Stau und Dichtestress

02. Juli 2018 10:14; Akt: 03.07.2018 08:30 Print

Tempo 80 auf Autobahn soll Kollaps verhindern

Staus verursachen einen hohen volkswirtschaftlichen Schaden. Darum will das Bundesamt für Strassen vermehrt Tempo 80 auf Autobahnen verhängen.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Das Schweizer Autobahnnetz ist an der Grenze seiner Belastbarkeit. Seit 1990 ist die Fahrleistung um 223 Prozent gestiegen, jährlich verursacht der Stau auf Nationalstrassen und Autobahnen rund 1,6 Milliarden Stauzeitkosten.

Umfrage
Tempo 80 auf Schweizer Autobahnen: Was meinen Sie dazu?

Um den Verkehr vor dem Kollaps zu bewahren, rät das Bundesamt für Strassen (Astra) zu einer allgemeinen Verlangsamung des Verkehrs. Was bisher vor allem in den über 250 Tunneln galt, soll laut «Tages-Anzeiger» nun auch auf Nationalstrassen gelten: Verkehrsteilnehmer sollen immer häufiger mit maximal Tempo 80 oder 100 fahren können.

Zwei neue Autobahnstrecken im Test

Das Astra setzt bereits seit Jahren vermehrt auf die Reduktion der Höchstgeschwindigkeit auf offenen Strecken. Mit Signalisationsanlagen, die via Algorithmen gesteuert werden, wird immer öfter Tempo 80 verordnet.

Der Plan ist nun, die Strecken, auf denen das Tempolimit 80 bereits gilt, mit diesen technischen Möglichkeiten zu erweitern. Derzeit werden auf zwei ­Pilotstrecken — zwischen Bern und Thun (A6) sowie den Verzweigungen Rotsee LU und Rütihof ZG (A14) — mobile Verkehrsmanagementanlagen getestet, erklärt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach gegenüber «Tages-Anzeiger».

Temporeduktion nur dort, wo es nötig ist

Seitens der Politik gehen die Meinungen zum Vorhaben des Astra auseinander: Während CVP-Nationalrat Martin Candinas die vermehrte Nutzung digitaler Möglichkeiten im Strassenverkehr begrüsst, zeigt sich SVP-Nationalrat Thomas Hurter, Präsident des Automobil-Clubs der Schweiz (ACS), skeptisch. Er habe grundsätzlich nichts gegen die Idee einzuwenden, warnt aber davor, mit der grösseren Verfügbarkeit mobiler Anlagen Verkehrslenkung zu betreiben.

Hurter äussert den Verdacht, das Astra versuche damit, Autofahrer zu vergraulen — wie etwa in linksgrün regierten Städten, wo mit dem Scheinargument Lärm­bekämpfung Tempo-30-Zonen eingeführt würden.

Beim Astra wehrt man sich gegen diesen Vorwurf: Es werde nur dort ein tieferes Tempo angeordnet, wo dies auch tatsächlich zur Verflüssigung des Verkehrs beitrage, sagt Astra-Sprecher Rohrbach.

Höhere Geschwindigkeit ist der falsche Ansatz

Ziel ist, in fünf bis sechs Jahren 800 Kilometer des insgesamt 3800 Kilometer weiten Autobahnstreckennetzes mit dyna­mischen Geschwindigkeitsanzeigen zu decken. Derzeit ist dies auf 400 Kilometern möglich.

Ganz anders will SVP-Nationalrat Erich Hess das Stauproblem angehen: Er fordert Höchstgeschwindigkeit 130 auf Autobahnen. Verkehrsexperten und das Astra halten das aber für den völlig falschen Ansatz. Ein höheres Tempolimit würde zu einem noch ungleichmässigeren Verkehrsfluss und damit zu einer Verringerung der Leistungsfähigkeit führen.

(kle)