Tessiner Handelsschule

12. Mai 2018 17:02; Akt: 12.05.2018 19:44 Print

Waffennarr wollte während der Prüfungen zuschlagen

Der 19-jährige Schüler leidet an einer schweren psychischen Störung. Er bestreitet, einen Amoklauf geplant zu haben.

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Der 19-jährige Tessiner Schüler, der beschuldigt wird, ein Massaker an der Handelsschule Bellinzona geplant zu haben, soll seine Tat gezielt geplant haben, wie «Corriere del Ticino» berichtet. Ein Mitschüler sagte gegenüber der Zeitung, dass der 19-Jährige bestimmte Lehrer und Schüler im Visier hatte. Zuvor berichtete «Teleticino», dass der Schüler erst am vergangenen Dienstag 150 Schuss Munition eingekauft hatte.

Der Schüler leidet laut dem Sender RSI an einer starken psychischen Erkrankung. Er bestreitet, die Tat geplant zu haben. Er habe nicht töten wollen, sagt der 19-Jährige bei seiner Befragung in der kantonalen psychiatrischen Klinik Mendrisio.

Der Junge sei kein Aussenseiter, sondern Teil einer sehr eng verbundenen Klasse, die ihn bis anhin unterstützte, schreibt RSI weiter. Dank dieses Klassengeistes habe jemand das Foto auf Social Media bemerkt, auf dem er mit Kalaschnikow auf der Schulter und grimmigem Blick posierte.

Mehr als 20 Waffen gefunden

Der 19-Jährige gilt bei seinen Lehrern als hervorragender Schüler, zuletzt hatte er einen Preis gewonnen. Gerade wegen seiner Begabung habe er ein Studium an der Handelsschule von Bellinzona begonnen. Wegen seiner psychischen Probleme hatte er dort aber Schwierigkeiten, zurechtzukommen.

Die Ermittler befassen sich laut RSI nun mit der psychischen Störung, um zu verstehen, was den jungen Mann dazu gebracht haben könnte, ein Massaker in seiner Schule zu planen. Die Polizei fand in seiner Familienwohnung mehr als 20 Pistolen und Gewehre sowie entsprechende Anschlagspläne. Der Schüler gibt an, passionierter Sportschütze zu sein.

Schockierte Klassenkameraden

Die Schüler der kantonalen Handelsschule von Bellinzona gingen am Freitagmorgen mit einem flauen Gefühl im Magen ins Klassenzimmer. Der Schock und die Bestürzung über den Vorfall sind gross. «Er hatte eine Leidenschaft für große Waffen, einige Fotos, die er in sozialen Medien gepostet hat, waren gruselig», erzählt Luca (Name geändert) dem «Corriere del Ticino». Laut zwei Experten sei das auf dem Bild eine Softair-Waffe und keine echte AK-47, schreibt die Zeitung.

Ausserhalb der Schule sind Polizeipatrouillen anwesend. Die Schulleitung hat für heute ein Treffen mit den Schülern angekündigt, um den Schülern und Mitarbeitern sowohl auf praktischer als auch auf psychologischer Ebene beizustehen, wie das Sekretariat bestätigt.

Motiv immer noch unklar

Es bleiben in diesen Stunden viele Fragen. Zum Beispiel, wie man alle im Haus des Jungen gefundenen Waffen erklärt. Wie ist es möglich, dass die Eltern nichts bemerkt haben? Und was veranlasste den 19-Jährigen, der von vielen als «brillant» bezeichnet wird, ein Massaker in der Schule zu planen?

«Der Schüler hat vorher nie Probleme gemacht. Offensichtlich bin ich sehr schockiert, wir sind alle sehr überrascht. Aber es ist beruhigend, dass der Zusammenhalt in der Schule sehr gut funktioniert hat. Letztendlich haben wir eine Tragödie verhindert», sagt Schuldirektor Adriano Agustoni dem «Corriere del Ticino». Das Gute an dieser traurigen Geschichte sei, dass alle Verdächtigungen ernst genommen worden seien.

(20 Minuten/tio.ch)