Neue Analyse

04. März 2014 11:38; Akt: 04.03.2014 11:47 Print

327 von 409 Bundeshaus-Gästen sind Lobbyisten

Ein Vergleich der Bundeshaus-Gästeliste mit dem Handelsregister zeigt, dass es mehr Lobbyisten hat als angenommen. Die stärkste Lobby kommt aus der Bau- und Immobilienwirtschaft.

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44 Bundeshaus-Badges wurden an Personen aus dem Umfeld der Bau- und Immobilienwirtschaft abgegeben. Nur 15 Personen haben dies aber korrekt deklariert.

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Wer über einen Parlamentarier den Zutritt zum Bundeshaus erhält, muss seine Mandate nicht deklarieren. Dies führte zu einem unübersichtlichen Bild, welche Branche wie stark auf die Politik einwirkte. Laut einer offiziellen Liste haben derzeit 409 Personen eine permanente Zutrittsberechtigung zu der Wandelhalle. Die am häufigsten genannten Funktionen sind «Persönliche Mitarbeiterin», «Persönlicher Mitarbeiter» und «Gast».

Zuordnungen zu 573 Einträgen im Handelsregister

Die «NZZ» hat nun sämtliche Namen auf der Liste mit dem Schweizer Handelsregister verglichen. Das Ergebnis überrascht: Mindestens 327 der 409 Berechtigten sind in Tat und Wahrheit Lobbyisten. 573 Einträge aus dem Handelsregister konnten diesen Personen zugeordnet werden.

Aus dem Vergleich geht hervor, dass die stärkste Lobby jene aus der Bau- und Immobilienwirtschaft ist. 44 Badge-Inhaber verfügen über Verbindungen in diese Branche, 29 davon haben dies nicht angegeben. Auch die Lobbys der Wirtschaftsverbände, Industrie und Energie, Nonprofit-Organisationen, Umwelt sowie Gesundheit und Pharma sind stark vertreten.

Verbindung zur Altersvorsorge wird kaum deklariert

Die Zutrittsberechtigten mit einer Nähe zu Gewerkschaften oder zur Landwirtschaft haben offenbar wenig Mühe dies offenzulegen und haben dies in den meisten Fällen auch dementsprechend deklariert. Ganz anders bei der Altersvorsorge: 27 Personen haben eine Interessenbindung zu dieser Branche, aber nur ein einziger hat dies auch so angegeben.

Die absolut grösste Gruppe bilden die 54 Gäste aus der Consulting- und PR-Branche. Weil diese aber oftmals verschiedene Interessen vertreten, lassen sie sich nicht einer Branche zuordnen.

Wenig Lobbyisten bei der FDP

Anhand der Auswertung lässt sich auch die Zusammensetzungen einer Branchenlobby analysieren. Zum Beispiel erhalten die Lobbyisten der Wirtschaftsverbände ihren Zugang hauptsächlich über die SVP-Politiker, die in dieser Kategorie mehr Ausweise vergeben haben als die CVP und FDP zusammen. Überraschenderweise weist die FDP generell die höchste Zahl an Politikern auf, die keine Zutrittsausweise vergeben haben.

(wed)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mündiger Wähler am 04.03.2014 11:42 Report Diesen Beitrag melden

    Wer mit wem?

    Veröffentlicht doch mal eine Liste, wer wen trifft? Welche Firmen und Verbände nehmen auf welche "Volksvertreter" und Parteien Einfluss? Das ist unser gutes Recht als Steuerzahler und Wähler!

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  • Sonusfaber am 04.03.2014 12:27 Report Diesen Beitrag melden

    Wozu diese Euphemismen?

    Wäre es nicht besser bzw. ehrlicher, die Dinge beim Namen zu nennen? Also dann: Das Bundeshaus ist ein Sammelbecken von Menschen, die nur ihre eigenen, finanziellen Interessen vertreten!

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  • B. Gerber am 04.03.2014 12:20 Report Diesen Beitrag melden

    So nicht!

    In Hinblick auf die nächsten Wahlen will ich als Stimmbürger wissen, welcher Politiker welchem Lobbyisten Zutritt zur Politik verschafft, bzw. wer von welchen Interessensvertretern geschmiert ist. Daraus werde ich dann meine Konsequenzen ziehen und meine Stimme entsprechend vergeben.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Denkt! am 04.03.2014 15:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    schon erstaunlich was...

    ...dass das jetzt neu sein soll oder? Die Lobby ist der Grund, warum es immer wieder zu absonderlich anmutenden Verträgen und Gesetzen kommt. Wer das wirklich versteht, der weiss wie Bern funktioniert!! Dass SVP mehr Ausweise verteilt als FDP/CVP wundert mich jetzt schon extrem! Ist ja auch was neues, dass die SVP etwas grösser ist... Peinlich! Was mich hingegen erstaunt: Bei der MEI stellte sich die SVP gegen die Wirtschaft und damit gegen ihre eigene Lobby. Sogar ein Amstutz war für diese Initiative, obwohl er als Bau-Unternehmer eigentlich von Personenfreizügigkeit profitiert.

  • Markus Wälchli am 04.03.2014 13:50 Report Diesen Beitrag melden

    Grössere Firmen

    Grössere Firmen wie Swisscom etc. haben Angestellte die zu 100% im Bundeshaus Lobbyieren. Da wird sehr viel Geld ausgegeben um die Firmeninteressen zu vertreten, hier eine Einladung, da eine Freikarte für ein Event am besten man befreundet sich mit den Politikern. So läuft die Politik heute, darum werden oft entscheide gefällt, bei denen wir "normales Fussvolk" nur den Kopfschütteln können! Wie sagt man doch so schön: Söihäfeli, Söideckeli!

    • DenktWeiter am 04.03.2014 17:21 Report Diesen Beitrag melden

      Swisscom

      .. Wenn ich bedenke dass die Swisscom uns im Ausland mit 15 x mehr roaming gebühren abzockt als andere gleichgesinnte Firmen in Europa und die Politik denen dann dazu noch zunickt ( Bund aktionär ) dann wird mir geradezu schlecht. Blutsauger !

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  • weco am 04.03.2014 13:19 Report Diesen Beitrag melden

    ganz einfach

    das ist doch alles kein problem schaut doch einfach in welchen verwaltungsräten welche politiker sitzen

  • musa der schweiz am 04.03.2014 12:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Endlich was unternehmen

    Es ist ein aufruf an alle von euch wir sollten endlich eine initative starten das doe lobbisten im Bundeshaus nichts zu suchen haben und berufsverbot bekommen. die politiker sollen vertreter der schweizerischen volkes und nicht vertreter der firmen sein wer das nicht versteht hatt die Demokratie nicht verstanden.

  • Michelangelo am 04.03.2014 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Masslose Gier

    ... und die Bau- und Wirtschaftsverbände haben einzig Wachstum und Gewinn als Ziel. Leider hat dies die Mehrheit der politisch in gleiche Richtung nachzottelnden Schäfchen noch nicht bemerkt!