Flash nach Plan

21. April 2017 05:43; Akt: 21.04.2017 09:12 Print

Bier, MDMA, Speed – und Kiffen zum Runterkommen

von B. Zanni - Im Ausgang mixen junge Menschen gezielt Alkohol und Drogen, um nonstop feiern zu können. Das ist gefährlich.

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Clubgänger wollen einen optimalen Rausch erleben. Laut Koni Wäch, Präsident von Eve&Rave, greifen sie dafür zu einem Mix aus Alkohol, Kokain und Cannabis. (Bild: Sam Edwards/Getty Images)

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Eine zehnstündige Technoparty steht an. Jiddy will die Party in «vollen Zügen geniessen»: Bis 6 Uhr morgens durchfeiern – ohne Müdigkeit und bei guter Laune. «Wir sind jetzt am Grübeln, wann wir was am besten nehmen sollen», schreibt der User im Forum. User Nachtelf fragt: «Wie sieht es aus, wenn ich beim Runterkommen vom Speed noch eine Nase MDMA ziehe, um weiter munter zu bleiben?» Ob dann auch noch Glücksgefühle hochkämen, will er wissen.

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Acer kann wegen einer Ausbildung nicht mehr länger feiern und will an einem Festival noch einmal auf den Putz hauen. Von der Community will er wissen, ob sie sich nach ein paar Bier zu MDMA schon einmal Speed und im Abgang Koks genehmigt habe.

«Vermeintlich optimaler Rausch»

Solche Fragen beschäftigen nicht nur User im Forum der Szeneorganisation Eve&Rave. Auch viele andere Clubgänger wollen den Flash nach Plan. «Um einen vermeintlich optimalen Rausch zu erleben, greifen viele Clubgänger zwischen 16 und 35 Jahren zu einem gezielten Mix aus Alkohol und Drogen», sagt Koni Wäch, Präsident von Eve&Rave.

Sie tränken sich mit Alkohol einen Grundrausch zur Enthemmung an und legten mit Kokain, Speed oder MDMA nach, um fit zu bleiben. «Um wieder runterzukommen, kiffen sie.» Einigen Menschen diene dieser Konsum als Ausgleich zum Alltag, in dem sie viel Leistung erbringen müssten. Wäch beobachtet, dass solche Konsummuster früher nur in bestimmten Szenen gefragt waren. Aus diesen sind auch bestimmte Begriffe hervorgegangen wie Candyflip – ein besonders intensiver Mischkonsum aus LSD und Ecstasy.

Kreislaufkollaps und Sauerstoffmangel

Vereine und Organisationen warnen vor den Flashs. «Mischkonsum ist immer risikoreich», sagt Wäch. Oft behandelten die freiwilligen Helfer von Eve&Rave in Clubs und an Openairs junge Menschen, die einen Kreislaufkollaps erlitten haben. Weitere Folgen seien Erbrechen, Sauerstoffmangel und Flüssigkeitsverlust. Wer solche Substanzen trotzdem konsumiere, solle diese testen lassen. «Einige Drogen sind sehr hoch dosiert oder enthalten verschiedene Substanzen mit unbekannten Nebenwirkungen.»

Auch Sucht Schweiz macht darauf aufmerksam, dass der Drogen-Mix zu unerwünschten Wechselwirkungen führt. «Mischt man zum Beispiel Alkohol und Kokain, unterschätzt man meistens die Wirkung des Alkohols, was unter anderem die Unfallgefahr erhöht», sagt Mediensprecherin Monique Portner. Wer keine gesundheitlichen Risiken eingehen wolle, verzichte auf Drogen.

Kokser flog aus Club

Alexander Bücheli von der Bar & Club Kommission BCK sagt: «Viele Clubgänger wollen am Wochenende wach bleiben, am Montag aber wieder fit zur Arbeit erscheinen.» Auch wenn nur eine Minderheit in der Nacht Drogen konsumiere und der Konsum verboten sei, setze sich die BCK im Rahmen von Personalschulungen und in Zusammenarbeit mit Präventionsangeboten proaktiv mit diesem Thema auseinander.

In Clubs wie dem BM1 in Bern haben solche Gäste nichts verloren. «Seit ich vor einem Jahr einen Kokser auf der Toilette erwischte, kontrolliere ich die Toiletten jeden Abend mehrmals», sagt Inhaber Cengiz Karabulut. Auch beobachte er die Besucher genau. Es komme nicht infrage, dass Gäste, die Drogen genommen haben, andere belästigten. «Jeder, den ich erwische, fliegt gleich aus dem Club.»

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Huiuiui am 21.04.2017 06:07 Report Diesen Beitrag melden

    Das waren Zeiten

    Und was ist daran neu? Das haben wir schon in den 90er so gemacht wenn nicht noch schlimmer.

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  • anna am 21.04.2017 06:29 Report Diesen Beitrag melden

    naja

    Genau so sehen sie dann am Montagmorge auf der Arbeit auch aus, wenn sie denn kommen ;-)

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  • Mr. High am 21.04.2017 06:25 Report Diesen Beitrag melden

    Smarties

    Die Wirkung von vielen bunten Smarties ist auch nicht zu unterschätzen. Plötzlich sieht man viele bunte Farben und hat ein Glücksgefühl. Danach braucht man ein Snickers und durchzuhalten. Wenn man dann zum Abschluss noch ein Mars oder Milkiway nimmt, glaubt man, dass man auf entfernte Planeten fliegen kann.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Susie rave am 21.04.2017 14:42 Report Diesen Beitrag melden

    Gehts noch

    Ich glaube da wurde einiges durch einander gebracht. Man zieht speed um von mdma runter zukommen. Fast niemand zieht sich mdma durch die nase! Das ist einfach nur sick. Bringt bitte kids nicht auf falsche ideen die ihnen nur eine künstliche nase bringt in der zukunft

  • Der seriöse am 21.04.2017 14:29 Report Diesen Beitrag melden

    Gemüse

    Kiffen um runterzukommen? Lieber noch eine portion pilze und den nächsten tag auch gleich geniessen!

  • Informatik Projektleiter am 21.04.2017 13:56 Report Diesen Beitrag melden

    Wie sollen wir denn sonst

    Den Stress in der Arbeitswelt von Heute verkraften? Jeden Tag sollst du mehr leisten als am Tag zuvor, irgendwann muss man mal abschalten, ich kann das nur noch so.

  • K.Derungs am 21.04.2017 13:40 Report Diesen Beitrag melden

    Grau ist alle Theorie

    wer keine erfahrung hat kann auch nicht mitreden.

  • Mr. am 21.04.2017 12:55 Report Diesen Beitrag melden

    90er Jahre

    Ja waren das noch Zeiten. Uns hat aber eine Ecstasypille pro Ausgang gereicht. Die beste Zeit meines Lebens.