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01. November 2017 05:37; Akt: 01.11.2017 05:37 Print

Junge Schweizer jagen, um in der Natur zu sein

von T. Mathis - Die frisch ausgebildeten Jäger werden immer zahlreicher und jünger. Ein Grund ist, dass sie mehr über die Natur erfahren wollen, wie der Geschäftsführer des Aargauer Jagdschutzvereins sagt.

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Geht Patrik Knecht mit seinen Kindern durch den Wald, kann er ihnen an jeder Ecke etwas zeigen. Die Jägerausbildung hat den 31-jährigen Aargauer zu einem Fachmann gemacht. «Früher sagten mir die Spuren nichts, heute kann ich sie lesen und meinen Kindern eine kleine Geschichte erzählen», sagt er.

Das Jägerdiplom besitzt Knecht erst seit diesem Sommer. Die Anzahl Personen, die eine Jagdausbildung beginnen, ist in den vergangenen 20 Jahren von 600 auf 800 Personen pro Jahr angestiegen, wie die Jagdstatistik zeigt.

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Es gibt immer mehr Jägerinnen

Im Kanton Aargau zeigen die Zahlen, dass darunter auch viele junge Personen sind. Das durchschnittliche Alter der Absolventen ist seit 2008 um acht Jahre gesunken. Heute sind die Kandidaten zwischen 22 und 60 Jahre alt. «Gleichzeitig nimmt auch die Anzahl Jägerinnen stetig zu», sagt Erich Schmid, Geschäftsführer des Aargauischen Jagdschutzvereins.

Warum interessieren sich junge Leute für die Jagd? «Die Menschen suchen Erlebnisse in der Natur und wollen die Zusammenhänge verstehen», vermutet Schmid. Die Jagdausbildung biete dazu eine gute Basis. Für die Jagdgesellschaften sei das ein Vorteil. «Sie profitieren von den neuen Ideen.»

«Nur schon die Ausbildung lohnt sich»

Für Knecht waren es die Zusammenhänge im Wald, die ihn fasziniert haben. «Nur schon die Ausbildung zum Jäger lohnt sich», sagt der junge Waldbesitzer. Er habe viel über einheimische Wildtiere und ihren Lebensraum gelernt. «Im Wald kann ich Kraft tanken. Durch die Jagd habe ich die Möglichkeit, noch häufiger im Wald zu sein.»

Die Naturverbundenheit liegt in der Familie. Der Zwillingsbruder und sein Cousin haben sich ebenfalls zu Jägern ausbilden lassen. Beim Cousin habe dabei auch mitgespielt, dass er als Bauer ein Interesse habe, die durch Wild verursachten landwirtschaftlichen Schäden zu reduzieren.

«Andere Motivation steckt dahinter»

Ein weiterer Aspekt, der für Knecht eine Rolle gespielt hat, ist der Gedanke, dass man eine natürliche Ressource nutze und wisse, woher das Fleisch in der Pfanne komme. «Jäger bewegen sich stets im Spannungsfeld zwischen Verehren und Bejagen.»

Für die Tierpartei Schweiz (TPS) ist es fragwürdig, warum sich Junge aus Liebe zur Natur für das «Abknallen und Aufschlitzen von Wildtieren» begeistern können. «Wir können es nicht nachvollziehen, dass sich überhaupt jemand für die Jagd begeistern kann, zumal das Ziel ganz klar das Töten von Tieren darstellt», sagt Thomas Märki, Leiter der TPS-Geschäftsstelle. Es steckten wohl andere Motivationen dahinter.

Die TPS möchte im Kanton Zürich ein modernes Wildtiermanagement einführen. Dazu haben sie im Sommer eine Volksinitiative eingereicht. «Bei der Aufklärungsarbeit haben wir gesehen, dass immer mehr Personen ihre Ansicht über die Jagd ändern», so Märki.