Aus Angst vor Kündigung

17. Juli 2017 05:41; Akt: 17.07.2017 05:41 Print

Angestellte bilden sich heimlich weiter

von B. Zanni - Einige Schweizer Mitarbeiter verschweigen ihrem Chef, dass sie einen Fortbildungskurs absolvieren. Sie haben Angst, ihren Job zu verlieren.

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Weil sie die Kündigung fürchten, verheimlichen viele Angestellte ihren Chefs, dass sie eine Weiterbildung absolvieren. Rund 23 Prozent von total 43 befragten Schweizer Erwerbstätigen geben an, sich zurzeit heimlich weiterzubilden oder dies getan zu haben, teilweise sogar mehrmals. Dies geht aus einer Umfrage des Arbeitnehmerdachverbands Travail.Suisse bei Teilnehmern des Bildungsinstitutes für Arbeitnehmende ARC hervor. Karriereberatern ist das Phänomen bekannt. Laufbahn-Coach Andrea Waldispühl macht darauf aufmerksam, dass Fortbildungen vor allem in kleineren Unternehmen schnell für Argwohn sorgen. «Vorgesetzte können Ihre Vormachtstellung bei Weiterbildung ihrer Mitarbeiter bedroht sehen.» In anderen Fällen wollten Erwerbstätige auch skeptische Fragen verhindern. Eine Angestellte zum Beispiel, die im schulmedizinischen Bereich tätig sei, habe eine spirituelle Weiterbildung absolviert und ihren Arbeitgeber nicht darüber informiert. «Sie wusste, dass diese Fortbildung viele Fragen aufgeworfen hätte, und wollte nicht, dass dies sie am Ende die Stelle kosten könnte.» Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse, kritisiert, dass die Verantwortung für die Weiterbildung zu stark bei den Angestellten liege.«Es ist daher nachvollziehbar, dass Angestellte sich ohne das Wissen ihres Arbeitgebers Kompetenzen aneignen, die sie, wenn nicht im aktuellen Unternehmen, woanders weiterbringen.» Jürg Zellweger, Leiter Bildung beim Schweizerischen Arbeitgeberverband, betont, dass die Schweizer Arbeitgeber viel in die Weiterbildung investieren. «Drei Viertel der Weiterbildungen werden in Form von Geld oder Zeit unterstützt.» Heimliche Weiterbildungen hält er für eine Randerscheinung.

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Wenn in der Firma Feierabend ist, drücken sie die Schulbank – nur der Chef darf davon nichts erfahren. Rund 23 Prozent von total 43 befragten Schweizer Erwerbstätigen geben an, sich zurzeit heimlich weiterzubilden oder dies getan zu haben, teilweise sogar mehrmals. Dies geht aus einer Umfrage des Arbeitnehmerdachverbands Travail.Suisse bei Teilnehmern des Bildungsinstitutes für Arbeitnehmende ARC hervor.

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Teilen Sie Ihrem Arbeitgeber mit, dass Sie eine Weiterbildung machen?

Oft treibt die Angst vor einer Kündigung die Angestellten dazu. Sie achte darauf, dass der Arbeitgeber die Weiterbildung nicht mitbekomme, schreibt eine Person in der Umfrage. «Denn es könnte den Anschein erwecken, dass ich mich nach einer neuen Stelle umsehe. Sollte es zu Kündigungen kommen, befürchte ich, dass es mich treffen könnte.»

Eine weitere Person schreibt: «Mein Chef hätte die Weiterbildung als Misstrauensvotum ihm gegenüber ausgelegt.» Und eine andere bereut, transparent gewesen zu sein. «Nach Abschluss der Weiterbildung musste ich feststellen, dass der Arbeitgeber mehr Druck machte und ich schliesslich eine neue Arbeitsstelle suchte.»

«Vorgesetzte können sich bedroht fühlen»

Karriereberatern ist das Phänomen bekannt. Laufbahn-Coach Andrea Waldispühl macht darauf aufmerksam, dass Fortbildungen vor allem in kleineren Unternehmen schnell für Argwohn sorgen. «Vorgesetzte können Ihre Vormachtstellung bei Weiterbildung ihrer Mitarbeiter bedroht sehen.»

In anderen Fällen wollten Erwerbstätige auch skeptische Fragen verhindern. Eine Angestellte zum Beispiel, die im schulmedizinischen Bereich tätig sei, habe eine spirituelle Weiterbildung absolviert und ihren Arbeitgeber nicht darüber informiert. «Sie wusste, dass diese Fortbildung viele Fragen aufgeworfen hätte, und wollte nicht, dass dies sie am Ende die Stelle kosten könnte.»

Laut Karriereberaterin Anne Forster behalten Angestellte ihre Weiterbildungen manchmal aber auch für sich, wenn sie vom Arbeitgeber nicht unterstützt werden. Oft besuchten sie heimlich zum Beispiel Kurse im Bereich Kommunikation und Verhandlungstraining, weil der Arbeitgeber solche für unnötig halte. «Die Mitarbeiter befürchten unangenehme Reaktionen des Chefs, etwa, dass er sie fragt, ob sie sich denn noch auf ihre Arbeit konzentrieren könnten.» Forster hat die Erfahrung gemacht, dass sich vorausschauende Chefs zudem sofort Gedanken machten, wenn ein Angestellter über eine Weiterbildung informiert.

Mehr Chancen durch Ehrlichkeit

Gabriel Fischer, Leiter Wirtschaftspolitik bei Travail.Suisse, kritisiert, dass die Verantwortung für die Weiterbildung zu stark bei den Angestellten liege. Laut einer Umfrage sähen drei Viertel der Arbeitnehmer bei ihrem Arbeitgebern kaum Aufstiegsmöglichkeiten. Auch würden Hochqualifizierte stärker gefördert als Tiefqualifizierte. «Es ist daher nachvollziehbar, dass Angestellte sich ohne das Wissen ihres Arbeitgebers Kompetenzen aneignen, die sie, wenn nicht im aktuellen Unternehmen, woanders weiterbringen.»

Jürg Zellweger, Leiter Bildung beim Schweizerischen Arbeitgeberverband, betont, dass die Schweizer Arbeitgeber viel in die Weiterbildung investieren. «Drei Viertel der Weiterbildungen werden in Form von Geld oder Zeit unterstützt.» Heimliche Weiterbildungen hält er für eine Randerscheinung. Schliesslich seien die Arbeitgeber froh, wenn Mitarbeiter Eigeninitiative zeigten, um sich weiterzubilden. Zudem vertraue man sich in der Regel. «Wer seine Weiterbildungspläne mit der Firma bespricht, kann Unterstützung erhalten und hat oft bessere Chancen, seine beruflichen Ziele tatsächlich zu erreichen.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Danielm am 17.07.2017 06:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Im Ernst?

    Von 43 Befragten? Ist ja sehr representativ

  • Lula am 17.07.2017 06:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Representativität?

    Was ist das bitte für eine Statistik? Die Stichprobe umfasst lediglich 43 Personen? Welche Auswahlkriterien wurden berücksichtigt? Aus welcher Sparte? Welche Karrierestufe? etc. Verzeihen Sie wenn ich etwas überlesen haben sollte, aber darauf basiert allen Ernstes dieser Artikel?! Panikmache ohne Inhalt.

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  • Daniel am 17.07.2017 06:08 Report Diesen Beitrag melden

    Weiterbildung ist

    zu einem guten Teil auch Privatsache und nicht nur Sache des Arbeitgebers. Und was ich in meiner Freizeit mache geht meinen Arbeitgeber generell überhaupt nichts an respektive hat ihn nicht zu interessieren. Solange ich am Arbeitsplatz die volle Leistung erbringe wie vertraglich vereinbart kann ich mich auch weiterbilden ohne dass ich das im Geschäft erwähnen muss.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Claudia am 17.07.2017 18:14 Report Diesen Beitrag melden

    Weiterbildung manchmal für die Katz

    Kenne Leute die sind 3 Jahre auf Abendschule gegangen und haben sich weiss Gott was für Kompetenzen auf dem Papier erworben. Nur leider machen sie den gleichen Job wie vorher auch, es bringt ihnen gar nichts, weil sie es nicht gebrauchen können oder es nicht im Job anwenden können. Und manche versuchen auf der Weiterbildung das zu lernen, was sie in der normalen Schule nicht gelernt haben, weil kein Interesse da war, z.B. das kleine 1 mal 1. Wir haben jede Menge Weiterbilder bei uns in der Abteilung, manchmal habe ich das Gefühl, sie wollen sich etwas Selbstwertgefühl dadurch aneignen.

  • Giancarlo am 17.07.2017 16:41 Report Diesen Beitrag melden

    Weiterbilden = bessere Chancen

    Jeder Arbeitnehmer soll sich weiterbilden. Die Werthaltigkeit eines Mitarbeiters berechnet sich aus Ausbildung, Erfahrung und Bereitwilligkeit, sich weiterzubilden. Wenn also ein Mitarbeiter gefeuert wird, weil er sich weiterbildet, ist es das Beste, was dem Mitarbeiter passieren kann, denn es gibt andere (bessere) Firmen, die solche Mitarbeiter schätzen!

  • Martial2 am 17.07.2017 16:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sich nicht schämen, stolz sein...

    Meine Weiterbildung, Kurse, Schulen, Seminare, wurden immer publik gemacht und die GL/VR wurden informiert: Sauber Tisch und Klarheit war immer meine Devise. Man sollte stolz darauf sein!

  • Martial2 am 17.07.2017 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Es ist kein Ferienlager...

    Ein Mitarbeiter der eine solche Initiative ergreift, zeigt Dynamik, Ehrgeiz und vor allem Wille; der ist brauchbar. Das gehört von der GL anerkannt und honoriert. Hingegen ein Mitläufer der nur Ja und Amen sagt, mit Null Elan und Motivation sitzt am falscher Platz und ist nirgends einsetzbar. Kündigung!!

  • Martial2 am 17.07.2017 16:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum heimlich sich weiterbilden?

    Wenn ein Mitarbeiter sich auf eigene Initiative weiter bildet, sollte der Chef dies als Positives anschauen, es gehört sogar honoriert, sei es als freie Zeit für die Schule, oder mit Geldzustupf!!

    • TheRealSchnauz am 17.07.2017 16:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Bei zns in der Firma kann dies zu ner Kündigung führen. Wirst gleich von der GL ausgeftragt ob es dir nicht mehr gefalle. Möchten Sie bald gehen. Deshalb machen dies viele so.

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