Jugendanwaltschaft

08. Januar 2017 11:24; Akt: 08.01.2017 16:47 Print

Anzeigenflut wegen Pornos in Whatsapp-Chats

Jugendliche begehen vermehrt Delikte mit verbotener Pornografie oder Ehrverletzung. Im Kanton Zürich hat sich die Zahl gar verachtfacht.

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Zuweilen werden ehrverletzende Inhalte geteilt: Jugendliche zeigen sich etwas auf ihrem Mobiltelefon. (12. März 2014) (Bild: Keystone/Christian Beutler)

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In mehreren Deutschschweizer Kantonen machen sich immer mehr Jugendliche strafbar, weil sie über ihr Handy Pornovideos teilen oder Mitschüler im Internet blossstellen.

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Im Kanton Zürich hat sich die Zahl der Pornografie-Delikte von Jugendlichen in den letzten sechs Jahren knapp verachtfacht – zwischen 2013 und 2015 waren es 205 Verstösse. Im Kanton Aargau wurden 2016 58 solche Verstösse vermeldet, im Vorjahr waren es noch halb so viele. Zwar führen andere Kantone keine exakte Statistik, aber viele Jugendanwaltschaften haben gemäss «NZZ am Sonntag» die Entwicklung bestätigt.

In den Zahlen des Kanton Zürichs ist zudem ein klarer Geschlechtsunterschied zu erkennen. Demnach werden mehr als drei Viertel der Pornografie-Delikte von männlichen Teenagern begangen, während über die Hälfte der Ehrverletzungen von jungen Frauen ausgeht. Speziell pikant: Die Inhalte werden mitunter in ganzen Klassen-Chats geteilt, wo sich die Schüler über Hausaufgaben, Prüfungen und Partys austauschen. In einem Fall wurde in einem solchen Gruppen-Chat gar ein Video geteilt, in dem sich ein Mann seinen Penis abschneidet.

«... und Lust am Provozieren»

Im Kanton Zürich handelt es sich bei den Pornografie-Delikten in rund zwanzig Prozent der Fälle um Videos, welche die Jugendlichen selbst drehten und dann verbreiteten. Ähnliches stellt man im Kanton Basel-Stadt fest: «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Jugendlichen sehr gut vernetzt sind und entsprechende Videos sehr schnell im ganzen Bekanntenkreis zirkulieren», sagt Verena Schmid von der Jugendanwaltschaft.

Das ist besonders akut, wenn Sexfotos und -videos gegen den Willen der Betroffenen verbreitet werden. Solche Delikte machen einen weiteren Fünftel der Verstösse aus.

«Viele Jugendliche begehen Pornografie-Delikte aus einer Mischung aus Langeweile, Mangel an Selbstkontrolle und Lust am Provozieren», sagt dazu Patrik Killer, Leiter der Jugendanwaltschaft Zürich-Stadt, in der «NZZ am Sonntag». Das Problem in fast allen Fälle sei, dass sich die Jungen kaum Gedanken über die Konsequenzen ihres Handels machten, so Killer weiter.

«Das Internet vergisst kaum»

Die Blossstellung von Mitschülern wird im Internet aber auch mit anderen Mitteln betrieben. So haben Teenager in mehreren Fällen Profile anderer Mitschüler auf Dating-Plattformen erstellt. Auf den Fake-Profilen fänden sich dann oft Aufrufe, wie «Ich bin leicht zu haben», oder Beleidigungen. «Die Beschimpfungen sind in manchen Fällen schon sehr heftig», sagt Killer. Solche Delikte hätten speziell bei jungen Frauen fast immer mit Eifersucht zu tun.

Im Generellen ist am Internet neu, dass online geteilte Inhalte für immer verfügbar sind. «Den Jugendlichen ist oft nicht bewusst, dass das Internet kaum vergisst», so Killer.

(mch)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Elvis.in.Action am 08.01.2017 11:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kein Wunder

    Na und? Ihr fragt euch noch warum? Alter Schwede... Kopf einschalten. Heute sieht man schon 10 Jährige mit iphone 7 Plus die keine Ahnung was alles machen.

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  • Eulea am 08.01.2017 11:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Erziehung ist mühsame Arbeit!

    Das ist eben grösstenteils eine Sache der Erziehung! Jugendlichen muss man erklären und aufzeigen, was ihr Handeln für Konsequenzen hat, woher sollen sie es sonst wissen? Aber das ist mit Arbeit verbunden... und der letzte Teil hat man als Eltern nicht mehr in der Hand und liegt bei der Vernunft des Teenagers.

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  • Blattherz am 08.01.2017 11:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Zuerst weg mit der Ware

    Ja das liegt an der Erziehung der Eltern und das Handy ist ja so wichtig für ein Kind die Eltern machen da den Fehler und es ist eine faule Ausrede wenn man sagt sie müssen eins haben. Man gibt Ihnen keins.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • rumpelstilzchen am 08.01.2017 15:12 Report Diesen Beitrag melden

    jugend

    was bin ich froh habe ich die jugend hinter mir und muss diese nicht heutzutage durchstehen!

  • Andy Honegger am 08.01.2017 14:54 Report Diesen Beitrag melden

    Vielschichtiges Problem

    Auf der einen Seite ist das eine Frage der Erziehung und Aufklärung durch die Eltern - aber auch durch die Schule mit spezialisierten Fachleuten. Bei diesem komplexen Thema sind zum Teil selbst Lehrer überfordert, nicht nur Eltern. Auf PCs gibt es bei Virenschutzprogrammen auch Kindersicherungen, welche kritische Seiten (auch Gewalt etc,) sperren. Das muss es auch auf Handys und den Social Medias geben - mit ausgefeilten Sperr-Mechanismen, welche auch selbstgedrehtes erkennen. Und ja: Sex und Gewalt sind heute leider überall das "Tagesthema", in Zeitungen, TV, Radio...

  • Heno am 08.01.2017 14:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nicht die jugend ist schuld

    Das iphone ist ja eine gute sache und nicht das problem. Mann darf in der heutigen zeit mit dieser antiauthoriären erziehung gar nichts mehr machen ohne das man gleich ne klage am hals hatt. Das liegt an der charaterlosikeit und dem ungehemmten entwicklung und anstand der jugen welche sich daraus entwickelt hatt. Das ist nicht die schuld der jugend sondern von der gesellschaft und der politik. Setz mal wieder grenzen. Heute sieht man auf jedem sender sofort bei werbung immer sex. wie soll sich dann die jugend da anders entwickeln?? Sie habens so gelernt.

  • Chris Beo Achter am 08.01.2017 14:32 Report Diesen Beitrag melden

    Wen wundert das ?

    Wenn man sieht was in der Boulevardpresse in Sachen SEX veröffentlicht wird, liegt es Nahe, dass die Kids zur Nachahmung inspiriert werden. Die Staatsanwaltschaft wäre gut beraten, wenn sie dort den Hebel ansetzen würde.

  • Clara am 08.01.2017 14:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Selber in den Spiegel schauen

    Unsere Kinder sind ein Abbild der Gesellschaft. Immer nur alles den zu faulen Eltern in die Schuhe schieben ist sehr einfach. Geri Müller verschickt "lustige" Selfies, das Theater Zürich ruft unter dem Deckmantel der Satire zum Mord und Verfluchen von Köppel auf, die Mitglieder der Berner Reitschule randalieren und schlagen Leute zusammen. Und das sind nur drei Beispiele, welche kürzlich in der Öffentlichkeit waren. Lebt unseren Kindern mal Anstand und Respekt vor und sie lernen das auch wieder!