Jobinserat-Analyse

29. November 2017 05:44; Akt: 29.11.2017 10:22 Print

Begehrteste Jobs sind Lehrer, Beamter, Chef

von Nikolai Thelitz - Inserate für Jobs beim Staat werden auf Stellenportalen am meisten geklickt – im Gegensatz zu Stellen, bei denen körperliche Arbeit gefragt ist.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Ein sicherer Job im öffentlichen Sektor ist für viele Stellensuchende momentan eine beliebte Option, wie eine neue Studie der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften (ZHAW) und des Stellenportal-Anbieters JobCloud zeigt. Die Forscher haben Daten von Jobs.ch ausgewertet und analysiert, welche Branchen wie viele Stellen ausschreiben und wo die Klicks verzeichnet werden. Im Zeitraum von rund drei Monaten wurden 110'000 Inserate und 40 Millionen Klicks in der Deutschschweiz berücksichtigt.

Umfrage
Ein Job beim Staat – streben Sie das an?

Dabei zeigt sich: Gemessen am Angebot verzeichnen Stellen in der öffentlichen Verwaltung oder im Bildungswesen besonders viele Klicks. Bei den Lehrer-Jobs liegt der Anteil der Klicks 90 Prozent höher als der Anteil der ausgeschriebenen Stellen. Bei den Chef-Jobs ist der Anteil branchenübergreifend 30 Prozent höher. Weniger spannend finden die Stellensuchenden Jobs in der Baubranche, der Pflege oder der Forst- und Landwirtschaft. Bei der Baubranche, in der mehr als 10 Prozent der Stelleninserate publiziert werden, liegt die Nachfrage ein Drittel tiefer als das Angebot.

Für Studienautorin Nicoline Scheidegger von der ZHAW lässt sich dieses Phänomen mit den Anstellungsbedingungen erklären. «Stellen in der Verwaltung oder im Bildungsbereich sind oft beliebte Jobs, weil sie gute Anstellungsbedingungen und einen sicheren Arbeitsplatz bieten.» Als Lehrperson könne man zudem auch gut Teilzeit arbeiten oder nach einer Auszeit wieder einsteigen.

Der Lehrerverband kann das grosse Interesse am Lehrerjob nicht so recht nachvollziehen. «Es stimmt, dass der Lehrerberuf und das Arbeiten mit Kindern eine erfüllende und schöne Tätigkeit ist. Doch es gibt auch weniger schöne Seiten», sagt Zentralsekretätin Franziska Peterhans. So seien die Lehrer gemessen an ihrer Qualifikation und den hohen Anforderungen im Beruf häufig zu schlecht bezahlt. Zudem würden Lehrer pro Jahr im Schnitt rund drei Wochen an unbezahlten Überstunden leisten, wie eine neue Befragung unter Schweizer Lehrern zeige.

«Unzufriedenheit verleitet zur Jobsuche»

Für die Studienautoren ist es durchaus möglich, dass die hohen Zugriffszahlen auch von frustrierten Lehrern stammen. «Unzufriedenheit verleitet direkt zur Jobsuche», sagt Scheidegger. Die Auswertung habe auch gezeigt, dass die Angestellten vor allem während der Arbeitszeit auf Jobsuche seien. «Es scheint, dass die Jobsuche vor allem dann relevant und dringlich ist, wenn jemand direkt bei der Arbeit und dort gerade unzufrieden ist».

Bei den Bauberufen sei die tiefe Nachfrage damit zu erklären, dass diese Stellen nicht im Trend liegen würden. Die Akademisierung sei sehr tief, es gebe sehr viele ungelernte Arbeiter. Es fehle jedoch an spezifischen Fachleuten wie Polieren. «Es herrscht ein Fachkräftemangel.»

«Das Arbeiten im Freien ist oft abschreckend»

Beim Baumeisterverband bedauert man, dass sich nicht mehr Bewerber für eine Stelle auf dem Bau interessieren. «Oft denken die Leute, Karriere könne man nur mit Anzug und Krawatte im Büro machen, doch auf dem Bau ist ein Aufstieg sehr gut möglich», sagt Sprecher Matthias Engel.

Auch das Arbeiten im Freien sei oft abschreckend. «Die Arbeit unter freiem Himmel ist aber für viele die bessere Alternative zum stickigen Büro oder zum dunklen Lagerraum. Und es entfällt ein langer Pendlerweg, weil es in der Region Arbeit gibt.»

Bei Chefposten ist der Apple-Anteil höher

Die Analyse zeigt ausserdem, dass vermehrt über das Smartphone nach einer neuen Stelle gesucht wird, der Anteil an Zugriffen per Handy ist doppelt so hoch wie letztes Jahr. Auch bei den Geräten gibt es Unterschiede. Kaderstellen werden eher per iPhone gesucht, einfache Mitarbeiterstellen eher per Samsung-Handy.

So liegt bei Kaderstellen der Apple-Anteil bei 71,2 Prozent und der Samsung-Anteil bei 20,8 Prozent. Bei Mitarbeiterstellen sind es 64,5 Prozent Apple- und 26 Prozent Samsung-Geräte. Scheidegger: «Früher war das Blackberry die Marke für Manager, dies gehörte zur Kultur in den Führungsetagen. Heute hingegen ist es oft eine Kostenfrage.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Fred am 29.11.2017 06:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der wirkliche Grund ist banal

    Dass Stelleninserate aus dem Baugewerbe weniger Klicks generieren, hat wohl vor allem damit zu tun, dass Bauarbeiter während der Arbeit nicht am Computer sitzen.

    einklappen einklappen
  • Mike P am 29.11.2017 06:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Natural born chef?

    Chef.... wollen viele sein. Das Zeug/Charisma dazu haben aus meiner Erfahrung gaaanz wenige... lernen/studieren kann man das eben nicht, auch wenn das viele meinen.

    einklappen einklappen
  • KC Ryback am 29.11.2017 06:25 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Realität

    Klar, wer bis 65 oder 67 arbeiten möchte, will oder muss, schafft dies mit Glück in Zukunft nur noch bei der Gemeinde, beim Staat (Kanton) oder beim Bund.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Martial2 am 29.11.2017 16:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Meine Meinung...

    Chef ja, Lehrer, Beamter nein danke...!

    • rbcchch17 am 29.11.2017 18:05 Report Diesen Beitrag melden

      War auch 24 Jahre Lehrer

      ist jedes Jahr schwieriger geworden.

    • Krümelmonster am 29.11.2017 18:42 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Martial2

      Chef sein ist auch nicht immer nur lustig.

    • Martial2 am 29.11.2017 19:04 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Krümelmonster

      Ich war über 25 Jahre Verkaufsleiter, es gab immer wieder an allen Seiten Probleme, mit dem Personal, schwierigen peinlichen Kunden, falsche Ware die angeliefert war, aber im Endeffekt, ein tolles Erlebnis mit vielen guten Kontakten auch auf GL Ebene in die ganze Schweiz und Ausland. Das möchte ich nie vermissen!

    einklappen einklappen
  • Karl am 29.11.2017 15:58 Report Diesen Beitrag melden

    Lehrer? Guter Witz

    Lehrer begehrt? Genau. Was aktuell in die Schule kommt, kann ja keine Landessprache. Wie will man denen denn was beibringen?

    • Martial2 am 29.11.2017 19:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl

      Für dieser schwieriger, undankbarer und nervender Beruf, ist es in der Tat noch unterbezahlt. Ein Lehrer muss in seinem Fach vieles mitbringen, Psycholog sein, mit den Eltern sanft reden können, was nicht immer möglich ist... Das braucht ruhige Nerven und guter Gesundheit... Nicht jedermann Sache, ich möchte es nie!!

    • Chris am 30.11.2017 16:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Karl

      Wir haben akuten Lehrermangel!!! Wer will diesen undankbaren Job noch machen...unerzogene Kinder en masse und von den Eltern sprechen wir gar nicht!

    einklappen einklappen
  • BondageP am 29.11.2017 15:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Chef?

    Was ist "Chef" für einen Beruf...?

    • The dark side of the moon am 29.11.2017 18:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BondageP

      Chef ist der Beruf des Führungsverantwortlichen.

    • Martial2 am 29.11.2017 19:11 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @BondageP

      Eben der Vorgesetzte... Hatten Sie noch nie Chefs über sich?

    einklappen einklappen
  • Pietro am 29.11.2017 13:46 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Merkwürdig ist

    es dass das Arbeitsamt die körperlichen Arbeiten als die einfachsten einstuft.

  • unglaublich am 29.11.2017 13:24 Report Diesen Beitrag melden

    aber wahr

    Ich bin Hauswart (Der Traumjob) und glücklich mit meinem Job. Was sich die Hausfrauen jeden alters so wünschen......ist einfach fabelhaft.