Energiewende

11. April 2017 08:42; Akt: 11.04.2017 11:47 Print

3934 Fussballfelder voller Solarpanels wären nötig

von P. Michel - Das neue Energiegesetz will die saubere Stromproduktion ausbauen. 20 Minuten hat berechnet, wie viele Solarpanels oder Windräder es brauchen würde.

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«Sicher, sauber, schweizerisch»: Nach diesem Credo will Umweltministerin Doris Leuthard die Energieversorgung im Rahmen der Energiestrategie 2050 umbauen. Mit dem ersten Massnahmenpaket, das am 21. Mai zur Abstimmung kommt, soll ein erster Schritt gemacht werden.

Umfrage
Sind 194 grosse Windkraftanlagen für die Schweizer Landschaft verkraftbar?
39 %
39 %
22 %
Insgesamt 4534 Teilnehmer

Neben mehr Energieeffizienz und der Reduktion des Energieverbrauchs ist in der ersten Etappe auch ein Ausbau der erneuerbaren Energien geplant. Demnach muss die inländische Stromproduktion aus erneuerbaren Energien – darunter Sonne, Wind oder Biogas – von heute 2830 Gigawattstunden (GWh) bis im Jahr 2035 auf 11'400 GWh gesteigert werden. Die Produktion muss also insgesamt um das Vierfache gesteigert werden. Damit könnte ungefähr das AKW Gösgen ersetzt werden.

Minimaler Ausbau der Wasserkraft

Für den Ausbau der Wasserkraft definiert das revidierte Energiegesetz im gleichen Zeitraum separate Ziele. Diese sind weniger ambitioniert: Die heutige Produktion von 37'190 GWh soll um 210 GWh ausgebaut werden.

Doch wie viel zusätzliche Windanlagen, Solaranlagen oder Wasserkraftwerke wären nötig, um die Ziele der Energiestrategie bis 2035 zu erreichen? 20 Minuten hat nachgerechnet. Die Grundlagen für die Berechnung finden Sie in der Box.

Photovoltaik: Zusätzliche Panels von der Fläche Luzerns

Klammert man die Wasserkraft aus, stammt heute der erneuerbare Strom zu fast 40 Prozent aus Solarpanels. Konkret sind 11'563 Solaranlagen mit einer Fläche von 6,99 Quadratkilometern in Betrieb. Das entspricht 978 Fussballfeldern.

Doch um die erste Etappe der Energiestrategie zu erreichen, ist noch einiges nötig: Da Solaranlagen in Zukunft für die Produktion von sauberem Strom noch wichtiger werden, ist anzunehmen, dass sie beim Ausbau die Hauptrolle spielen. Demnach wären zu den heute vorhandenen 6,99 weitere 28,12 Quadratkilometer Photovoltaikanlagen nötig. Dieser Ausbau entspricht der Fläche der Stadt Luzern oder 3934 Fussballfeldern. Und zum Vergleich: Die Dachfläche der Schweiz beträgt etwa 400 Quadratkilometer.

Windkraft: 194 neue Mega-Windräder

Die Windkraft fristet in der Schweiz ein Nischendasein: Sie liefert gerade einmal sechs Prozent des erneuerbaren Stroms. Zusammengerechnet produzieren heute alle Windanlagen so viel wie 16 grosse Windräder, die über Rotoren von einem Durchmesser von 100 Metern verfügen und 99 Meter in die Höhe ragen. Damit der Strom aus Wind seinen Beitrag zu den Zielen der Energiestrategie leistet, bräuchte es 194 Mega-Windräder zusätzlich – oder 11'450 mittelgrosse Anlagen, die 30 Meter hoch sind und deren Rotoren 24 Meter messen.

Wasserkraft: Ein neuer Stausee

Strom aus Laufwasser- oder Speicherkraftwerken ist die wichtigste einheimische Energiequelle der Schweiz. Im Durchschnitt produzieren die 604 Kraftwerke pro Jahr knapp 60 Prozent der hiesigen Elektrizität. Bis 2035 strebt der Bund einen Ausbau der Produktion um 0,56 Prozent an. Um diesen zusätzlichen Bedarf zu decken, wäre ein neues Speicherkraftwerk nötig – etwa eines von der Grösse der geplanten 167 Meter hohen Trift-Staumauer im Berner Oberland.

Thermischer Strom: Über 2000 Biogasanlagen bei Bauern

Thermische Kraftwerke leisten einen bedeutenden Anteil an der erneuerbaren Stromproduktion. Biogas- oder Abwasserreinigungsanlagen erzeugten 2015 genauso viel Strom wie alle Solarpanels. Bei der sogenannten Wärme-Kraft-Kopplung treibt nicht nur das Gas eine Turbine an und erzeugt so Strom, auch die entstehende Abwärme wird genutzt. Um die Produktionsziele bis 2035 zu erreichen, müssten diese Kraftwerke 23,5 Prozent des zusätzlich benötigten sauberen Stroms liefern. Das entspräche umgerechnet zusätzlichen 2142 Biogas-Anlagen von der durchschnittlichen Grösse, wie sie derzeit Schweizer Bauern betreiben.

Bis 2050 ist noch einiges nötig

Mit welchen Massnahmen der Bund die Ziele der Energiestrategie nach der ersten Etappe umsetzen wird, hat er noch nicht festgelegt. Sicher ist: Der angestrebte Ausbau bis 2035 deckt erst knapp die Hälfte des zusätzlichen erneuerbaren Strombedarfs, der bis 2050 auch durch den Ausstieg aus der Atomenergie nötig wird.

Trotz Reduktion des Stromverbrauchs müssen Solarpanels, Windkraftwerke oder auch Geothermie nach der ersten Etappe nochmals Elektrizität in der Grössenordnung vom 1,5-fachen der Leistung des AKW Gösgen zusätzlich erzeugen, während für die Zielerreichung der Wasserkraft etwa drei zusätzliche Staumauern in der Grössenordnung von Grande-Dixence gebaut werden müssten. Die verbleibende Stromlücke will der Bund mit Gaskombikraftwerken oder Importen schliessen.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Reto am 11.04.2017 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    hmm...

    Es gibt schon Solarpanels, die an der Fassade angebracht werden und durch eine spezielle Schicht gar nicht mehr wie solche aussehen, ebenfalls gibt es wohl genügend freie Dächer. Platz hätte es genug, aber der Mensch steht sich wieder einmal selbst im Weg. Landschaftsschutz, Denkmalschutz, Egoschutz usw.

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  • Jean Weiss am 11.04.2017 08:49 Report Diesen Beitrag melden

    Wäre kein Problem

    1. Solar City verkauft Dachziegel, welche günstiger sind als herkömmliche, genau so aussehen, stabiler sind, und nebenbei auch Strom liefern. 2. Die ETH hat schon in den 80-er Jahren ein durchsichtiges Glas erfunden, welches gleich effektif Strom liefert wie herkömmliche Solarzellen. Also müssten nur für Neubauten in der Schweiz Regelungen gemacht werden, diese Materialien zu nutzen, und in 2-3 Jahren wären wir so weit. Das Problem: Unsere Politiker sind auch Lobbyisten und verdienen zu viel an Atomstrom. :-(

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  • römä am 11.04.2017 08:50 Report Diesen Beitrag melden

    kein Problem

    Lieber Solarpanels auf den Fussballplätzen als sterbende Schwäne :)

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Markus Saurer am 16.04.2017 11:14 Report Diesen Beitrag melden

    Gar nicht möglich

    Diese Grössenordnungen (mit denen erst die Hälfte erreicht würde, theoretisch) sind zwar richtig - aber die Versorgung ist damit noch nicht sichergestellt. Die ist mit flatterhaften Erneuerbaren nicht möglich, so lange Strom nicht in grosser Menge zu vertretbaren Kosten gespeichert werden kann.

    • Karl am 16.04.2017 18:12 Report Diesen Beitrag melden

      Mal nachrechnen..

      Leider ist das so. Dazu kommen die Verluste durch die Speicherung. Wir brauchen also so effektiv das 3 fache an Solarzellen + die Speichertechnologie.

    • Felix Jäger am 19.04.2017 10:39 Report Diesen Beitrag melden

      ...aber richtig.

      Für Fotovoltaik ist auf den Dächern vorig Platz, und vernetzen lassen sich die vielen kleinen Anlagen gerade bei uns so, dass mit Überschüssen in Speicherseen gepumpt werden kann. Ausserdem werden die Speicherbatterienpreise langsam vernünftig. Geld dafür ist genug vorhanden, weil neue AKW sowieso nicht mehr gebaut werden. Die kosten unterdessen etwa 4x mehr als Fotovoltaik gleicher Maximalleistung.

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  • Eugen am 14.04.2017 22:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wind-und Solarenergie.

    wind und Solarenergie. Technisch machbar. Politisch nicht möglich.

    • Lobbist am 16.04.2017 18:23 Report Diesen Beitrag melden

      gewendete Lobby

      Falsch, ist politisch gewollt, da eine starke Lobby. Interessanterweise genau die, die früher AKW'S bauten (SIEMENS) - auch wenn der Windstrom wertlos ist.

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  • Mr. C. M. Burns am 13.04.2017 14:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Preis

    so jetzt reden wir mal tacheles. überleg dir eine zahl, welche in etwa dem preis dieser solarpannels oder wasserkraftwerke entsprechen könnte um alle CH AKWs zu ersetzen. --- hast du eine Zahl?--- jetzt multiplizierst du diese mit 100 ---------fertig?--------- jetzt hast du eine ungefähre schätzung des preises eines AKW endlagers, welches vom steuerzahler getragen werden muss.

  • Heby Sutter am 13.04.2017 12:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Innovation

    Saubere Energie und Unabhängigkeit von den Ölfirmen. Das ist ein Ziel das wir Schweizer mit unseren Innovativen KMU erreichen können.

  • Mäuschen am 13.04.2017 10:14 Report Diesen Beitrag melden

    Achtung Falle!

    Lesen sie bitte das neue aufgeblasene Energiegesetz! Wollen sie wirklich dass zukünftig das EW oder ein Beamter den Einsatz ihrer Haushaltgeräte steuert?

    • Felix Jäger am 19.04.2017 10:45 Report Diesen Beitrag melden

      Nein, Innovation.

      Wird schon seit Jahrzehnten so gemacht. Schauen Sie mal Ihr Tableau an. Dort finden Sie neben Sicherungen und Zähler meist noch die EW-Fernsteuerung, die Boiler und Waschmaschine zu Spitzenzeiten abstellt. Dann schauen Sie mal die Staubsaugerreklamen an: vor 2 Jahren 2 kW, heute 750-800 W. Saugen tun beide genau gleich gut. Mit Fassadenisolation ist 50 % und mehr Energieeinsparung schmerzlos möglich.

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