Pendlerströme steuern

14. Januar 2018 12:10; Akt: 14.01.2018 12:12 Print

Bahn-Betreiber wollen kein Mobility-Pricing

Der Bundesrat will mit unterschiedlichen Preisen für Bahnbillette je nach Reisezeit Pendlerströme steuern. Nun wehren sich Bahnunternehmen dagegen.

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Weil die Züge zur Rush-Hour immer überfüllt und zu Randzeiten halb leer sind, will der Bundesrat im ÖV das Mobility-Pricing einführen. Dieses hätte zur Folge, dass Bahnpassagiere für die gleiche Strecke unterschiedlich hohe Preise zahlen würden, je nach dem, zu welcher Zeit sie reisen.

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Auch die SBB stützte dieses Vorhaben bisher und sprach von «differenzierten» Preiserhöhungen, mit denen es gelingen soll, die Nachfragespitzen zu brechen. Auch von einer Neugestaltung des Generalabonnements sprach Verwaltungsratspräsidentin Monika Ribar.

Branche und Bevölkerung dagegen

Mittlerweile hätten sich Bahnunternehmen aber klar gegen solche Pläne ausgesprochen, wie die «SonntagsZeitung» schreibt. Ueli Stückelberger, Direktor des Verbandes öffentlicher Verkehr, sagt der Zeitung: «Mobility-Pricing im umfassenden Sinn – also mit abgestuften Preisen je nach Tageszeit – ist gestorben.»

Individuelle Preise seien kein Thema, weil man überzeugt sei, dass Kunden normale auf allen Verkehrsmitteln gültige Billette wollen. Die Tamedia-Umfrage vom Dezember 2017 zeigte denn auch, dass 82 Prozent der Bevölkerung gegen oder eher gegen eine Verteuerung von Strassen- und Zugsverkehr zu Stosszeiten ist.

Abgestufte Preise versus offenes System

Grund für die Meinungsänderung der Bahnbranche ist laut «SonntagsZeitung» ein Gutachten vom März 2016. Dieses hat die SBB, die Konferenz der kantonalen Direktoren des öffentlichen Verkehrs und der Verband öffentlicher Verkehr beim Zürcher Verhaltensökonomen Gerhard Fehr in Auftrag gegeben.

Laut dieser Studie können rund 40 Prozent der Passagiere zu keiner anderen Zeit pendeln und 70 Prozent betrachteten eine Preiserhöhung zur Stosszeit deshalb als unfair. Die Gefahr des Umstiegs auf das Auto wäre somit laut Fehr real.

Soziale Ungerechtigkeit

Für den Zürcher Verkehrsverbund ist das Mobility-Pricing deshalb keine Option. «Dies würde soziale Ungerechtigkeiten nach sich ziehen», sagt ein Sprecher. Sogar im Parlament sei die Stimmung ablehnend, lässt sich Martin Candinas, CVP-Nationalrat und Mitglied der Verkehrskommission zitieren.

Andere Verkehrsbetriebe, darunter die SBB selbst, zeigen sich dann offen für Mobility-Pricing, wenn Pendler nicht bestraft und das offene System nicht gefährdet werde. Laut dem Verband öffentlicher Verkehr zeichne sich dieses offene System aber genau dadurch aus, dass es keine abgestuften Preise nach Fahrzeit gebe. Vielmehr solle es vermehrt Sparbillete und Rabatte für Randzeit-Pendler geben, so Ueli Stückelberger.

(duf)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Kurt am 14.01.2018 12:23 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Krass

    Das heisst für mich, dass der Arbeiter der am Morgen pünktlich zur Arbeit fährt und fleissig Steuer bezahlt,einmal mehr bestraft wird? Und Mitbürger die auf Kosten des Steuerzahlers leben belohnt werden weil sie am Morgen ausschlafen und später erst die ÖV benützen? Krass !

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  • Ein Leser am 14.01.2018 12:17 Report Diesen Beitrag melden

    finde ich nicht gut

    Nicht jeder kann sich die Arbeitszeit aussuchen. Darum finde ich eine Steuerung der Pendlerströme sinnlos. Besser währe wenn wir schweizweit die gleichen Steuern bezahlen. Denn nur so würde auch das Pendeln aufhören.

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  • nepo am 14.01.2018 12:22 Report Diesen Beitrag melden

    Blödsinn BR

    der bücklings Bundesrat will also wieder mal etwas verteuern. Statt Steuergelder und das ist wahr, einfach ins Ausland und sogenannte Entwicklungshilfe (wer, wo, was, wann, wieviel, wird denn entwickelt) müssen Steuergelder jetzt mal innerhalb der Schweiz verwendet werden. Strassen- und Schienenunterhalt, Strassenlücken schliessen und Neubau von öffentlichem Verkehr. Wie ich mich erinnern mag, wird der Bahnbau in Luzern mangels Geld nicht umgesetzt. Also klarer Auftrag an Parlament und BR. Geld in der CH investieren, dann können Pendlerspitzen abgedeckt werden.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter M am 15.01.2018 09:17 Report Diesen Beitrag melden

    Eigentlich ganz einfach

    Wenn unser BR Mobility-Pricing einführt, so muss sich jeder ernsthaft überlegen ob sich das Arbeiten noch lohnt. Ich werde mich zu diesem Zeitpunkt dann definitiv in die soziale Hängematte legen. Da ich dann mehr Geld übrig hab, als wenn man arbeiten geht. So einfach lieber BR.

  • Martin am 15.01.2018 08:24 Report Diesen Beitrag melden

    Noch mehr an der Geldschraube drehen

    Auch ich fange 6 Uhr an zuarbeiten. Könne auch 9 Uhr anfangen. Hab aber kein Bock 18 Uhr an hause zufahren. Andere Leute MÜSSEN aber 6 Uhr auf der Matte stehen und diese sollen dann erhöhe "Stosszeiten-Preise" bezahlen. JA klar, Presst die Zitronen noch mehr aus. Das Volk hat immer noch das Letzte Wort. Etwas können wir auch noch entscheiden.

  • Thomas am 15.01.2018 07:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Warum teurer?

    Macht doch einfach den Vorschlag, ausgehend vom aktuellen, die Stossteiten gleich zu lassen und die Randteiten billiger zu machen, würde wohl eher funktionieren als noch teurer zu machen

  • opa am 15.01.2018 02:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    wohlstandsfett

    mobilität ist halt günstig, auch wenn es viele anders sehen. deshalb wird auch viel herum gekurvt, ob mit öv oder auto. selbst an wochenenden verstopfte strassen und öv. kurz dahin was shoppen, schnell dort was essen gehen. etwas zum spass rumfahren. diese hohe mobilität ist auch ein zeichen wie gut es uns geht. und jeder denkt der andere soll weniger....

    • Sara am 15.01.2018 05:09 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @opa

      Alles wurde zentralisiert und man hat lange Arbeitswege. Die Wohnung am Arbeitsort ist zu teuer. Sollen alle nach ZH ziehen? Man merkt, dass du ein Opa bist. Hast keine Ahnung, wie dasheute abläuft

    • Wolki am 15.01.2018 05:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Sara

      Info: es gibt auch Arbeit und ein Leben ausserhalb Zürich. Und erst noch angenehmer.

    • Peter M am 15.01.2018 07:40 Report Diesen Beitrag melden

      @opa

      Nein es liegt vorallem daran, dass viele Firmen in den Ballungsraum ZH gezogen sind. Mit Dumpingsteurn angelockt hocken nun alle Firmen in SZ, ZG und ZH. Man sollte einfach den Steuersatz für Firmen harmonisieren und Problem wäre gelöst.

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  • Swen Goldpreis am 15.01.2018 00:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Problem Taktfahrplan

    Vielleicht sollte man sich das mit dem Taktfahrplan nochmals überlegen. Wieso muss in Randzeiten alle 30 Minuten ein leerer Zug fahren. Besser dann nur einen pro Stunde und in der Stosszeit alle 20 Minuten.