Naht die Wehrpflicht?

08. Februar 2017 05:45; Akt: 08.02.2017 08:08 Print

Armee startet neue Offensive bei Frauen

von J. Büchi - Die Politik will jungen Schweizerinnen den Armeedienst schmackhaft machen. Sie sollen alle zu Info-Tagen eingeladen werden.

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Auf Instagram gingen Selfies von Schweizer Soldatinnen jüngst unter dem Hashtag #schweizerarmee viral. Selbst die britische Presse wurde auf unsere «hot female recruits» aufmerksam. Dem Hype zum Trotz: Frauen, die Dienst leisten, sind in der Schweiz immer noch eine absolute Minderheit: Zum Erhebungszeitpunkt im letzten März waren 1117 Frauen in der Armee eingeteilt – damit waren nur gerade 0,7 Prozent aller Armeeangehörigen weiblich.

Umfrage
Sollen auch Frauen in der Schweiz Militärdienst leisten müssen?
43 %
40 %
16 %
1 %
Insgesamt 6124 Teilnehmer

Das wollen die Sicherheitspolitiker des Nationalrats ändern. Vor Wochenfrist haben sie eine Motion eingereicht, die den Bundesrat beauftragen soll, alle jungen Frauen zu den Orientierungstagen der Armee einzuladen. Dadurch soll der Militärdienst «speziell auch für Frauen attraktiver» werden, wie es in der Mitteilung der Kommission heisst.

«Erfahrung als Ärztin sammeln»

«Junge Frauen sollen erfahren, welche Möglichkeiten ihnen eine Militärkarriere eröffnet», sagt Werner Salzmann (SVP), Oberst in der Armee. Würden alle Frauen auf freiwilliger Basis an die Orientierungstage eingeladen, sinke die Hemmschwelle, sich für den Dienst zu melden. Heute laden manche Kantone Frauen bereits an die Info-Tage ein, in anderen müssen sich weibliche Interessierte aktiv beim Kreiskommando melden.

Daniel Slongo, der Generalsekretär der Schweizerischen Offiziersgesellschaft (SOG), betont, eine militärische Ausbildung sei in vielen Berufen von Nutzen: «Für eine junge Frau, die Polizistin werden will, ist das Militär eine gute Vorbereitung. Aber auch angehende Köchinnen, Ärztinnen oder Lastwagenfahrerinnen können in der Armee wichtige Erfahrungen sammeln.» Das gelte es an den Orientierungstagen aufzuzeigen.

«Armee muss das Problem bei sich suchen»

Auch die SP hat den Vorstoss in der Kommission unterstützt. Allerdings nur unter der Bedingung, dass die Teilnahme freiwillig ist, wie Nationalrätin Priska Seiler Graf betont. «Ich wäre als junge Frau wohl aus Neugier an einen solchen Informationstag gegangen, wäre ich persönlich eingeladen worden.» Es spreche nichts dagegen, wenn die Armee in dieser Hinsicht ihre Werbebemühungen verstärke.

Kritischer ist Lewin Lempert von der Gruppe für eine Schweiz ohne Armee (Gsoa). «Solche Info-Tage sind reine Armee-Propaganda – über die Alternativen Zivildienst und Zivilschutz wird ungenügend informiert.» Es mute ziemlich verzweifelt an, wenn das Militär um jeden Preis Frauen zu rekrutieren versuche. «So hoch, wie die Dienstuntauglichkeitsquoten in manchen Kantonen sind, muss die Armee das Problem definitiv bei sich selber suchen.»

Ein Schritt in Richtung Obligatorium?

Die Motion befeuert auch die Diskussion über eine Dienstpflicht für Frauen: Während die Gsoa jede Entwicklung in diese Richtung ablehnt, hofft die Offiziersgesellschaft genau darauf: «Die Motion ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, da sie hilft, alte Muster zu hinterfragen», so Generalsekretär Slongo. Langfristig würde die SOG eine Dienstpflicht für Frauen begrüssen – allerdings sei man sich bewusst, dass dies ein gesellschaftliches Umdenken erfordern würde.

Tatsächlich hat sich die Sicherheitspolitische Kommission unlängst gegen entsprechende Vorschläge einer Studiengruppe ausgesprochen. SVP-Mann Salzmann sagt: «Die Frauen haben genug andere Aufgaben in der Gesellschaft. Sie müssen nicht auch noch verpflichtet werden, ins Militär zu gehen.» Und Sozialdemokratin Seiler Graf findet: «Eine Dienstpflicht für Frauen kommt nicht infrage, solange etwa die Gleichstellung in anderen Bereichen – etwa beim Lohn – noch nicht erreicht ist.»

Sind Sie eine junge Frau und wollen in die Armee? Erzählen Sie uns von Ihren Beweggründen!

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • P.Eter am 08.02.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sexismus

    Wenn ein Mann mit einer Behinderung zur Welt kommt (und somit nicht ins Militär darf/kann) muss er zahlen. Wenn eine Frau mit einer Behinderung zur Welt kommt muss sie nicht zahlen. Das ist die reinste Form von Sexismus, aber das spielt für die Feministen natürlich keine Rolle.

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  • Sabine am 08.02.2017 06:08 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie immer

    Es wird so sein, dass diejenigen Frauen, welche am lautesten nach Gleichberechtigung schreien, garantiert keinen Militärdienst leisten werden! Die Praktikerinnen machen das schon lange, ohne sich gross in den Vordergrund zu drängen!

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  • Serge Ant am 08.02.2017 06:07 Report Diesen Beitrag melden

    Fair Militär

    Alle Frauen sollten sich mind. finanziell beteiligen müssen (oder Zivil Dienst leisten) genauso wie Männer die 3% vom Lohn abgeben müssen.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Einfach Ich am 08.02.2017 12:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Mal eine ganz andere idee

    Wir könnten das ganze auch anders machen. Dienst für alle freiwillig. Aber man bekommt erst sein stimm und wahlrecht wenn man dienst am vaterland leistet oder ersatz bezahlt. Keine rechte ohne pflichten. Das wäre fair.

  • Steven am 08.02.2017 12:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Gleichbehandlung oder doch nicht?

    Und den grundsatz " frauen und kinder zuerst" können wirauch gleich abschaffen. In zukunft heisst das nurnoch "kinder zuerst"

  • Dreibeiner am 08.02.2017 12:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sexismus par excellence

    Jede/r die/der gegen die dienstpflicht oder die ersatzabgabefür frauen ist, ist in meinen augen ein/e sexist/sexistin. Beim ahv alter genau das selbe.

  • Antipöbel am 08.02.2017 08:46 Report Diesen Beitrag melden

    Kriegsfall

    All diese Sprüche betr. Frauenpflicht haben Stammtisch-Charakter. Wozu gibts es Militär? Um uns im Ernstfall zu verteidigen. Stellt euch den Kriegsfall vor: Sind die Frauen an der Front, wer kümmert sich dann um Lebensmittelproduktion, die Kinder, gar die Produktion der Munition und das ganze Funktionieren des Landes? In den zwei Weltkriegen waren das hauptsächlich die Frauen. Also schaltet mal euer Gehirn ein.

  • Rocho am 08.02.2017 08:39 Report Diesen Beitrag melden

    Vor was habt ihr genau Angst?

    Frauen die mit möglichen Schwangerschaften kommen, dass ist zwar ein Grund aber trotzdem kann man auch da planen. Männer, die sagen Frauen seien ungeignet, es gibt verschiedene Dienste im Militär. Das Militär besteht ja nicht nur aus Leuten die entweder nur im Büro sitzen oder denen, die draussen rumballern. Alle die dagegen sind, dass beide Geschlechter in den Dienst gehören, ihr habt doch allle nur Angst vor veränderungen. Andere Nationen machen solches seit Jahren und es funktioniert. Wovor habt ihr den in der CH angst? Eure Argumente sind meist eher schwach.