An'Nur-Moschee

10. November 2017 11:50; Akt: 10.11.2017 11:59 Print

Imam soll Hinrichtungs-Video gelikt haben

von Jennifer Furer - Der 25-jährige Imam, der zu Mord aufgerufen haben soll, steht im November vor Gericht. Die Anklageschrift offenbart nun neue Details.

Der Fall des Imams kurz erklärt.
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Der unter dem Namen Scheich Abdurrahman bekannt gewordene äthiopische Imam somalischer Herkunft soll in der Freitagspredigt am 21. Oktober 2016 in der An'Nur-Moschee zur Tötung von Menschen aufgerufen haben. Dies wirft die Staatsanwaltschaft dem heute 25-Jährigen vor.

Konkret habe der Imam vor 60 Anwesenden dazu aufgerufen, Muslime, die nicht in der Gemeinschaft beten, zu verstossen, zu meiden und zu verleumden, bis sie wieder zur Gemeinschaft zurückkehren. Sollten sie dies nicht tun und weiterhin das Gebet nicht mit Muslimen oder zu Hause zu verrichten, müssten sie getötet werden.

* KOPIE * Razzia in der An'Nur-Moschee in Winterthur

Video, in dem Männer ertränkt werden

In der Anklageschrift heisst es weiter, dass der 25-Jährige in der An'Nur-Moschee gepredigt habe, dass Muslime, die sich von der Gemeinschaft fernhalten, in ihren Häusern verbrannt werden müssten. Zudem sollten Muslime, die nicht fünfmal am Tag beten, bestraft werden. Laut der Anklage hat der Imam so willentlich zur Brandstiftung, zur Nötigung und womöglich zur Körperverletzung an Muslimen aufgerufen.

Aber nicht nur das wirft die Staatsanwaltschaft ihm vor. Imam Abdurrahman soll mit seinem Facebook-Profil ein Hinrichtungsvideo gelikt und weiterempfohlen haben. Auf diesem sei zu sehen, wie fünf in orange Overalls gekleidete Männer in einen Käfig eingesperrt sind. Nach und nach wird dieser in Wasser hinuntergelassen. Laut Anklage zeigt das Video, wie die Männer im Käfig ertrinken und tot aus dem Wasser gezogen werden.

Bilder mit Gewaltdarstellung

Der 25-Jährige habe sich zudem ein Bild besorgt und auf seinem Handy gespeichert, dass einen Menschen in Handschellen zeigt, der eine abgetrennte Hand hält und präsentieren muss. Auch dieses Foto habe er auf Facebook geteilt. Bei diesem Bild soll es nicht geblieben sein.

Auf seinem Handy soll der Imam ein Bild gespeichert haben, auf dem ein Mann einen Torso und einen Kopf in den Armen hält. Weiter habe er ein Foto gespeichert, auf dem ein abgetrennter Kopf zu sehen sei, der in einem Topf über einer offenen Feuerstelle liege. Auch dieses Bild habe der 25-Jährige auf Facebook geteilt.

Landesverweis auf 15 Jahre

Wie aus der Anklageschrift weiter hervorgeht, sei Abdurrahman vom 1. Oktober 2016 bis zum 2. November 2016 in der An'Nur-Moschee erwerbstätig gewesen, ohne eine Bewilligung zu besitzen. Im Zuge einer Razzia am 2. November 2016 wurde er verhaftet und sitzt seither hinter Gittern.

Die Staatsanwaltschaft fordert eine bedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten und einen Landesverweis auf 15 Jahre. Der Prozess findet am 23. November vor dem Bezirksgericht Winterthur statt. Es gilt die Unschuldsvermutung.