Altern in Kroatien

09. April 2012 23:44; Akt: 09.04.2012 23:44 Print

Billig-Pflegeheim lockt kranke SchweizerBillig-Pflegeheim lockt kranke Schweizer

von Zora Schaad - Ein Pflegeheim in Kroatien verspricht Schweizern beste Pflege zu Tiefpreisen. Geplant ist eine «Deutschschweizer Insel». Gesundheitsexperten sind uneins.

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In diesem Pflegeheim bietet das Genfer Unternehmen 120 Pflegeplätze an – mit moderner Infrastruktur ...

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Wer seine letzten Jahre im Pflegeheim verbringen muss, dem zerrinnt das Geld buchstäblich zwischen den Fingern. Je nach Pflegestufe kostet der Aufenthalt hierzulande zwischen 72 000 und 120 000 Franken jährlich. Genau hier sieht eine Genfer Firma eine Marktlücke: «In Kroatien können wir dieselbe Dienstleistung für den halben Preis anbieten», sagt Novacorpus-Direktor Stéphane von Büren. Dies soll nicht zulasten der Qualität gehen: «Wir schaffen eine Deutschschweizer Insel mit hohen medizinischen Standards, deutsch­sprachigem Personal, einer modernen Infrastruktur – und Rösti zum Znacht.»

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Können Sie sich vorstellen, sich im Alter im Ausland pflegen zu lassen?
50 %
32 %
18 %
Insgesamt 937 Teilnehmer

Experten reagieren unterschiedlich. «Ein interessantes Angebot», findet FDP-Ständerat und Medizinprofessor Felix GutzwillerFelix
Gutzwiller

FDP-Liberale, ZH
Ständerat
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Stiftung Vita Parcours, Zürich
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. «Wichtig ist aber, dass internationale Stand­ards eingehalten werden und dass die Pflegebedürftigen entscheidungsfähig sind.» Ein «Fall Indien», bei dem ein invalider und dementer Bauer von seiner Lebenspartnerin abgeschobenen wurde und in Indien unter unbekannten Umständen starb, dürfe sich nicht wiederholen. SVP-Nationalrat Toni BortoluzziToni
Bortoluzzi

SVP, ZH
Nationalrat
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Ostschweizerische Bürgschaftsgenossenschaft (OBTG)
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teilt Gutzwillers Meinung: «Es schadet nicht, wenn die Heime in der Schweiz ein bisschen unter Konkurrenzdruck kommen.»

Hansueli Mösle, Direktor des Heimverbands Curaviva, setzt dagegen viele Fragezeichen hinter das Projekt: «Die Angehörigen sind weit weg, viele vertraute Elemente aus der Heimat fehlen und die Schweizer Krankenkassen ­zahlen keinen Rappen an die Kosten.» Margrit KesslerMargrit
Kessler

glp, SG
Nationalrat
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Externe Qualitätssicherung in der Medizin (EQUAM Stiftung), Bern
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vom Schweizer Patientenschutz spricht gar von «unmenschlicher Abschieberei». Auch Yvonne GilliYvonne
Gilli

GPS, SG
Nationalrat
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IG pro Stadtbus, Wil (SG)
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, Ärztin und Nationalrätin (Grüne), ist entsetzt: «Es ist bekannt, dass sich eine derartige Entwurzelung negativ auf die Gesundheit auswirken kann.»

Ausgewählte Leser-Kommentare

Ich finde das eine sehr gute Idee. Ich war selber Heimleitetrin eines Altersheimes und von wegen Besuchen von Angehörigen und Bekannten. Sehr oft wurden die Bewohner am Geburtstag und Weihnachten von Angehörigen besucht. Der kleinere Teil von Bewohner wurde öfters von Familien besucht, diese können ja in der Schweiz in einem teuren Heim ihren Lebensabend verbringen!!! – Annemarie Kr, ehemalige Altersheimleiter

Es gibt so viele verschiedene Menschen, die ihr Leben auf unterschiedliche Weise leben. Dieses Angebot findet sicherlich anklang bei einigen und für die anderen älteren Menschen passen die Heime oder Wohngemeinschaften bei uns. Viele wollen aber ihre vertrauten Wände nicht verlassen und auch krank und schwach daheim bleiben. Es muss nicht schon wieder Vereinheitlicht werden, es soll bestmöglich für jeden ein Angebot/ Unterstützung geben. – Baf Rhein

Wow! Das ist ja mal eine Idee... Mal abgesehen davon, dass ja die Angehörigen wirklich kaum mehr zu Besuch kommen werden, finde ich den Gedanken recht interressant. Und das Gesundheitswesen sollte sich überlegen das zu unterstützen. Da wird ja ewig gejammert über die Kosten. Hier kommt also ein Schnäppchen Angebot ;-). Die Pflegeempfängee müssten das natürlich selber wollen. Waeum nicht wenns wurscht ist ob man Besuch bekommt. Bis das soweit ist, kommt eh die Skipe-Generation ins Heim. Und ganz ehrlich, alt und pflegeabhängig zu werden ist in der Schweiz ist ein echter Luxus. Und den können sich viele kaum oder nur mit riesen Abstrichen leisten! Man müsste einfach eine auch wieder zurück können wenns nicht passt! – Denise

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  • ErwinS am 10.04.2012 13:22 Report Diesen Beitrag melden

    Thailand

    Martin Woodtli hatte schon vor bald 10 Jahren in Thailand diese Idee und baut die Anlage weiter aus. Auch Lanee's Residenz in Thailand ist Luxus gegen über dem Altersheim in der Schweiz. Beide Varianten kosten nur einen Bruchteil der Kosten in der Schweiz.

  • Peter Bürger am 10.04.2012 11:29 Report Diesen Beitrag melden

    Vorteile, solange freiwillig

    Warum nicht, solange es für die Senioren freiwillig ist? Es gibt doch sicher viele Leute, die sich einen Lebensabend im sonnigen Süden vorstellen können oder sogar wünschen. Für das Pflegepersonal, welches ja heute schon oft aus Ausländern besteht, hätte es auch Vorteile. Sie könnten in ihrem Heimatland eine anständig bezahlte Arbeit ausführen, statt nur des Geldes wegen in die Schweiz auszuwandern. Zudem ist es allgemein zu begrüssen, wenn den Schweizer Abzockerheimen ein wenig Konkurrenz entsteht.

  • Tscherry Silvia am 10.04.2012 11:27 Report Diesen Beitrag melden

    SRK Pflegerin

    so was kann man doch älteren Menschen nicht zumuten sie werden in ein anderes Land gebracht wo sie die Sprache nicht verstehen.Altere Menschen zu pflegen heisst auch sich mit ihnen und ihren Sorgen abzugeben.Wie kann man Leute trösten wen man sie nicht versteht.Der Besuch von Angehörigen wird auch schwieriger.Sowas nenn ich ABSCHIEBEN.