Malojapass

08. Februar 2017 22:04; Akt: 09.02.2017 09:37 Print

Autolenker lässt Beifahrer auf Motorhaube mitfahren

Weil ein italienischer Autofahrer nicht die Passstrasse hochkam, liess er seine Beifahrer kurzerhand auf die Motorhaube sitzen. Eine lebensgefährliche Aktion.

BITTE NICHT NACHMACHEN: Diese Aktion vom Sonntag auf dem Malojapass ist lebensgefährlich.
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Auf Passstrassen ist derzeit Vorsicht geboten: Wegen des Schnees kann es jetzt schnell zu brenzligen Situationen kommen. Schneeketten sind auf manchen Strassen deshalb Pflicht. Trotzdem sind nicht alle Fahrzeuge für solch winterliche Verhältnisse geeignet. Das zeigt ein Leser-Video vom Malojapass, wo derzeit ebenfalls Schneeketten vorgeschrieben sind. Die Aufnahme wurde laut dem Leser am Sonntag gemacht. Es zeigt ein Auto aus Italien, auf dessen Motorhaube zwei Personen sitzen.

Vermutlich wollte der Fahrer so das Gewicht auf die vorderen Räder verlagern, um die Bergstrasse bewältigen zu können. Doch eine solche Aktion kann lebensgefährlich sein.

Verstoss gegen Schneekettenpflicht kostet 100 Franken

Das sagt auch Anita Senti, Sprecherin der Kantonspolizei Graubünden. Ein solcher Fall sei ihr bisher nicht untergekommen. «Da haben wir einen ganzen Haufen an Gesetzesverstössen», so Senti. So ist im Strassenverkehrsgesetz vorgeschrieben, dass sich jeder so verhalten muss, dass er andere weder gefährdet noch behindert. «Das trifft hier klar nicht zu», so Senti. Auch dürften Personen nur auf den dafür eingerichteten Plätzen transportiert werden. Die Motorhaube zählt kaum dazu.

Laut Senti muss ein Autofahrer zudem ausserhalb eines Halbkreises von 12 Metern Radius die Fahrbahn frei überblicken können. Mit den beiden Mitfahrern auf der Haube ist es fraglich, ob der Lenker überhaupt noch etwas sieht. Schliesslich galt ab Sonntag auf dem Malojapass Schneekettenpflicht. War diese schon in Kraft und signalisiert, als sich der italienische Fahrer die Strasse hochkämpfte, hat er auch hier gegen das Gesetz verstossen. Diese Zuwiderhandlung würde 100 Franken Busse kosten.

«Wir raten strikt davon ab»

Auch Nicolas Kessler von der Beratungsstelle für Unfallverhütung bestätigt, dass es sich hier um eine lebensgefährliche Aktion handelt: «Zu den grössten Risiken zählt hier etwa die Sturzgefahr. Die Personen auf der Motorhaube könnten herunterfallen und unter Umständen auch von anderen Autos überfahren werden.» Und auch Kessler fällt sofort auf: «Die Sicht des Fahrers ist stark eingeschränkt.»

Ausserdem würde das zusätzliche Gewicht auf der Motorhaube bei einer grösseren Steigung nicht mehr ausreichen und das Auto könnte in der Folge ins Schleudern geraten. Würde ein entgegenkommendes Auto mit dem des italienischen Fahrers kollidieren, könnten die Beifahrer auf der Motorhaube ebenfalls schwer verletzt werden. Für Kessler ist die Situation eindeutig: «Wir raten strikt von dieser Aktion ab.»

Fahrer könnte im Nachhinein belangt werden

Laut Kapo-Sprecherin Senti könnten die Beteiligten auch im Nachhinein belangt werden. Wer mit welchen Konsequenzen rechnen müsste, würden die Ermittlungen ergeben. Da der Fahrer aber vermutlich aus Italien stammt, müsste ein Rechtshilfegesuch gestellt werden. Der Fall würde dann an die Staatsanwaltschaft übergeben.

(vro)