Migration

06. Juli 2015 16:30; Akt: 07.07.2015 11:54 Print

Asylgesuch abgelehnt – wer trotzdem bleiben darf

von Ph. Flück/ D. Pomper - Politische, humanitäre oder Wirtschaftsflüchtlinge: Wer bekommt in der Schweiz Asyl? Und wer darf trotz abgelehntem Gesuch bleiben?

Bildstrecke im Grossformat »
Von den 88'501 Personen, die sich Ende Dezember 2014 in der Schweiz aufhielten, waren 34'724 Personen anerkannte Flüchtlinge, 28'641 waren vorläufig aufgenommen und bei 624 Personen war der Vollzug ausgesetzt. Quelle: Asylstatistik 2014, SEM Die meisten anerkannten Flüchtlinge stammen aus Eritrea (12889), der Türkei (3123) und Sri Lanka (2365). Quelle: Asylstatistik 2014, SEM Die meisten Personen im Asylprozess stammen aus Eritrea, gefolgt von Syrien und Afghanistan. Quelle: Asylstatistik 2014, SEM Die meisten Asylsuchenden sind männlich und zwischen 20 und 24. Quelle: Asylstatistik 2014, SEM Auch die meisten vorläufig Aufgenommenen sind mehrheitlich männlich und zwischen 25 und 29. Quelle: Asylstatistik 2014, SEM Die meisten vorläufig Aufgenommenen stammen aus Syrien, Eritrea, Somalia und Afghanistan. Quelle: Asylstatistik 2014, SEM 5697 Personen erhielten 2014 Vollzugsunterstützung. Unterstützt werden die kantonalen Migrationsbehörden beim Vollzug von Weg- und Ausweisungen ausländischer Personen vom Staatssekretariat für Migration SEM. Quelle: Asylstatistik 2014, SEM 2014 gingen 23'765 Asylgesuche ein. Ein Rekord ist das nicht: 2002 gingen fast 27'000 Gesuche ein, 2012 über 28'000. Quelle: Asylstatistik 2014, SEM In der Schweiz suchen mit rund drei Asylsuchenden auf 1000 Einwohner überdurchschnittlich viele Personen um Asyl nach. Eine höhere Quote weisen in Europa nur Schweden mit 8,4, Ungarn mit 4,4 und Österreich mit 3,4 Asylsuchenden auf 1000 Einwohner auf. Der europäische Durchschnitt liegt bei 1,21 Asylsuchenden pro 1000 Einwohner. Quelle: Asylstatistik 2014, SEM In absoluten Zahlen gehen in Deutschland, Schweden und Italien am meisten Asylgesuche ein. Quelle: Asylstatistik 2014, SEM 2014 gab es knapp 20'000 Abgänge und Vollzugsmeldungen aus Asylprozess und Vollzugsunterstützung. Quelle: Asylstatistik 2014, SEM

Zum Thema
Fehler gesehen?

Hunderttausende Menschen verlassen ihre Heimatländer und flüchten über das Mittelmeer nach Europa. Doch längst nicht alle haben hierzulande Anrecht auf Asyl. Eine Übersicht.

1. Der asylberechtigte Flüchtling

Recht auf Asyl haben Personen, die in ihrem Heimatstaat wegen ihrer Rasse, Religion, Nationalität, Zugehörigkeit zu einer bestimmten sozialen Gruppe oder wegen ihrer politischen Anschauung ernsthaften Nachteilen ausgesetzt sind oder begründete Furcht haben, solchen Nachteilen ausgesetzt zu werden. So sieht es das Schweizer Asylgesetz vor. Anerkannte Flüchtlinge bekommen den Ausweis B.

In der Schweiz wurden 2014 26‘715 Asylgesuche erstinstanzlich behandelt. Davon wurden 23,2 Prozent (6199) gutgeheissen. Von den 88‘501 Personen, die Ende 2014 im Asylbereich waren, galten 34‘724 als anerkannte Flüchtlinge (39 Prozent).

Die meisten anerkannten Flüchtlinge stammen aus Eritrea (12‘889), der Türkei (3123) und Sri Lanka (2365). Die höchste Anerkennungsquote haben Gesuchsteller aus Eritrea (52,5%), Syrien (30.1%) und dem Irak (27,2%).

Anerkannte Flüchtlinge nach Nationen (2014)

Bei den eritreischen Migranten handelt es sich vorwiegend um 15- bis 30-Jährige, die vom Nationaldienst desertiert sind oder den Dienst verweigert haben und danach das Land illegal verlassen haben. Im Fall einer Rückkehr nach Eritrea drohen ihnen laut dem Bundesamt für Migration drakonische, willkürliche Strafen. «Ein grosser Teil der eritreischen Asylsuchenden kommt aus grosser Not in die Schweiz und ist auf unseren Schutz angewiesen», schreibt das Staatssekretariat für Migration SEM. Die Schutzquote eritreischer Migranten lag 2014 bei 85 Prozent, die Anerkennungsquote bei 45,4 Prozent. Bei den aus der Türkei stammenden Personen handelt es sich laut der Schweizerischen Flüchtlingshilfe besonders um Kurden, die in ihrem Herkunftsland verfolgt wurden. Bei den Leuten aus Sri Lanka seien es vor allem Angehörige der tamilischen Minderheit, die in die Schweiz kämen. Diese würden in ihrem Herkunftsland systematisch unterdrückt.

2. Der nicht-asylberechtigte Flüchtling
a) Der Wirtschaftsflüchtling

Von den 26‘715 erstinstanzlich behandelten Asylgesuchen in der Schweiz wurden 12‘139 (45 Prozent) abgelehnt.

Die tiefsten Anerkennungsquoten haben Personen aus Nigeria (0%), Tunesien (0,6%), Marokko (0,7%) und Algerien (1,1%). Bei diesen Menschen handelt es sich meist um Wirtschaftsflüchtlinge, die als Folge des Arabischen Frühlings in die Schweiz kommen. «Das sind in vielen Fällen Personen, die offenkundig eine Arbeit suchen», sagt Stefan Frey von der Flüchtlingshilfe. Zusätzlich bestehe mit Algerien ein Rückübernahmeabkommen und das Land werde als weitgehend sicher eingestuft. Diese Menschen müssen die Schweiz innerhalb einer bestimmten Frist verlassen. Tut ein Ausgewiesener dies selbstständig, so kann er von einer Rückkehrberatung profitieren. Kommt der Ausgewiesene den Aufforderungen hingegen nicht nach, so wird eine Vollzugsunterstützung eingeleitet. Das ist ein Angebot des Bundes, bei dem es darum geht, die nötigen Papiere für die Ausreise des Ausgewiesenen zu organisieren. 2014 wurden knapp 20'000 Abgänge und Vollzugsmeldungen verzeichnet.

In absoluten Zahlen am häufigsten abgelehnt wurden im Jahr 2014 Asylgesuche von Personen aus Syrien (1961), Afghanistan (1691) und Eritrea (1503).

Personen, deren Asylgesuche 2014 abgelehnt wurden


b)Die humanitären Flüchtlinge (vorläufig aufgenommene Flüchtlinge)

Wenn ein Asylgesuch abgelehnt wird oder auf dessen Gesuch nicht eingetreten wird, bedeutet das nichts zwangsläufig, dass die Person die Schweiz verlassen muss. Er kann nämlich vorläufig aufgenommen werden. Von den im Jahr 2014 behandelten Asylgesuchen wurden 7828 Personen (32,9%) vorläufig aufgenommen. Nur 4311 Asylgesuche (18,1 Prozent) wurden ohne vorläufige Aufnahme abgelehnt.

Zu den am häufigsten vorläufig aufgenommenen Migranten gehören Syrer (1902), Afghanen (1561) und Eritreer (1354). Insgesamt lebten Ende 2014 in der Schweiz 28'061 Personen, die vorläufig aufgenommen wurden. Die Syrer stellten die grösste Bevölkerungsgruppe dar (3704 Personen) vor den Eritreern (3495 Personen) und den Somaliern (3311 Personen).

Ein vorläufig Aufgenommener besitzt den Ausweis F. Ausserdem hat er nach fünf Jahren das Recht, den Ausweis B zu beantragen.

Personen, die 2014 vorläufig aufgenommen wurden

Doch warum darf eine Person in der Schweiz bleiben, obwohl ihr Gesuch abgelehnt wurde? Eine vorläufige Aufnahme tritt in Kraft, wenn «der Vollzug der Wegweisung nicht zulässig ist (Verstoss gegen Völkerrecht), nicht zumutbar (konkrete individuelle Gefährdung) oder nicht möglich (vollzugstechnische Gründe)».

Das betrifft vor allem viele Syrer. Dieses sind vom Bürgerkrieg betroffen, erfüllen aber den Asylbegriff nicht. «Die Leute werden nicht persönlich verfolgt, sondern sind von den Kämpfen im Land gefährdet», sagt Stefan Frey. Da sie aber von einer humanitären Krise betroffen sind, wird vielen von ihnen die vorläufige Aufnahme gewährt. Das Staatssekretariat für Migration kann die vorläufige Aufnahme aber jederzeit wieder aufheben, «sobald die Rückkehr in das Herkunftsland für einen vorläufig aufgenommenen zumutbar und möglich ist».

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dosa am 06.07.2015 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Vorläufig aufgenommen

    Vorläufig aufgenommen heisst so viel, wie in 20 Jahren sind sie noch immer hier. Wie definiert sich vorläufig? Wenn sie aus einem Land, kommen wo wir Entwicklungshilfsgelder bezahlen, und die wollen ihre Bürger nicht zurücknehmen, dann sollen die Gelder gestrichen werden.

  • Moni am 06.07.2015 16:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unser grandioser Schulreisli-BR

    Leider ist das Volk anderer Meinung als der BR. Nur lässt sich dieser nicht aus der Ruhe bringen und macht was ER will. Das Volk hat die Nase siwas von gestrichen voll von dieser Asylpolitik des BR! Umsetzen was das Volk mõchte? Fehlanzeige. Lieber auf Schulreisli gehen und es sich gut gehen lassen...aber Obacht. Der Herbst kommt bald! Das Fass ist übervoll!!!

    einklappen einklappen
  • Sigi am 06.07.2015 18:27 Report Diesen Beitrag melden

    Was ist mit Kosovo?

    Ich dachte dort ist der Krieg vorbei. Ausserdem geht es ihnen seit der Unabhängigkeit wunderbar. Müssen also keine mehr aufnehmen.

Die neusten Leser-Kommentare

  • b. t. am 07.07.2015 16:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    verständlich

    kenne schweizerin mit kind. sie bekommt 15.000 fr im jahr und muss damit leben nur weil verwandte zahlen , gehts noch. dass man da kein verständnis für einwanderer hat, ist verständlich

  • Eidgenosse1 am 07.07.2015 15:18 Report Diesen Beitrag melden

    Keine Ausnahmen

    Wer abgeleht wird hat das Land zu verlassen, ohne wenn und aber!

  • W.t. am 07.07.2015 15:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Hilfe vor Ort wäre angebrachter

    Es wäre viel besser im betroffenen Land zu helfen und diese Länder brauchen die Mithilfe dieser jungen Männer.

  • Franz Ueli am 07.07.2015 14:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Abgelehnt ist abgelehnt

    Ich denke "abgelehnt" ist abgelehnt. Wieso soll es dabei noch Unterschiede geben? Ein Nein ist ein Nein. Daran gibt es nichts zu rütteln!

  • Anonymous am 07.07.2015 13:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum

    Den Menschen hilft es nicht, wenn sie abhauen. In einem anderen Land werden sie eh nicht glücklich. Das Problem muss im Land selber geregelt werden. Hätten wir wenigstens wieder Platz und viele Probleme weniger!!! Ahja, Afrika ist gross genug und hat noch Platz. Wir nicht!!!