«Nazi-Shazam»-App

19. Mai 2017 10:58; Akt: 19.05.2017 11:23 Print

App soll illegale Neonazi-Songs erkennen

In Deutschland wird eine «Nazi-Shazam»-App gefordert. Mit dieser sollen Polizisten illegale Musik erkennen. Auch in der Schweiz stösst die Idee auf offene Ohren.

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Um künftig zu verhindern, dass Neonazis vor Hunderten Anhängern und den Augen und Ohren des Staates womöglich illegale Rechtsrock-Musik spielen, fordert die Linksfraktion im Thüringer Landtag nun die Einführung einer sogenannten «Nazi-Shazam»-App. Durch die automatisierte Titelerkennung könnten ähnlich wie bei der App «Shazam» Lieder in Sekundenschnelle identifiziert werden. So könnten nicht nur verschiedensprachige Lieder, sondern auch schwer verständliche Musik erkannt werden. Ein Prototyp dieser App sei in Deutschland bereits entwickelt worden. Nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz finden Rechtsrock-Konzerte statt. Jüngstes Beispiel ist jenes am 15. Oktober in Unterwasser SG, an dem rund 5000 Besucher teilnahmen. Wäre eine «Nazi-Shazam»-App auch hier ein Ansatz, um die Einhaltung der Rassismus-Strafnorm zu überprüfen? «Wir sind grundsätzlich an Hilfsmitteln zur Aufklärung von Straftaten nicht abgeneigt», sagt Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Auch bei der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) steht man der Entwicklung und Einführung einer «Nazi-Shazam»-App positiv gegenüber: «Grundsätzlich ist es sicher sinnvoll, technische Hilfsmittel für die Erkennung von rechtlich problematischen Liedertexten zu entwickeln», sagt Juristin Alma Wiecken. Auch in der Politik stösst die «Nazi-Shazam»-App auf offene Ohren: «Ich finde das eine gute Idee», sagt die St. Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi. Es sei ein einfaches Hilfsmittel, um akustisch schwierige Texte und Lieder in den verschiedensten Sprachen zu erkennen und zu verstehen. «Die Polizei ist sicher froh, um jede technische Unterstützung diesbezüglich», sagt Gysi. Weniger euphorisch über eine möglich Einführung einer «Nazi-Shazam»-App ist SVP-Nationalrat Andreas Glarner: «Das ist ein Nonsense.» In der Schweiz habe man diesbezüglich gar keinen Bedarf und andere Probleme, die es zu bekämpfen gibt. Zudem sollte es ohnehin so sein, dass Neonazis gar keine Konzerte in der Schweiz durchführen sollen können.

Zum Thema
Fehler gesehen?

Eine Schweizer Neonazi-Band aus dem Umfeld des in Deutschland verbotenen «Blood & Honour»-Netzwerks trat Anfang Mai im thüringischen Leinefeld auf. Die Polizei war präsent. Doch laut dem Newsportal «Thüringen 24» versäumte sie es, den Inhalt der Lieder zu prüfen – wegen mangelnder Englischkenntnisse.

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Sollte es ein «Nazi-Shazam»-App geben?

Um künftig zu verhindern, dass Neonazis vor Hunderten Anhängern und den Augen und Ohren des Staates womöglich illegale Rechtsrock-Musik spielen, fordert die Linksfraktion im Thüringer Landtag nun die Einführung einer sogenannten «Nazi-Shazam»-App.

Schwer verständliche Musik erkennen

Katharina König-Preuss, Sprecherin für Antifaschismus der Linksfraktion, sagt zu «Thüringen 24»: «Um die Staatsschützer zu unterstützen, sollte der Freistaat die Entwicklung einer ‹Nazi-Shazam›-App vorantreiben, damit Beamte per Smartphone Titel automatisiert erkennen können.»

Durch die automatisierte Titelerkennung könnten ähnlich wie bei der App «Shazam» Lieder in Sekundenschnelle identifiziert werden. So könnten nicht nur verschiedensprachige Lieder, sondern auch schwer verständliche Musik erkannt werden. Ein Prototyp dieser App sei in Deutschland bereits entwickelt worden.

«Sinnvoll, eine solche App in der Schweiz zu entwickeln»

Nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz finden Rechtsrock-Konzerte statt. Jüngstes Beispiel ist jenes am 15. Oktober in Unterwasser SG, an dem rund 5000 Besucher teilnahmen. Wäre eine «Nazi-Shazam»-App auch hier ein Ansatz, um die Einhaltung der Rassismus-Strafnorm zu überprüfen? «Wir sind grundsätzlich an Hilfsmitteln zur Aufklärung von Straftaten nicht abgeneigt», sagt Gian Andrea Rezzoli, Sprecher der Kantonspolizei St. Gallen. Die Frage sei dabei aber, ob die Erkennung eines Liedes mittels einer App vor Gericht als Beweis gelten würde.

Auch bei der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus (EKR) steht man der Entwicklung und Einführung einer «Nazi-Shazam»-App positiv gegenüber: «Grundsätzlich ist es sicher sinnvoll, technische Hilfsmittel für die Erkennung von rechtlich problematischen Liedertexten zu entwickeln», sagt Juristin Alma Wiecken.

Deutschland führt einen Index, Schweiz nicht

In der Schweiz würde sich aber im Unterschied zu Deutschland die Frage stellen, welche Lieder mit einer solchen App erfasst werden sollen: «In Deutschland sind gewisse Lieder indiziert. Ihre Verbreitung ist strafbar. So einen Index haben wir in der Schweiz nicht», sagt Wiecken.

Trotzdem sei es wichtig, dass die Polizei auch in der Schweiz alle technisch möglichen und rechtlich zulässigen Mittel nutzt, um ermitteln zu können, welche Texte an solchen Rechtsrock-Konzerten gesungen werden, um so den Strafverfolgungsbehörden die nötigen Grundlagen für eine rechtliche Beurteilung zur Verfügung zu stellen.

«Das ist Nonsense»

Auch in der Politik stösst die «Nazi-Shazam»-App auf offene Ohren: «Ich finde das eine gute Idee», sagt die St. Galler SP-Nationalrätin Barbara Gysi. Es sei ein einfaches Hilfsmittel, um akustisch schwierige Texte und Lieder in den verschiedensten Sprachen zu erkennen und zu verstehen. «Die Polizei ist sicher froh um jede technische Unterstützung diesbezüglich», sagt Gysi.

Die SP-Nationalrätin könne sich gut vorstellen, dieses Thema mit Fredy Fässler, dem Vorsteher des Sicherheits- und Justizdepartementes des Kantons St. Gallen, die App zu thematisieren und zu prüfen.

Weniger euphorisch über eine möglich Einführung einer «Nazi-Shazam»-App ist SVP-Nationalrat Andreas Glarner: «Das ist ein Nonsense.» In der Schweiz habe man diesbezüglich gar keinen Bedarf und andere Probleme, die es zu bekämpfen gibt. Zudem sollte es ohnehin so sein, dass Neonazis gar keine Konzerte in der Schweiz durchführen sollen können.

(jen)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Berner Bär am 19.05.2017 11:05 Report Diesen Beitrag melden

    Und die andere Seite?

    Plötzlich werden dann auch noch traditionelle Lieder, die zB das Wort "Heimat" beinhalten verboten. - Ach ja, wie steht es mit linksextremen Liedern und Rapper-Texten, die zu Umsturz und Gewalt aufrufen?

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  • marco am 19.05.2017 11:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    und punk?

    ... dann aber bitte der fairnesshalber auch eins für die punks, welche zu vandalismus etc. aurufen, danke.

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  • Dani am 19.05.2017 11:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    hmm

    Meine Güte. Wir haben schon keine anderen Probleme..

Die neusten Leser-Kommentare

  • marko 32 am 19.05.2017 20:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Krass

  • ninolino am 19.05.2017 19:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kindergarten

    An alle, die hier auf die Linken zeigen: Erstens entlarvt ihr euch als Sympathisanten oder mindestens Dulder rechtsextremistischen Gedakenguts. Zweitens ist das eine nicht wegen des anderen weniger schlimm. Drittens höre ich die Argumentation '... die anderen machen auch...' eigentlich nur bei meiner dreijährigen Tochter, die fünfjährige ist schon genug reif, um zu verstehen, dass dies niemals als Begründung akteptiert wird!

    • Nico am 19.05.2017 20:25 Report Diesen Beitrag melden

      Danke Ninolino

      Danke Ninolino! So ist es! Dann möchte ich noch ein Beispiel eines menschen- und frauenverachtenden, rassistischen und zur Gewalt aufrufenden Songs erfahren. Sie existieren nämlich nicht!

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  • Urs Müller am 19.05.2017 19:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mensch?

    Ich bin immer wieder erschüttert, wenn ich die Kommentare hier lese. Gegen Ausländer zu sein, scheint für viele hier deutlich weniger schlimm, als Container anzuzünden... Natürlich darf jeder auf seine eigene Herkunft stolz sein. Da dran ist nichts falsch. Das Problem fängt da an, wo man deswegen gegen andere ist. Die Frage, die sich manche hier vielleicht mal stellen sollten, ist: Bin ich zuerst Mensch und dann Schweizer. Oder ist es umgekehrt. Letzteres hat sich in der Geschichte noch nie bewährt, sondern brachte in erster Linie Leid.

  • Quadrant am 19.05.2017 18:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Absurd absurd

    Huuuch...wenn dahinter die Antirassismus- Koalition steckt, dann wird die App aber beim Eidgenössischen Jodelfest im Roten drehen...verrückte Sache...und natürlich wie immer ( bei dieser zweifelhaften Institution ) völlig unnötig und absurd !

  • Werni am 19.05.2017 18:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Interessant bis bedrückend

    Dass hier jetzt Rechtsextreme so glühend verteidigt werden und auf einmal "rechts" und "rechtsextrem" von rechten Sympathisanten nahezu gleichgesetzt wird, erschrckt mich sehr.