Autokauf im Internet

08. Dezember 2017 07:33; Akt: 08.12.2017 07:33 Print

Betrüger bieten verdächtig billige Luxuswagen an

von F. Dubler - Um die Weihnachtszeit nehmen Betrugsfälle beim An- und Verkauf von Fahrzeugen zu. Bei verdächtig günstigen Preisen sollte man skeptisch sein.

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Es klingt zu schön, um wahr zu sein: Ein erst vierjähriger Mercedes Benz GLE 350 d Executive 4M wird auf Autoscout24.ch für 13'500 Franken angeboten. Neu kostet ein solches Modell fast 100'000 Franken.

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Das Angebot machte Leser R. D.* neugierig, weshalb er sich beim Verkäufer melden wollte. Doch schon da wurde er ein erstes Mal stutzig: «Der Anbieter war auf den ersten Blick ein bestehender Autohändler aus Egerkingen. Doch die E-Mail-Adresse, die erst auf den Fotos im Inserat angezeigt wurde, hörte sich kurios an und war nicht jene des Autohauses.»

Tatsächlich wurde das Konto des Egerkinger Autohändlers missbraucht, wie dessen Inhaber auf Anfrage bestätigt: «Mein Profil auf Autoscout24.ch wurde schon mehrfach gehackt, um solche Angebote zu publizieren.» Er habe deswegen sein Passwort schon mehrfach ändern und die Fake-Deals löschen lassen müssen.

Fake-Website und falscher Pass

Trotz seiner Skepsis fragte D. beim fragwürdigen Inserenten nach. Dieser antwortete in fehlerhaftem Deutsch, dass er und das Auto zurzeit bei einer Schweizer Energiefirma in Norwegen seien. Das Auto werde jedoch bei Überweisung der Hälfte des Kaufpreises sofort durch eine Reederei in die Schweiz geliefert.

Sowohl die Reederei als auch die angebliche Firma sind im Internet zu finden. Beide scheinen jedoch für ihre Website Metadaten gestohlen zu haben. Zur Vertrauensbildung habe der fragwürdige Händler sogar eine Kopie seines Passes geschickt, der jedoch nicht echt zu sein schien, sagt D.

Bekannte Masche

D. ging nicht auf den Handel ein – zum Glück für ihn: Diese Masche ist als sogenannter Fahrzeug-Vorschussbetrug bekannt, wie Martin Boess, Direktor der Schweizerischen Kriminalprävention, sagt: «In diesem Fall wird der Betrüger die Anzahlung von 50 Prozent des Kaufpreises für das Auto in Norwegen einstreichen, aber nie einen Wagen in die Schweiz liefern.»

Gerade kurz vor Weihnachten nähmen Beratungen zu Abzocke und Betrug beim Kauf oder Verkauf von Motorfahrzeugen zu. Aufgrund falscher Namen sowie nicht registrierter E-Mail-Adressen und Telefonnummern seien solche Betrüger schwierig zu ermitteln.

«Deshalb sollte man bei Angeboten mit Vorauszahlung ohne Besichtigung stets vorsichtig sein. Gerade wenn das Fahrzeug oder der Händler angeblich im Ausland sind», sagt Boess. Ungewöhnlich attraktive Preise, unvollständige Verkäuferangaben oder auch Katalogbilder anstelle von echten Fotos könnten Indizien für einen Betrugsversuch sein.

Phishing verhilft Betrügern zu Daten

Den Verkaufsplattformen ist das Vorgehen ebenfalls nicht neu, wie Simon Marquard, Sprecher von Autoricardo.ch, sagt. «Es handelt sich dabei vor allem um Fahrzeuge im oberen Preissegment, die neu oder mit wenigen Tacho-Kilometern zu einem unverhältnismässig tiefen Preis angeboten werden und im Ausland stehen.» Die Betrüger kämen oftmals über Phishing-E-Mails an Daten der Mitglieder und würden darüber inserieren.

Cornelia Magnin von der Scout24 Schweiz AG: «Wir überprüfen Angebote täglich und optimieren die Kontrollprozesse laufend.» Betrugsversuche blieben zwar Ausnahmen, ganz ausschliessen könne man sie dennoch nicht.

*Name der Redaktion bekannt

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Dream am 08.12.2017 07:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Naiv

    Wer bei so günstigen Angeboten per Vorkasse bezahlt, ohne das Auto gesehen zu haben, ist selber schuld

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  • Dany am 08.12.2017 08:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Probefahrt vor Kauf

    Diese Angebote habe ich auch schon gesehen. Würde so oder so ein Auto ohne es vorher live gesehen und Probe gefahren zu haben, nie kaufen.

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  • BSN am 08.12.2017 08:07 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wie gesehen und probegefahren

    Ganz ehrlich: selbst schuld wer so naiv ist und darauf hereinfällt. Welcher halbwegs vernünftige Mensch kauft den ein Auto ohne dies vorher zu sehen....?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ein Leser am 08.12.2017 19:36 Report Diesen Beitrag melden

    Barbezahlung

    Im Autohandel bezahle ich nur bar. Alles andere kommt für mich nicht infrage.

    • Ein Anderer Leser am 08.12.2017 20:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Ein Leser

      Richtig so, habe ich noch nie anders gemacht.

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  • VW Golf am 08.12.2017 17:14 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Dasselbe

    Habe schon mehrmals unter verschiedenen Accounts einen Golf 4 R32 gesehen, immer den gleichen. Die Person hinter der Email hat bei einer 'grünen Energiefirma' in der Schweiz gearbeitet, dass Auto hier gefahren und wieder zurück nach Norwegen genommen. Zulassungsgelder sind ihm dann angeblich zu teuer, deswegen will er es in die Schweiz verkaufen. Die Internetseite von der Energiefirma ist erstellt bei einer 'make your own website in 10 min' Webseite. Die Reederei-Webseite ist professioneller, aber sie beantworten E-Mails ob der Wagen bei ihnen steht positiv, aber konkreter werden sie nie... Keiner, der dir ein Auto verkaufen will, schenkt dir was!

    • Ruth1975 am 08.12.2017 19:36 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @VW Golf

      Ja, das riecht nach Betrug.

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  • DC am 08.12.2017 17:12 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Auch beim Verkauf

    Dasselbe gibts übrigens auch umgekehrt: ich wollte letztens mein Auto verkaufen und habe mindestens 2x Angebote bekommen, die mir sofort geld überweisen (!) wollten und dann eine Firma für die Abholung beauftragen wollten. Auffällig: sie nannten NIE das Auto beim Namen (nur die Ware, das Fahrzeug, etc). Bei Nachfrage um welches Fahrzeug es sich handle, kam keine Antwort mehr. Als Verkäufer klingt das äusserst lukrativ und ist sehr unauffällig gemacht! Also Vorsicht!

  • VvV am 08.12.2017 17:11 Report Diesen Beitrag melden

    Betrug

    Das ist mir auch passiert vor 4 jahren habe mit autos gehandelt die haben bei mir alles gehackt..auf ricardo hatte ich keine autos nur auf autoscout,dann haben sie autos in ricardo rein getan als ich es bemerkt habe wahr es schon zu spät 3leute sind rein gefallen die einte dame wollte mich bei der polizei anzeigen,da ich mit ihr kontakt aufnahm und alles erklärte verstand sie dan das ich nichts mit dem am hut habe..also immer selber mal rein schauen gehen ist die dewiese..;-)

  • Herr Max Bünzlig am 08.12.2017 16:47 Report Diesen Beitrag melden

    ja genau

    wenn ich eine TAG Heuer Connected für 190.-- sehe muss man annehmen das da was Oberfaul sein kann