Mitten im Gespräch

06. März 2012 13:33; Akt: 08.03.2012 15:23 Print

Mann knallt Calmy-Rey Torte ins Gesicht

Kaum hat sie keine Bodyguards mehr, wird Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey Opfer einer Attacke. Klagen will sie gegen den Torten-Angriff nicht. «Das ist ein armer Mann», so Calmy-Rey.

Ein Komplize filmte den Tortenangriff von Eric Dougoud auf Micheline Calmy-Rey.
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Kaum steht die im Dezember zurückgetretene Bundesrätin Micheline Calmy-Rey nicht mehr unter Personenschutz, wird sie Opfer einer Attacke. Am Montagabend verliess Calmy-Rey in Genf eine Konferenz über Menschenrechte, die im Rahmen eines Filmfestivals über Menschenrechte stattfand. Gleich vor dem Ausgang wurde sie von einem Mann bedrängt, der ihr vorwarf, die Menschenrechte verletzt zu haben.

«Ich habe sicher keine Menschenrechte verletzt», antwortet die entgeisterte Calmy-Rey. «Wirklich nicht?», antwortet der Mann, greift sich aus seiner Tasche eine Torte und drückt sie der ehemaligen Bundesrätin mit voller Wucht ins Gesicht.

Täter kämpft gegen Kantonalbank

Im Gegensatz zu anderen Tortenattacken machte sich der Täter nicht unkenntlich, sondern wollte offensichtlich erkannt werden. Auf der Rückseite seines Pullovers prangte der Schriftzug für seine Website, auf der er sich als Erich Dougoud zu erkennen gibt. Dougoud kämpft gegen die Genfer Kantonalbank, in welche der Kanton Genf wegen kaschierter Verluste im Immobiliengeschäft in den letzten Jahren 2,4 Milliarden Franken einschiessen musste. Vor ihrer Zeit im Bundesrat war Calmy-Rey Staatsrätin des Kanton Genf.

Obwohl Alt-Bundesrätin Micheline Calmy-Rey mit der Faust am Auge getroffen wurde, will sie die Sache aber auf sich beruhen lassen. Sie sagte gegenüber 20 Minutes Online, dass sie nicht klagen will. «Das ist ein armer Mann, der Aufmerksamkeit sucht.» Sie habe ihren Mantel am Dienstagmorgen in die Reinigung gebracht, und damit sei für sie die Sache erledigt, sagte Calmy-Rey im Schweizer Radio DRS. «Le Matin» erklärte sie zum Angriff weiter: «Ich finde dieses Verhalten feige.»

«Ein würdeloser Akt»

Die Aggression sei inakzeptabel, sagte Bundesratssprecher André Simonazzi gegenüber Schweizer Radio DRS. Calmy-Rey könnte auch nach ihrem Rücktritt noch Polizeischutz in Anspruch nehmen. Dies will sie jedoch nicht. Sie wolle sich frei bewegen, betonte sie.

«Das ist ein feiger, niederträchtiger und würdeloser Akt», sagte der Präsident der Genfer SP, René Longet. Es sei total unfair, jemanden auf diese Weise zu ertappen, die einem freundlich zuhöre. Man könne durchaus nicht einverstanden sein mit den Urteilen in der Genfer Kantonalbank-Affäre, in der Demokratie gebe es aber andere Mittel, seine Meinung zu äussern.

(job/amc/sda)

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Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich verurteile diesen Angriff schärfstens, denn er zeigt eine allgemeine Verrohung im Umgang mit Politikern in der Öffentlichkeit. An der Stelle möchte ich Sie aber zum Vergleich zwischen den Reaktionen zum Fall "Calmy-Rey" und jenen zum tätlichen Angriff auf Hans Fehr im Januar 2011 auffordern, denn im Gegensatz hierzu gab es damals nicht nur grosszügig Mitleid... – Stefan Schmid

Danke für den Beitrag! Genau das gleiche ging mir auch durch den Kopf als ich den Beitrag gelesen habe. Nur, ich finde es im Allgemeinen schlimm, dass man sich in der Schweiz fast nicht mehr äussern darf ohne dass übelste Reaktionen kommen, egal in welche politische Richtung die Aussage ist. – denise

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Jürgen am 06.03.2012 16:25 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich....

    Eigentlich sollte man in der Schweiz ein Gesetz inkrafttreten lassen dem es jedem Bürger der Schweiz erlaubt, eine Torte ohne harte Gegenstände bei öffentlichen Reden von Politikern zu werfen. So könnte man seinen Frust abbauen.

  • temperos am 06.03.2012 15:09 Report Diesen Beitrag melden

    machtlos

    oft hat das volk schon das gefühl, machtlos einer politischen klasse ausgeliefert zu sein. die da oben machen ja sowieso was sie wollen. es gibt ja auch keine richtigen ventile, um diesen druck ablassen zu können. politiker können in tv und andern medien mit ihren ansichten provozieren, die menschen können darauf nicht reagieren. und dann passiert eben so eine tortengeschichte. wenn wir ehrlich sind: eine ganz harmlose geschichte. damit sollte man als politiker schon rechnen.

    einklappen einklappen
  • Peter Enis am 06.03.2012 14:04 Report Diesen Beitrag melden

    Total Daneben

    Ich weiss, ich weiss, so eine Aktion ist total daneben egal wer auch das Opfer ist. Aber trotzdem musste ich schmunzeln.

Die neusten Leser-Kommentare

  • kater fritz am 07.03.2012 15:06 Report Diesen Beitrag melden

    Billige Attacke

    Das macht man gegenüber einer Frau einfach nicht. Es ist respektlos, abfällig, beschämend, entwürdigend, verächtlich und intrigant. So etwas tut man(n) nicht. Trotz Meinungsverschiedenheit whatever! Was hat der Herr jetzt davon?

  • Berner Bär am 07.03.2012 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wieso wird der Name veröffentlicht?

    Eine völlig bescheuerte Handlung, das ist klar. Doch der Mann hat mit der Publizität sein Ziel erreicht. Was mich an der Sache stört, ist dass bei einem Angriff auf einen linken Politiker oder eine linke Politikerin der Name des Täters sofort publiziert wird. Von der Täterschaft, die letztes Jahr Herrn Fehr erheblich verletzt haben, wurden nie Namen genannt.

  • Hans-Ulrich Greminger am 07.03.2012 09:04 Report Diesen Beitrag melden

    Angriff auf Frau Calmy-Rey

    Dieses feige und unanständige Verhalten des armen Rüpels stosst mich ab, auch wenn ich für Frau Calmy-Rey wenig Sympathien habe. Dass sie keine Anzeige machen will, verstehe ich leider nur zu gut. Der Kerl hätte wohl nur eine symbolische Strafe erhalten und wäre von gewissen unanständigen Mitmenschen als "Held" gefeiert worden. Ich hätte den Täter zu einigen Monaten Gefängnis oder Arbeit für die Öffentlichkeit, verbunden mit einer saftigen Busse bestraft um ihm zu zeigen, dass sich ein solches Verhalten unter anständigen und ziviliserten Menschen nicht ziemt.

  • Emil 51 am 07.03.2012 08:54 Report Diesen Beitrag melden

    Unnötige Dramatisierung

    Es ist doch unglaublich, wie sich hier wieder einige linksgrüne Menschen enorm über diesen Vorfall aufregen können, ihn fast schon als versuchten Mordanschlag hochspielen. Nur zur Erinnerung: SVP-Politiker wurden in der Vergangenheit weitaus schlimmer attackiert, sogar verprügelt. Aber dies wird natürlich gezielt verdrängt, denn wenn es jemanden von der SP trifft, haben wir ja gleich eine Staatskrise...

  • Stefan am 07.03.2012 08:32 Report Diesen Beitrag melden

    Tolle Aktion

    Verdient hat sie es, niemand wurde verletzt und ein Zeichen wurde gesetzt. Und alle die jetzt so empört sind. Was hat das Schweizer Volk denn noch für Möglichkeiten sich nach den Wahlen zu wehren? Respekt, keine Gewalt und doch Wirkung...