Gleichstellung

09. Februar 2017 11:39; Akt: 09.02.2017 11:39 Print

Ämter bekämpfen Männer-Dominanz auf Wikipedia

von J. Büchi - Frauen sind auf Wikipedia stark untervertreten. Gleichstellungsbüros wollen das mit Kursen für die Bevölkerung ändern.

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Anne-Laure Couchepin Vouilloz ist Stadtpräsidentin von Martigny VS und die Tochter von Alt-Bundesrat Pascal Couchepin. Ihre Wahl sorgte weit über die Kantonsgrenzen hinaus für Aufsehen – einen Wikipedia-Eintrag hat Couchepin Vouilloz aber nicht. Damit ist sie nicht allein: Nur rund jeder sechste Biografie im Online-Lexikon ist einer Frau gewidmet.

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Das Walliser Amt für Gleichstellung und Familie will nun Gegensteuer geben, wie «24heures» berichtet: Im Frühling bietet das kantonale Amt Kurse an, in denen die Bevölkerung lernt, Wikipedia-Einträge zu erstellen. Erklärtes Ziel: mehr Artikel über Frauen zu generieren und damit bekannten weiblichen Personen zu helfen, «aus dem Schatten zu treten».

Zürich prüft Idee

Die Idee findet auch in anderen Kantonen Anklang: Helena Trachsel, die Leiterin der Fachstelle für Gleichstellung von Frau und Mann des Kantons Zürich, sagt: «Es ist ein bekanntes Problem, dass Frauen in vielen Lebensbereichen zu wenig sichtbar sind.» Sie will deshalb prüfen, ob ihre Fachstelle im nächsten Jahr ebenfalls entsprechende Kurse anbieten kann.

Trachsel sieht verschiedene Gründe für die Dominanz der Männer auf Wikipedia: Einerseits seien die Frauen im realen Leben in wichtigen Bereichen wie Politik oder Wirtschaft untervertreten – es gibt schlicht mehr männliche Politiker und CEOs, über die Artikel verfasst werden können. Andererseits hätten Frauen im Gegensatz zu Männern auch weniger ein Bewusstsein dafür, dass sie sich selbst und ihre Geschlechtsgenossinnen vermarkten müssen.

«Weniger Technik-versiert»

«Das sieht man etwa im Sport ausgeprägt: Wenn Federer gewinnt, macht er Nadal Komplimente und lobt ihn als grossen Sportler. Frauen pushen einander viel weniger in dieser Art.» Dazu komme, dass viele Frauen auch im Bereich Technik und Social Media weniger versiert seien als Männer. «Das schlägt sich alles in der Statistik nieder.» Tatsächlich sind Frauen nicht nur in den Artikeln selber untervertreten. Auch die Autoren auf Wikipedia sind Studien zufolge zu mehr als 80 Prozent Männer.

In anderen Ländern ist dieser Gender-Gap ebenfalls ein Thema. So hat etwa die britische BBC unlängst Frauen weltweit dazu aufgerufen, sich als Wikipedia-Autorinnen zu registrieren und in einem zwölfstündigen Schreibmarathon Beiträge über Geschlechtsgenossinnen zu verfassen. Auch private Organisationen starten immer wieder entsprechende Aufrufe.

«PC bedienen erfordert keine körperliche Kraft»

Es sei Privaten unbenommen, sich in diesem Bereich zu engagieren, findet SVP-Nationalrat Claudio Zanetti. Allerdings sei es bestimmt nicht Aufgabe des Staates, solche Kurse zu finanzieren. «Dies zeigt ja nur, dass den Gleichstellungsbüros die Arbeit ausgeht. Die müssen sich die Büez richtig aus den Fingern saugen.»

Das Geniale am Internet und an Wikipedia sei ja gerade, dass sich jeder daran beteiligen könne, so Zanetti. «Einen Computer zu bedienen, erfordert auch keine körperliche Kraft. Frauen sind also in keinster Weise diskriminiert.» Wenn sie keine Lust hätten, Einträge zu verfassen, müsse sie auch niemand dazu zwingen.

Zanetti betont, er lese gern Bücher über spannende Frauenfiguren. Auf seinem Nachttisch lägen etwa Werke über Elena Ceausescu, die letzte Frau von Mao oder Anna Göldi. «Das waren hochinteressante Frauen, und es ist nur zu begrüssen, wenn auf freiwilliger Basis über sie geschrieben wird.»

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mann ohne Eintrag am 09.02.2017 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Sorry aber

    Muss man für die Frauen alles machen? Ich dachte Frauen seien heute mindestens so gut wie Männer. Dann sollte eine Wikipedia-Eintrag zu erstellen das kleinste Problem sein.

    einklappen einklappen
  • Genau am 09.02.2017 11:45 Report Diesen Beitrag melden

    Gleichberechtigung

    Wieder so eine Aktion, über die man nur den Kopf schütteln kann...

  • FrauBünzli am 09.02.2017 11:48 Report Diesen Beitrag melden

    Meine Güte!

    Hört doch endlich mal auf mit dem feministen Zeug! Kostet uns alle nur unnötig Geld!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter G. am 12.02.2017 16:09 Report Diesen Beitrag melden

    Soso

    Frauen liessen sich vom Mann durch die Evolution schleifen, nur um jetzt wo sie scheinbar nicht mehr von ihm abhängig sind, gleich mal 50% von allem einzufordern. Wenn sie so gut und eigenständig sind, dann können sie die Einträge selber nachführen (falls Stoff vorhanden ist) und zwar in der Freizeit.

  • Reto Derungs am 11.02.2017 11:52 Report Diesen Beitrag melden

    Steuergeld-DurchlauferhitzerInnen

    Toller Job für fürstlich besoldete Genderforscherinnen, Ethnologinnen, Historikerinnen, Psychologinnen, Islamwissenschafterinnen und weitere Titularinnen von akademischen Weihen, auf welche vor allem jene nicht gewartet haben, die ihnen das Studium finanziert haben.

  • Rico S am 11.02.2017 09:50 Report Diesen Beitrag melden

    Unnützer als ein Blinddarm

    Beim Bund hat man ja unendlich viel Geld. Und sollte es einmal nicht ausreichen, erhöht man unter der Ankündigung "vorübergehend" für dauernd die Steuern und Abgaben. Nur so erklären sich solche Amtstellen mit diesen Inhalten. Aber es scheint von den verantwortlichen BR und Parlamentariern niemanden ernsthaft zu interessieren, dass mit diesen links-grünen Spielwiesen blosse Verschwendung betrieben wird, dass da Leute alimentiert werden, die sich ihre Mittel für solche Themen besser in der freien Wirtschaft suchen sollten. Denn dann würden sie sehen, ob das niemand hören will.

  • Think! am 11.02.2017 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Hirnwäsche

    Im gesellschaftlichen Kontext wächst etwas und man ist mit dem Resultat nicht zufrieden, bekämpft man Symptome oder Ursachen? Bzw. wenn etwas natürlich zustande kommt, wieso ist es dann so FALSCH, das man so vieles unternehmen muss, das es geändert wird.

  • DeGenerIERTE am 10.02.2017 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Nein, Danke.

    Für mich ist diese Idee ein anderes Beispiel von Vergeudung gutes öffentliches Geldes.