Besuch in Schule

22. November 2017 08:11; Akt: 22.11.2017 09:21 Print

Sommaruga will Jihad-Kids zur Vernunft bringen

von Nikolai Thelitz - Schon Grundschüler wenden sich in der Schweiz dem radikalen Islam zu. Der Bund plant nun Gegenmassnahmen – ein Vorbild könnte Zürich sein.

Bundesrätin Simonetta Sommaruga erzählt, was sie vom Besuch in der Schule mitnimmt. (Video: Nikolai Thelitz)
Zum Thema
Fehler gesehen?

Am Dienstag erhielten die Sechstklässler einer Stadtzürcher Gundschule hohen Besuch. Justizministerin Simonetta Sommaruga schaute in einer Klasse vorbei, in der es vor kurzem zu einer Krise kam: «Verschiedene Schüler wurden von einer dominanten Gruppe ausgegrenzt», sagt Daniele Lenzo, Leiter der Fachstelle für Gewaltprävention der Stadt Zürich.

Umfrage
Was halten Sie von der Präventionsstrategie in Zürich?

Daraufhin intervenierten die Lehrer und riefen die Fachleute zur Hilfe, auch um Schlimmeres zu verhindern. Denn: «Eine solche Ausgrenzung kann zur Folge haben, dass sich Schüler zurückziehen und sich anderen Gruppen zuwenden oder sich im Extremfall radikalisieren.»

IS-Propaganda bei Schülern gefunden

Bei 92 Stadtzürcher Schülern musste die Fachstelle in den letzten drei Jahren mit Verdacht auf Radikalisierung einschreiten, in sechs Fällen wurde eine konkrete Radikalisierung festgestellt, es wurde beispielsweise Propagandamaterial des IS gefunden.

Bei allen sechs kam es im Vorfeld zu einer Ausgrenzung. «Weil die Schüler nicht akzeptiert werden, suchen sie sich Freunde und Lebensinhalte ausserhalb der Schule. Das macht sie zu einem einfachen Ziel für Extremisten, die ihnen ein Zugehörigkeitsgefühl geben», so Lenzo.

Radikalisiert in der sechsten Klasse

Bei den radikalisierten Jugendlichen handle es sich um vier Jungs und zwei Mädchen, teilweise mit Migrationshintergrund und teilweise ohne. Unter ihnen ist auch ein Sechstklässler, die anderen besuchen die 7. und 8. Klasse oder wurden von Sportvereinen gemeldet. «Diese Fälle mussten wir der Polizei übergeben, weil strafbare Handlungen vorlagen.»

Neben ernsthaften Bedrohungen gab es auch Provokation seitens der Schüler: «Eine Gruppe Jugendlicher zog sich schwarze Shirts mit weisser arabischer Schrift an.» Daraufhin hätte die Schule die Fachstelle alarmiert. «Übersetzt stand auf den Shirts dann aber nur ‹schulische Sozialarbeit›», so Lenzo.

«Eingreifen, bevor es zu spät ist»

Viele der Fälle, die zunächst nach einer Radikalisierung aussahen, stellten sich schliesslich als Mobbingfälle heraus, in denen das Opfer aber keine Radikalisierungstendenz zeigte. Handle es sich nur um Ausgrenzung, suche man das Gespräch mit der Klasse, Lehrpersonen und Eltern und versuche sie für die Probleme zu sensibilisieren, sagt Lenzo.

Auch in der Schulklasse, die Sommaruga besuchte, wurde keiner der Schüler radikalisiert. Dennoch sei eine Intervention sinnvoll gewesen. «Bei der Prävention geht es ja darum, dass man eingreifen kann, bevor es zu spät ist», sagt Sommaruga. Man wisse, dass am Anfang einer Radikalisierung eine Ausgrenzung stehe. «Es kann sein, dass der IS die Zugehörigkeit in einer Gruppe bieten kann.»

Andere Schulen könnten nachziehen

Darum sei es sehr wichtig, was die Schüler ihr erzählt hätten: «Die Kinder haben mir gesagt, sie hätten gelernt Nein zu sagen, stark zu sein und sich zu wehren.» Denn für Sommaruga ist klar: «Man kann sehr viel Leid verhindern, wenn man früh lernt, Nein zu einer Gewaltideologie zu sagen, oder lernt, sich ohne Gewalt zu wehren.»

Das Vorgehen der Schulen in der Stadt Zürich könnte bald in der ganzen Schweiz zur Anwendung kommen, denn der Sicherheitsverbund Schweiz präsentiert es in einem Bericht als beispielhaft. Er erarbeitet momentan mit Bund, Kantonen und Gemeinden einen Aktionsplan zur Bekämpfung von Radikalisierung und gewalttätigem Extremismus. Dieser soll am 4. Dezember präsentiert werden. Sommaruga zeigt sich zuversichtlich: «Ich hoffe, dass auch Schulen an anderen Orten zum Schluss kommen, dass ihnen diese Präventionsarbeit schlussendlich hilft.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Tom Tom am 22.11.2017 08:21 Report Diesen Beitrag melden

    Könnte ja mal bei sich selbst anfangen

    Mit Feinkuschelei nach Art des Landes wird das nichts bringen. Man hat genug Beispiele von scheinbar gut integrierten, welche dann bloss Schläfer waren. Die gute Dame sollte sich diesbezüglich mal selbst ein bisschen zur Vernunft bringen.

    einklappen einklappen
  • Larsen Landwehr am 22.11.2017 08:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Träume auf Kosten anderer

    Die bunte Phantasiewelt der Sozialdemokraten. Ideologie vor Fakten.

  • Peter Senn am 22.11.2017 08:25 Report Diesen Beitrag melden

    Vernunft???

    Ich finde es gut das solche Themen in der Klasse/Schule angesprochen werden. Ausgrenzung ist nichts schönes. Hat aber auch immer zwei seiten....auch der Ausgegrenzte soll in die Pflicht genommen werden. Andere Frage: Wer bringt Somaruga zur Vernunft? Wann wird sie einsehen das sie einen fatalen Falschkurs fährt? Ausgegrenzt wird auch aufgrund Kultureller unterschiede. Kenne diverse Fälle an Schulen wo CH-Bürger von Multikultis ausgegrenzt werden weil diese stark in der Mehrzal sind. Traurig...

    einklappen einklappen

Die neusten Leser-Kommentare

  • Erwalder am 22.11.2017 14:13 Report Diesen Beitrag melden

    Geschmeidigkeit

    Ein Thema, wo's wichtig ist, geschmeidig zu bleiben.

    • MamaKartoschka am 22.11.2017 14:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Erwalder

      Wäre...

    einklappen einklappen
  • Trudi G. am 22.11.2017 13:59 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Switzerland first

    Toll, was die Frau so alles macht. Es wäre wirklich begrüssenswert, sie würde sich ebenso fürsorglich um uns Schweizer kümmern. Aber eben: Sie zieht lieber fremde Kleider an. Schade.

  • Bruno V. am 22.11.2017 13:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Schweiz am Scheideweg

    Ihre Aufgabe wäre es, sich zuerst für das Schweizervolk einzusetzen. Sie aber kümmert sich viel lieber um Fremde und die Bedürfnisse der eigenen Leute werden vernachlässigt, die Einheimischen finanziell ausgebeutet und ignoriert. Schweizerland, was ist aus dir bloss geworden?

  • Armin am 22.11.2017 13:48 Report Diesen Beitrag melden

    Driimer iu

    es ist mir bewusst, dass der Driimer oft in einem anderen Zusammenhang benutzt wird, ... trotzdem passt er meiner Meinung nach auch hier: Iu Driiiimer, iu! (no seven sinking steps)

  • Röby K. am 22.11.2017 13:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ohne Gwär Arbeiten ist toll

    Ändern aber Richtig und nicht mit falschen Hoffnungen Arbeiten. Wir haben noch viel grössere und schlimmere Baustellen.