1000 Gebäude untersucht

09. November 2012 20:18; Akt: 10.11.2012 16:25 Print

Asbest gefährdet Soldaten - VBS schweigt

Asbest bedroht die Gesundheit von Schweizer Soldaten. In mehreren Gebäuden wurden die gefährlichen Fasern festgestellt - doch längst nicht alle Betroffenen wurden informiert.

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Eine der betroffenen Unterkünfte befindet sich in Ulrichen VS. «Letztes Jahr haben waren wir drei Wochen dort», schreibt uns ein Leser-Reporter. «Und es wurde nichts gesagt.» (Bild: Keystone/urs Flueeler)

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In einigen Unterkünften der Schweizer Armee haben Soldaten jahrelang hochgefährliche Asbestfasern eingeatmet. Das zeigt ein interner Armee-Bericht, der «10vor10» vorliegt. Betroffen ist beispielsweise das Oberwalliser Truppenlager Gluringen, von dem bereits «bei normaler Nutzung» ein «erhebliches Risiko» ausgeht. Ein Gutachter ordnete die sofortige Sanierung des Gebäudes an. Es gelte, die Asbestpappe «so rasch als möglich zu sanieren (entfernen oder versiegeln).»

Die Armee hat das Lager 2010 geschlossen, aber nur die Soldaten informiert, die zu dieser Zeit vor Ort waren. Die Wehrmänner, die in den Jahren davor möglicherweise hochgefährliche Fasern eingeatmet hatten, wurden nicht benachrichtigt. Der renommierte Lungenarzt und Asbest-Experte Karl Klingler reagiert darauf mit Unverständnis. Er erklärt gegenüber «10vor10», dass schon wenige Fasern nach 10 oder 15 Jahren Lungen- oder Brustfellkrebs verursachen können – insbesondere bei einer entsprechenden genetischen Veranlagung oder bei Rauchern. Klingler fordert deshalb, dass alle betroffenen Soldaten unverzüglich informiert werden.

VBS will gefährdete Soldaten nicht benachrichtigen

Das VBS hält dies aber nicht für nötig. « Die Wehrmänner waren nicht konstant in dieser Unterkunft. Sie waren dem potenziellen Risiko nur kurzfristig ausgesetzt», begründet ein Armasuisse-Sprecher. Nach Rücksprache mit dem Bundesamt für Gesundheit und den Experten der Suva sei man zur Überzeugung gekommen, dass eine breit gefächerte Information nicht nötig sei.

Das Truppenlager Gluringen ist nur eines von vielen Armeegebäuden, in denen Asbest ein Risiko darstellt. Das VBS hat bislang 350 ihrer Bauten untersucht – bei einem Drittel davon wurde Sanierungsbedarf festgestellt. 650 weitere Gebäude sollen laut Armasuisse noch auf Asbest untersucht werden.

Für Zündstoff dürfte das Thema auch in der Politik noch sorgen. Nationalrätin Chantal Galladé will in der Sicherheitspolitischen Kommission Auskünfte von Bundesrat Ueli Maurer verlangen. Sie ist empört darüber, dass die Missstände erst durch die Medien aufgedeckt werden mussten und hat klare Forderungen an Verteidigungsminister Maurer: «Er soll für das hinstehen, soll erstens sagen, welche Kasernen oder Gebäude sonst noch betroffen sind, und er soll zweitens transparent informieren, denn da geht es auch um Fälle, bei denen die Militärversicherung zum Zug kommen kann.»

(jbu)

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