Gesundheitskosten

06. Februar 2018 12:07; Akt: 06.02.2018 12:07 Print

Wer ein günstiges Spital wählt, soll Geld erhalten

Ein Drittel der Gesundheitskosten fällt bei den Spitälern an. Die Denkfabrik Avenir Suisse will deshalb Patienten belohnen, die günstige Angebote nutzen.

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Die Kosten für das Schweizer Gesundheitssystem steigen rasant. Allein seit 2010 haben sie um 15 Prozent zugenommen. Stark ins Gewicht fallen dabei die Leistungen der Spitäler. Sie sind für 35 Prozent der gesamten Kosten verantwortlich. Deshalb fordert die liberale Denkfabrik Avenir Suisse in einer neuen Studie, dort anzusetzen.

Sie schlägt vor, den Wettbewerb unter den Spitälern spielen zu lassen. Zwar dürfen Versicherte schon seit 2012 frei wählen, in welchem Spital sie sich behandeln lassen wollen. Findet die Behandlung ausserkantonal statt, beteiligt sich der Wohnkanton an einem festgesetzten Referenztarif. Avenir Suisse ortet jedoch in den sogenannten Spitallisten weiterhin Möglichkeiten, dass die Kantone zu hohe Leistungen verrechnen und ihre Spitäler vor der Konkurrenz schützen.

Patienten sollen von günstiger Wahl profitieren

Um dies zu ändern und die Kosten zu senken, will Avenir Suisse die Patienten entscheiden lassen. Krankenkassen könnten ein Versicherungsmodell entwickeln, in dem sie Patienten vor einer Spitalbehandlung über die Qualitäts- und Kostenunterschiede bei der Spitalwahl informieren. Wählen sie ein günstigeres, aber qualitativ gleichwertiges Angebot, etwa beim Spital im Nachbarkanton, schreibt ihnen die Krankenkasse die Hälfte des gesparten Geldes auf der Rechnung gut. Oder senkt die monatliche Prämie. Die andere Hälfte behält die Krankenkasse.

In der Studie wird die Massnahme anhand eines konkreten Falls durchgerechnet: Eine Strahlentherapie kostet im Basistarif am Unispital Zürich 11 110 Franken. Am Salem Spital in Bern hingegen belaufen sich die Kosten auf 9576 Franken. Diese Basistarife werden laut einem festgelegten Faktor hochgerechnet. In diesem Fall beträgt er 4,77. Lässt sich also ein Patient in Bern behandeln, können 7314 Franken gespart werden.

«Teure Spitäler werden gezwungen, effizienter zu arbeiten und das Preis-Leistungs-Verhältnis demjenigen der Konkurrenz anzupassen», heisst es in der Studie. Damit die Patienten überhaupt wissen, welche qualitativ vergleichbaren Spitalleistungen es gibt, brauche es jedoch Transparenz.

«Die Mobilität der Patienten fördern»

Dies will Avenir Suisse mit einer Schweizer Agentur für Spitalqualität erreichen. Diese soll die heutigen Spitallisten ersetzen, in denen die Kantone festlegen, welche Spitäler den Kassen ihre Leistungen in Rechnung stellen dürfen. «Die Einführung von einheitlichen, schweizweit gültigen Qualitätskriterien soll dem weitverbreiteten Kantönligeist entgegentreten und die Mobilität der Patienten fördern», heisst es in der Studie.

SP-Nationalrätin Barbara Gysi glaubt hingegen nicht, dass mehr Wettbewerb die Spitalkosten senken würde. Denn es bestehe die Gefahr, dass durch die «Jagd auf die lukrativsten Eingriffe» wie Herz-, Knie- und Hüftoperationen die Ärzte Anreize erhielten, um Eingriffe durchzuführen, die gar nicht nötig seien.

Führt mehr Wettbewerb zu unnötigen Eingriffen?

«Konkurrenz reduziert die Kosten also nicht, sondern treibt sie gar noch in die Höhe», sagt Gysi. Profitieren würden letztlich die Ärzte mit höheren Boni sowie private Investoren mit gesteigerten Renditen. Zudem würde ein solches Modell zu Lasten von chronisch Kranken gehen. «In der Regel sollten die Behandlungen in der Nähe des sozialen Umfelds stattfinden, damit auch Besuche gemacht werden können.»

Dass die Patienten vor einem Eingriff über die Unterschiede bei Kosten und Qualität informiert werden, findet Gysi aber sinnvoll, sofern diese durch Patientenstellen erfolgt. «Die Information soll zum Nutzen der Patienten sein. Es ist gut, wenn diese besser Bescheid wissen.» Zudem müsse das Ziel sein, dass alle Patienten auch Zugang zu Zweitmeinungen erhielten, um zu entscheiden, ob ein Eingriff in ihrem Fall überhaupt nötig sei.

(pam)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Mirwurscht am 06.02.2018 12:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ironie

    ironie an: Können ja blutend am Strassenrand noch schnell Kostenvoranschläge einholen.Vielleicht schaffen wir es noch zum Notfall

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  • sepp am 06.02.2018 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billig

    günstige Angebote, dafür nachher ein leben lang Probleme! Und die IV zählt dann auch nicht. tolle Zustände kommen da auf uns zu!

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  • Julius am 06.02.2018 12:11 Report Diesen Beitrag melden

    Äh, günstiges Spital wählen?

    Die sind doch alle in etwa gleich teuer, oder hab ich was verpasst?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Soso am 07.02.2018 15:31 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naja

    Gewisses ist sicher übetrieben teuer. aber bei der gesundheit zu sparen finde ich gefährlich. stimmt denn da auch die qualität? und wen etwas nicht gut geht sind doch die folgekosten höher.

  • t.t. am 07.02.2018 14:43 Report Diesen Beitrag melden

    Reinste Abzocke

    Bei den Prämien die wir blechen in der Schweiz, wäre ein Fünf-Strene Luxusspital mit Wellnessanlage grundsätzlich immer angemessen :)

  • Banton am 07.02.2018 12:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Profitgier

    Am meisten Geld würden wir Einsparen wenn die Spitäler nicht dermassen Profitorientiert geführt würden. Spital als nonprofit Organisation deklarieren und entsprechend führen. Vorallem die öffentlichen Spitäler. Wer dann in eine Privatklinik will soll den Aufpreis bezahlen. Das wäre aus meiner Sicht ein vernünftiger Weg.

    • roger am 07.02.2018 14:14 Report Diesen Beitrag melden

      Spital profitorientiert?

      Witz komm raus...wie viele Millionen steckt der Kanton jedes Jahr in die Spitäler? Aha...

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  • Roger am 07.02.2018 11:44 Report Diesen Beitrag melden

    Denkfabrik

    Aha und wer verdient da wieder am meisten dran ? Die Denkfabrik

    • andi am 07.02.2018 12:30 Report Diesen Beitrag melden

      @alle

      hört doch entlich auf, denkfabriken, ärzten, politikern usw.. die Schuld zu geben! wir sind selbst schuld. bei jeder Wahl und Abstimmung zeigen wir ihnen, dass sie so weitermachen dürfen. wir wollen keine einheitskasse und die FDP hat wieder steigende Wählerzahlen. auch wenn Ihr gerne gegen links motzt... was hier passiert ist nun mal rechtes und liberales Gedankengut. wenn diese Parteien sparen wollen ist eins klar: die Einsparungen gehen an Kadergehälter und Aktionäre. die kommen sicher nicht Euch zu gute

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  • alice am 07.02.2018 11:19 Report Diesen Beitrag melden

    nicht schlechter

    das ist ein gutes Thema !bin Residente auf einer Insel zum Teil des Jahres Wohnened und unsere Erwachsenen Kinder schimpfen wegen dem Spital !da gehst du nicht Hin!aber alle Menschen wären in andern Länder Ausgestorben wenn man Angst hat vor Ausländische àrzten !die sind manchmal besser als schweizer auf alle fälle Einfühlsamer !30 Jahre Erfahrung!