Wintersturm Burglind

02. Januar 2018 11:12; Akt: 03.01.2018 06:42 Print

Krisenstab warnt vor Bäumen und Baustellen

von B. Zanni - Am Mittwoch werden in der Schweiz heftige Sturmböen erwartet. Das Haus solle man nur mit erhöhter Vorsicht verlassen.

Eine Animation von meteo.search.ch zeigt, wie sich der Sturm zusammenbrauen wird.
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Bereits in der Nacht auf den Berchtoldstag fegten heftige Sturmböen mit Windspitzen von bis zu 80 km/h über die Schweiz. Die Böen legen aber noch einen Zahn zu, denn am Mittwoch kommt Burglind.

«Die bisherigen Stürme waren noch harmlos. Am Mittwoch geht es erst richtig los», kündet Roger Perret, Meteorologe bei Meteonews, an. Am Vormittag würden im Norden der Schweiz, etwa in den Gebieten Bodensee, Zürich, Schaffhausen und Basel, Böen von über 100 km/h erwartet. «Je nördlicher, desto ärger wird es.»

«Das sind Orkanböen»

Laut Perret handelt es sich um einen Wintersturm der oberen Kategorie. «Seit Lothar wird es der vielleicht stärkste Sturm.» Lothar war 1999 durch die Schweiz gefegt und hatte Verwüstungen angerichtet (siehe Box).

Schäden seien auch jetzt zu erwarten, sagt Perret, und warnt: «Wer nach draussen geht, sollte dies mit erhöhter Vorsicht tun.» Es sei empfehlenswert, Kinder an die Hand zu nehmen. In den Wald solle man auf keinen Fall gehen. In den Bergen zeichnen sich Böen von 150 bis zu 180 km/h ab. «Das sind Orkanböen.»

«Waldränder und Wälder meiden»

Die Kantonalen Kristenstäbe Basel-Landschaft und Basel-Stadt erlassen für den ganzen Mittwoch Verhaltensempfehlungen. So solle man Waldränder und Wälder nicht begehen und Baumgruppen meiden. Windanfällige Baustelleneinrichtungen sowie lose Gegenstände auf Balkonen und Gärten sollten gesichert werden.

Grund für den Sturm ist laut Perret ein nördlich der Schweiz durchziehendes Sturmtief namens Burglind.

Sturm-frei in der Schule?

Der Flughafen Zürich hat noch keine Sicherheitsmassnahmen festgelegt. «Wir warten ab und beobachten die Situation laufend», sagt Balz Projer, Schichtleiter der Betriebsleitstelle des Flughafens Zürich. Voraussichtlich werde das Pistenkonzept angepasst. «Wir sorgen dafür, dass die Flieger gegen den Wind landen können.» Möglich sei auch, dass die Zahl der Starts und Landungen reduziert werden müsse. «Am Ende entscheidet die Skyguide von Fall zu Fall, wie viele Flieger sie akzeptiert.»

Im Kanton Schaffhausen startet am Mittwoch die Schule bereits wieder. «Man muss den angekündigten Sturm sicher ernst nehmen, aber Ruhe bewahren», sagt Christian Amsler, Schaffhauser Regierungspräsident und Departementsvorsteher des kantonalen Erziehungsdepartements. Die Behörden und die Blaulichtorganisationen verfolgen die Entwicklung laut Amsler aufmerksam. Welche Massnahmen getroffen würden, entscheide jede Schulbehörde vor Ort.

Amsler: «Im schlimmsten Fall können Schulbehörden wegen des Sturms den Schulbeginn bis auf Weiteres einstellen.» Er geht davon aus, dass auch die Eltern die Situation richtig einschätzen können. «Schicken sie ihr Kind nicht in die Schule, weil der Schulweg wegen des Sturm zu gefährlich ist, werden die Schulgemeinden selbstverständlich kulant reagieren.»

Skigebiete noch offen

Im Skigebiet Davos Klosters haben die Verantwortlichen den Betrieb noch nicht angepasst. Meist träfen Stürme nicht gleich die angekündigten Gebiete, sagt Andre Rellstab, Leiter Marketing der Davos Klosters Bergbahnen. «Wir probieren das Gebiet deshalb so lange wie möglich offen zu halten.»

Auch auf dem Hoch Ybrig bleibt man zuversichtlich. «Wir entscheiden am Mittwochmorgen um 7 Uhr, welche Anlagen wir öffnen», sagt Urs Keller, Geschäftsleiter der Bergbahnen Hoch Ybrig. Schliesslich seien Stürme auch schon weniger schlimm ausgefallen, als sie am Tag zuvor angekündigt worden seien.

Bootsbesitzer sollten Kontrolle machen

Ralph Hirt, Sprecher der Kantonspolizei Zürich, rät Bootsbesitzern zu einem Kontrollgang. «Es ist wichtig, dass das Boot gut vertäut ist und auch die Blachen einem starken Wind standhalten.»Da jeder Besitzer für sein Boot verantwortlich sei, hafteten sie auch für allfällige Schäden, die schlecht fixierte Boote oder Blachen verursachten.

Auch erinnert er an die Bedeutung der Sturmwarnlichter. Blinke die Sturmwarnung zirka 40-mal pro Minute, müssten Schiffsführer die Wetterlage dauernd im Auge behalten. «Blinkt die Sturmwarnung zirka 90-mal pro Minute, hat der Schiffsführer unverzüglich alle notwendigen Sicherheitsmassnahmen für Mannschaft sowie Schiff zu treffen und allenfalls einen Hafen oder das geschützte Ufer anzulaufen.»

Auf Twitter rechnen User unter #Burglind bereits mit einem schlimmen Sturm:


SRF Meto hingegen gibt Entwarnung:


Am Donnerstag wird es dann vor allem nass. Im Flachland, im Jura und in den Voralpen- und Alpentälern kündigt MeteoNews vielerorts 40 bis 100 Millimeter Niederschlag an. «100 Millimeter gibt es vor allem in den Voralpen und im Wallis», sagt Roger Perret. Die Pegel würden ansteigen. Mit Überschwemmungen sei nicht zu rechnen.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Miley am 02.01.2018 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Arbeitsfrei?

    Somit kann ich morgen auf Kosten des Arbeitgebers zu Hause bleiben? Steht ja, das Haus sollte man nicht verlassen und mir ist mein Leben wichtiger als die Arbeit.

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  • Giräffli78 am 02.01.2018 11:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geht nicht anders

    Ich gehe morgen wieder zur Arbeit. Ich kann somit nicht anders als raus zu gehen.

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  • Anton Keller am 02.01.2018 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    Ankündigung

    Vielen Dank für die Warnung. Aber so wie immer, viele Leute werden sich nicht darauf vorbereiten und dann ausrufen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Pan am 04.01.2018 21:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sturmregen reloaded

    Nach dem Sturm jetzt der grosse Regen.

  • Alfred A. am 03.01.2018 17:41 Report Diesen Beitrag melden

    Erstaunlich!

    Burglind war hier am Ort um Klassen harmloser als Lothar damals. Umso mehr erstaunden die zum Teil massiven Schäden die Burglind, verglichen mit Lothar, angerichtet hat.

  • Rigi Blicker am 03.01.2018 15:32 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zürich macht bei nichts mit

    Habe den Hut aus Respekt vor dem Wind zuhause gelassen, als ich in die Stadt runter ging. Hätte ihn minehmen können. Stadt Zürich völlig harmloser Regen.

    • Einä us Bärn am 03.01.2018 15:36 Report Diesen Beitrag melden

      Parkplätze für Bern

      @Rigi Blicker; also doch keine Parkplätze für Bern?

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  • Einä us bärn am 03.01.2018 15:15 Report Diesen Beitrag melden

    Entwicklung vom Sturm

    Ruft denn endlich einer den NOT-Stand für die Schweiz aus! Sehr dramatische Entwicklung vom Sturm. Bin im Moment in Winterthur auch da ist nichts zu spüren. Kommt noch was oder Zahle ich die Billag umsonst?

    • Udo am 03.01.2018 15:29 Report Diesen Beitrag melden

      Artikel Rückmeldung

      Also der Artikel ist sehr lesenswert und warnt alle Leute vor dem Sturm

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  • Einä us Bärn am 03.01.2018 15:01 Report Diesen Beitrag melden

    die Spitzen ~60km/h

    Was ist nun mit dem Sturm? Wegen diesen 50km/h macht ihr so ein Theater? Wartet nur bis mal ein richtiger Orkan über die Schweiz hinweg fegt, dann ist das ein laues Lüftlein. Kann diese Behörde oder Institution nicht richtig und fachlich informieren, muss alles so aufgebauscht werden, dass alle den Gak in der Hose haben. Nun an gewissen Orten war es schon deftig aber nicht so sehr um eine solche Panik mache zu rechtfertigen. Habe heute das Wetter in der ganzen Schweiz mit verfolgt. Bei uns waren die Spitzen ~60km/h.

    • Eini us Mundige am 03.01.2018 17:04 Report Diesen Beitrag melden

      Agglo von Bern

      Also bei uns haben etliche Bäume die Warnungen offenbar ernst genommen und sind dann wohl vorsorglich schon mal umgefallen.... ;-))

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