Happiger Aufpreis

03. April 2018 17:48; Akt: 03.04.2018 17:48 Print

Apotheker verlangen eine Generika-Gebühr

Ein Kunde entdeckte auf einer Abrechnung einen Zuschlag von über 20 Franken für ein Generikum. Laut dem Preisüberwacher ist das in Ordnung.

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Christian Häseli aus Kloten wollte Kosten sparen – und folgte der Empfehlung des Apothekers, ein Generikum zu nehmen. Dieses kostete mit 51.90 Franken nicht einmal halb so viel wie das Originalpräparat. Auf der Abrechnung seiner Krankenkasse fand er dann aber einen seltsamen Posten: Die Apotheke berechnete laut dem SRF-Konsumentenmagazin «Espresso» 21.60 Franken zusätzlich.

Die Apotheke begründete den Aufpreis mit dem zusätzlichen Aufwand, der durch die Verschreibung eines Generikums entstehe. Tatsächlich ist eine solche Vergütung in einer Tarifvereinbarung zwischen den Krankenversicherern und dem Apothekerverband Pharmasuisse festgelegt. Demnach dürfen Apotheker 40 Prozent des Preisunterschieds zwischen Original und Generikum verrechnen, maximal aber 20 Taxpunktwerte. Das entspricht zurzeit 21.60 Franken. Den sogenannten Substitutionszuschlag dürfen sie allerdings nur bei der ersten Abgabe des Medikaments verlangen.

Mindereinnahmen wegen Generika

Gemäss Pharmasuisse geben Apotheker immer häufiger anstelle eines Originalpräparats ein günstigeres Generikum ab: 2017 war das 436’000-mal der Fall. Die Einsparung durch die Verschreibung des Generikums sei oftmals viel höher als der Zuschlag. «Von dieser Regelung profitieren die Patienten, da sich ihr Selbstbehalt verringert, und die Solidargemeinschaft aller Krankenkassenversicherten, da die Kosten im Gesundheitswesen tiefer ausfallen», sagt Sprecherin Rahel Rohrer.

Für Preisüberwacher Stefan Meierhans ist der Zuschlag in Ordnung, da er einen Anreiz schafft, dass Apotheker ein Generikum empfehlen. Ein Apotheker erhalte in der Regel zwölf Prozent des Verkaufspreises. «Das heisst, er verliert, wenn er ein günstigeres Generikum abgibt», sagt Meierhans zu SRF. Gerade bei chronisch Kranken, die ein Medikament über Jahre einnehmen würden, summierten sich diese Mindereinnahmen.

Allerdings würde sich Meierhans statt des Zuschlags ein Festbetrags-System wünschen: Dabei würde der Bund nach Ablauf des Patentschutzes eines Medikaments einen fixen Betrag festlegen, den die Kassen für eine bestimmte Menge eines Wirkstoffs vergüten dürfen. Die Hersteller der Originalmedikamente kämen so unter Druck, die Preise zu senken.

«System ist nicht zu Ende gedacht»

Auch für Ivo Meli von der Stiftung für Konsumentenschutz ist das System mit dem Zuschlag «nicht zu Ende gedacht»: «Es macht zwar Sinn, im Kampf gegen höhere Prämien den Absatz von Generika zu fördern. Der Mehraufwand der Apotheken rechtfertigt aber keinen Zuschlag von über 20 Franken.» Zudem dürfe der Zuschlag nur einmal erhoben werden. «Der Anreiz, bei chronisch Kranken das Originalmedikament abzugeben, ist für Apotheker weiterhin gross.»

Weil der Zuschlag einen Teil der Ersparnisse durch günstigere Generika wieder auffrisst, macht sich Meli für einen Systemwechsel stark: «Apotheken sollten gleich viel verdienen – egal, ob sie ein Originalmedikament oder ein Generikum verkaufen. Wir müssen von preisabhängigen Margen wegkommen.»

Einen Beitrag können übrigens auch die Ärzte leisten: Verschreiben sie einfach den Wirkstoff oder versehen sie das Rezept mit einem Vermerk, dass auch ein Generikum gegeben werden darf, dürfen die Apotheken keinen Zuschlag verrechnen.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ed Wilson am 03.04.2018 17:53 Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar....

    Zusätzlicher Aufwand... Wow.. was fuer ein Business.

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  • Women's Feet lover am 03.04.2018 17:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    unverständlich

    für was sind Preisüberwacher tätig,wenn man trotzdem abgezockt wird?Nennt sich das Konsumentenschutz?

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  • Markus am 03.04.2018 17:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Frechheit

    Frechheit, es soll billiger werden und dann so etwas.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peterpan am 03.04.2018 20:49 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kann doch nicht sein

    So was gibt es auch nur in der Pharma. Das wäre das gleiche wie wenn ich einem Kunden einen Obel verkaufe und denn Preis für einen Mercedes verlange. Ich habe la einen Verlust wenn ich das Billigere Auto Verkaufe.

  • m.g am 03.04.2018 19:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    so ein blödsinn..

    als ob die medikamente nicht schon teuer genug wären... und die die darunter leiden sind oft die ältesten und eher ärmeren in unserer gesellschaft... auch weil die selten nur 1 oder 2 medikamente nehmen müssen...

  • Rudi Mentär am 03.04.2018 19:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Keine gute Reklame für...

    ...die Apotheker, das ist abzocke. Dann kaufe ich es halt wieder beim Hausarzt in der Praxis, und nicht mehr beim Apotheker, dann kann ich mir den Aufpreis vielleicht sparen. Dieser Aufpreis ist nicht in Ordnung, egal was der Preisüberwacher meint. Man sollte die Rechnung von der Apotheke jetzt immer zweimal anschauen, ich glaube nicht, das bei allen der Aufpreis einmalig ist, es gibt zu viele Schwarze Schafe. Aber vor allem finde ich, sollte der Apotheker von Anfang an Reinen Wein einschenken, und darauf hinweisen, dass es einen Aufschlag gibt, dass ist das aller mindeste.

  • Jago am 03.04.2018 19:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kartell

    Wie sollen die Medipreise sinken, wenn das ganze vom Bund kartellmässig aufgebaut ist? Einfach alle Preisvorgaben streichen und der Markt würde dann schon spielen. Die Kunden würden dann automatisch zum günstigsten Anbieter gehen.

  • verwundert am 03.04.2018 19:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Etwas

    Schon sehr interessant, wie die meisten Leser auf diesen Artikel reagieren. Man könnte glatt annehmen, dass ihn entweder niemand richtig gelesen hat, oder er überhaupt nicht verstanden wurde. Ein Generika ist immer günstiger, auch wenn die Apotheke beim ersten Bezug die Substitutionstaxe verrechnen darf. Ab dem zweiten Bezug spart man noch mehr Kosten ein. Deshalb macht es absolut Sinn, seine Medikamente in der gleichen Apotheke zu beziehen. Man spart letztendlich für alle mit & noch etwas Wichtiges:Apothekenpersonal hat ein grosses & sehr gutes Arzneimittelfachwissen-Beratung für wenig Geld.