Wahrscheinlichkeit, den Verschütteten lebend bergen zu können, sei klein, sagte der Bauführer und Chef der Arbeiter. «Aber die Hoffnung stirbt zuletzt.» Für Adrian Pfiffner, Geologe und Professor für Tektonik an der Uni Bern, steht fest: Die Regenfälle der letzten Tage haben die Katastrophe ausgelöst. «In das zerklüftete Gestein läuft Wasser, dadurch verlieren sie ihren Halt», so Pfiffner. Die Kantonsstrasse ist gesperrt. Ein gestrandeter Güterzug bei Gurtnellen: Die Gotthardstrecke bleibt mindestens drei Tage gesperrt. Glücklicherweise war kein Zug auf der Strecke, als der Fels ins Tal donnerte. «Es wurden keine Wagen getroffen und somit keiner unserer Passagiere verletzt», sagte SBB-Sprecher Daniele Pallecchi. Die Gotthardstrecke bleibe aber laut Pallecchi bis mindestens Mittwoch unterbrochen. Es verkehren Bahnersatzbusse zwischen Flüelen und Göschenen. Es muss allerdings mit erheblichen Verspätungen gerechnet werden. In Bellinzona mussten die Passagiere nochmals umsteigen. Leser-Reporter Kurt Lieberherr, der sich im ersten Ersatzzug befand, kam mit rund einer Stunde Verspätung in Lugano an. Der Felssturz ist kein Einzelfall. Immer wieder erschütterten Steinschläge das Gebiet bei Gurtnellen. Bereits am 12. März dieses Jahres gab es einen Kilometer unterhalb des Bahnhofs Gurtnellen einen Steinschlag. Verletzt wurde niemand. Im April 2009 verschüttete eine Nassschneelawine die Autobahngalerie bei Gurtnellen. Die Lawine forderte keine Opfer, aber die Kantonsstrasse bieb einige Tage gesperrt. Im Mai 2006 forderte ein Steinschlag bei Gurtnellen zwei Menschenleben. Um 06.45 Uhr ging der Felssturz mit einem Volumen von gegen 10 000 Kubikmeter auf die Autobahn nieder. Ein 64-jähriger Mann und seine 60-jährige Frau aus Deutschland starben. Zudem wurden zwei Lastwagenchauffeure verletzt. Sie befanden sich auf dem Rastplatz und schliefen, als der Felssturz niederging. Die Räumung der bis zu 125 Tonnen schweren Blöcke war schwierig. Wegen der anhaltenden Felssturzgefahr blieb die Autobahn mehrere Wochen gesperrt. Der instabile Felshang über Gurtnellen wurde gesprengt. Ein Jahr zuvor, im März 2005, durchschlugen zwei je fünf Kubikmeter grosse Felsbrocken bei Gurtnellen die Schutznetze und stürzten auf die Autobahn. Zwei Autofahrer kollidierten mit den Steinblöcken, blieben jedoch unverletzt. April 2003: Ein Felsbrocken durchschlug eine Autobahngallerie bei Gurtnellen. Verletzt wurde niemand.

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Seit dem Gotthard-Felssturz herrscht bei den SBB der Ausnahmezustand. Vor allem der Güterverkehr ächzt unter der mindestens vierwöchigen Sperrung der Gotthard-Achse. Die SBB-Planer haben in den vergangenen Tagen akribisch nach Möglichkeiten gesucht, um mehr Züge über die Lötschberg/Simplon-Strecke schicken zu können. Mit Erfolg: Seit Montag fahren neu 135 statt wie bislang 115 Züge über die Ausweichroute. Bereits letzte Woche hatten die SBB auf der Simplon-Strecke die Kapazität von 90 auf 115 Züge erhöht.

«Wir sind nun imstande, 40 Prozent des Güterverkehrs vom Gotthard über die Simplon-Achse abzuwickeln», sagt SBB-Sprecher Christian Ginsig zu 20 Minuten Online. Zusätzliche Kapazität habe man mit der Streichung von Autozügen geschaffen. Zudem werde der Rangierbahnhof in Basel als Puffer für wartende Güterzüge gebraucht. «Von dort aus schicken wir sie in einem klaren Zeitfenster auf die Piste und können so die Kapazitäten erhöhen», so Ginsig. Damit verfügten die Güterunternehmen nun wieder über fixe Zugtrassen, was deren Planung massiv erleichtere. Wegen des neuen Güterzug-Regimes könne es allerdings zu Verspätungen im Personenverkehr kommen, warnt Ginsig.

Sprengung wohl erst Ende Woche

Die SBB warten derzeit gespannt auf die Ergebnisse des geologischen Gutachtens des instabilen Hanges bei Gurtnellen. Klar ist: «Erst nach der Sprengung können die weiteren Arbeiten beginnen», so Ginsig weiter. Wann die noch im Hang hängenden Felsbrocken gesprengt werden, wird am Montagabend entschieden. Der SBB-Sprecher rechnet aber nicht damit, dass die Sprengung vor Ende Woche stattfinden kann.

(am)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Heinrich der Letzte am 11.06.2012 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Europa und die Alpen

    Für denn Güterverkehr gäbe es noch denn Weg via Olten-Biel-Lausanne-Wallis,da man aber international(Eurozone) handelt, müssen die Güter direkt,schnell und sehr günstig von A nach B gelangen. Dadurch und auch Politisch gibts die Universallokführer nicht mehr,diese Spezies wäre in solchen fällen auf allen Zugstypen flexibl einsetzbar.

  • Opi,11.06.12 am 11.06.2012 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Gotthard

    Liebe Leser was Fehlt ist die gute alte Kutsche über den Gotthard.Warum hat man die nur wegenommen???

    • Marco am 11.06.2012 16:39 Report Diesen Beitrag melden

      Fährt immer noch

      Die Kutsche gibt es sehr wohl noch. Sie fährt vorzugsweise an Stauwochenenden über die Passstrasse und behindert dort den Verkehr auch noch (und zwar massiv).

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  • Roland Stricker am 11.06.2012 14:23 Report Diesen Beitrag melden

    Und plötzlich geht es doch!

    Da fühlt man sich wirklich für dumm verkauft. Zuerst hat es immer geheissen, der Lötschberg sei am Anschlag und nicht in der Lage, mehr Gütertransporte zu übernehmen und nun eine Steigerung von 40%. Es scheint mir, dass die SBB ganz bewusst die Güter durch den Gotthard zu schleusen versucht, mit der entsprechenden Lärmbelastung der Anwohner.

    • Hansueli Räber am 11.06.2012 14:33 Report Diesen Beitrag melden

      Zwängerei

      Natürlich muss der Lötschberg als am-Anschlag gelten. Nur so kann auch der zweite, im Rohbau bereits erstellte Bahntunnel durchgezwängt werden. Der Kanton BE spuckte schon am ersten Tag des Felsrutsches grosse Töne auf die "dringend notwendige" Kapazitätserweiterung. Die Baulobby lässt grüssen.

    • AdBe am 11.06.2012 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      Richtig lesen bitte

      Sry, aber hast du den artikel auch gelesen? Es sthet es seine Autotransporte am Lötschberg gestrichen worden, und beim Personenverkehr kommt es zu verspähtungen. Das sind notmassnahmen, und kann wohl kaum zum dauerzustand werden. Verstehe nis heute nicht wieso man nicht noch eine Mrd in den Lötschberg steckte um ihn ganz zweispurig zu machen.

    • Christian Snizek am 11.06.2012 14:35 Report Diesen Beitrag melden

      Und plötzlich geht es doch ...

      ...genau für solche Unannehmlichkeiten und Notfälle müssen eben eine bewstimmte Anzahl von "freien Trassen" frei gehalten werden. Wie sollte es sonst funktionieren, daß bei einem Vorfall/Unfall und max. Auslastung der Verkehr sonst umgeleitet werden kann?

    • M. Lanz am 11.06.2012 14:47 Report Diesen Beitrag melden

      Nadelöhr ist nicht am Lötschberg!

      Das Problem ist nicht der Lötschberg Tunnel, sondern der Simplon. Am Lötschberg gibt es zusammen mit der Bergstrecke (die aber erhöhten Traktionsaufwand für die Züge bedeutet) grundsätzlich genug Trassen. Das Nadelöhr Simplon bleibt aber auch beim Ausbau des LBT bestehen. Die gestrichenen Autozüge verkehrten zudem von Brig nach Iselle (siehe SBB HIM).

    • Roland Stricker am 11.06.2012 15:08 Report Diesen Beitrag melden

      Neat Kosten 40 Mia.

      ganz einfach, die Strecke gehört unter den Boden. Es kann ja nicht sein, dass man am Schluss 40 Mia. für die NEAT ausgiebt und dann beim ersten grösseren Unwetter alles still steht, ganz zu schweigen vom Lärm was die Güterzüge verursachen. Die Naturgewalten werden in den nächsten 10 Jahren massiv zunehmen!

    • Hans B. Etter am 11.06.2012 15:10 Report Diesen Beitrag melden

      Lesen und Denken, bitte!

      Wie im Artikel steht: Der Personen- und Autoverladeverkehr leidet aber stark darunter! Wer einmal pro Jahr ins Wallis einen Ausflug macht, dem ist das vermutlich egal. Aber möchten Sie als Walliser bei jeder Reise Richtung Bern (z.B. täglich oder wöchentlich - geschäftlich, für die Berufsschule, fürs Studium, ...) mit massiven Verspätungen wegen Güterzügen konfrontiert werden? Und: Man läuft jetzt wirklich am Anschlag, so dass keine weiteren Störungen oder Wartungs-/Bauarbeiten abgefangen werden können ohne dass es zum Chaos kommt. Das alles kann ja wohl nicht zum Dauerzustand werden, oder?

    • Nobody am 11.06.2012 15:12 Report Diesen Beitrag melden

      Schon mal was ...

      Schon mal was von (Notfall)Reserve gehöhrt? Welche im normalen Betrieb bewusst nicht genutzt wird? Zudem haben jetzt wahrscheinliche verspätungen beim Personen verkehr. Beim Kapaitätsmanagement bverplant man nie 100% sondern nur 60-80 % (Je nachdem um was es geht). Also keine Amateur-Kritik von solchen die keine Ahnung haben!

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  • Pendler am 11.06.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Zusatz Angebot

    Was ich jetzt persönlich schön finden würde, wäre das man mit dem Post Auto über den Gotthard fahren kann und auf der anderen Seite wieder einsteigen könnte.

    • Hans Moser am 11.06.2012 14:17 Report Diesen Beitrag melden

      Kursbuch lesen bildet....

      Ist möglich... Schau mal im Kursbuch oder im online Fahrplan nach. Dafür musst Du aber extra löhnen...

    • TomTom am 11.06.2012 14:31 Report Diesen Beitrag melden

      Kursbuch

      Echt? Gibts das Kursbuch noch...?!

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  • Bruno Dias am 11.06.2012 13:52 Report Diesen Beitrag melden

    ja klar

    Und normale Zugpassagiere müssen natürlich darunter leiden :)

    • Luc am 11.06.2012 14:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      Denken

      Haha du willst also extra noch mehr fahrzeit auf dich nehmen...?

    einklappen einklappen
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