Schnelle Karriere

08. März 2018 11:06; Akt: 08.03.2018 11:15 Print

Wird Martullo zur heimlichen SVP-Chefin?

von D. Krähenbühl - Magdalena Martullo ist in der SVP-Parteileitung angekommen. Parteikollegen trauen ihr eine dominante Rolle zu.

SVP-Nationalrätin Martullo-Blocher auf die Frage, ob sie in Zukunft Parteipräsident Rösti vor der Sonne stehen wird.
Zum Thema
Fehler gesehen?

Die 48-jährige Ems-Chefin Magdalena Martullo-Blocher wandelt auf den Spuren ihres Vaters: Martullo soll SVP-Vizepräsidentin werden, wie die Partei am Dienstag bekannt gab.

Die schnelle Karriere der Quereinsteigerin beäugen einige SVP-Parlamentarier kritisch. Offen stellt sich aber kaum jemand gegen Martullo. Für einen SVP-Politiker, der nicht genannt werden will, ist klar, wieso: «Martullo hat ein enormes Durchsetzungsvermögen und geniesst darüber hinaus den Rückhalt der Parteispitze.» Mit dieser wolle man es sich nicht verscherzen.

Dass Martullo-Blocher ihren Kopf durchsetzen kann, bestätigt auch SVP-Nationalrat Heinz Brand. Er ist überzeugt, dass sie künftig ein gewichtiges Wörtchen mitreden wird: «Sie hat eine dominante Persönlichkeit, das erzeugt viel Druck bei der Parteileitung.»

Verjüngungsprozess zum Vorteil

Parteipräsident Rösti, der als nett und konsensorientiert gilt, müsse jetzt schauen, dass er «die Hosen auch in Zukunft anhat», meint Brand. Spannungen zwischen Rösti und Martullo erwarte er trotzdem nicht. «Ihre Auswahl zur Vizepräsidentin erlaubt aber die Frage, ob sie ihre Berufung ihrem Verdienst zu verdanken hat oder der momentanen Konstellation der Partei», sagt Brand. Der Verjüngungsprozess komme ihr sicher zugute.

Für politische Gegner ist klar, dass Martullo zur «Schattenpräsidentin» wird: «Es ist anscheinend das Problem der SVP, dass niemand sonst als ein Blocher die Geschicke der Partei übernehmen kann», sagt der Fraktionschef der Grünen, Balthasar Glättli. Für Vater Blocher sei es aber natürlich gut, wenn die Tochter die Zügel in die Hand nehme. «Bei der SVP stellte sich immer nur die Frage, wer hinter einem Blocher die Nummer Zwei ist», sagt Glättli. Das werde sich auch in Zukunft nicht ändern.

Fähig, Bundesrätin zu werden

Klar ist, dass Martullo innerhalb der Parteispitze viel Rückhalt geniesst. «Sie ist innerhalb der Partei sehr geschätzt und hat in kurzer Zeit viele Ressourcen in ihr Nationalratsmandat gesteckt», sagt SVP-Nationalrat Sebastian Frehner. Daher sei sie für die Wahl in die Parteileitung prädestiniert. «Sie ist sehr resolut und weiss, was sie will.» Auch Parteikollege Thomas Matter, der selbst im Parteileitungsausschuss sitzt, ist voll des Lobes: «Sie hat sehr viel Potenzial und wäre auch fähig, Bundesrätin zu werden.»

Martullo selbst denkt nicht, dass sie Präsident Rösti bald vor der Sonne steht: «Ich hoffe, er führt als Parteipräsident selber. Das ist nicht mein Anspruch.» Er habe aber gewünscht, dass sie einen Beitrag leiste und ihren Input – vor allem in Wirtschaftsbelangen – in die Partei einfliessen lasse. Sie kämen gut miteinander zurecht. «Es gibt genug zu tun», sagt Martullo. «Genug für uns beide und für noch viel mehr Leute.»

Kommentarfunktion geschlossen
Die Kommentarfunktion für diese Story wurde automatisch deaktiviert. Der Grund ist die hohe Zahl eingehender Meinungsbeiträge zu aktuellen Themen. Uns ist wichtig, diese möglichst schnell zu sichten und freizuschalten. Wir bitten um Verständnis.

Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Res am 08.03.2018 11:27 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Volkspartei

    Die SVP ist schon länger keine Volkspartei mehr. Sie hat die FDP als Partei der Reichen abgelöst.

  • Simi am 08.03.2018 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Amerikanische Verhältnisse

    Amerika hat die Clintons, Kennedys und Bushs, die Schweiz hat die Blochers. Politische Erbdynastien, die man unabhängig von Talent seiner Mitglieder nie wieder aus der Politik weg bekommt. Wer zahlt, befielt. Und niemand zahlt mehr an die SVP als die Familie Blocher.

  • huschmie am 08.03.2018 11:21 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Viel Geld ist im Spiel

    Sie ist wie der Vater und hat viel Geld. Damit lässt sich einiges bewegen. Dafür wird sie von den einen geliebt, von den anderen gehasst. Fragt sich, von welchen es mehr gibt.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Heidi Heidnisch am 08.03.2018 12:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Möchtegernreichseinmasochismus

    Es erstaunt mich immer wieder, wieviele Wähler noch immer auf den Millionärsclub hereinfallen. Eine Milliardärin als Vertreterin des Volkes? Genau so wenig wie ein Trump oder die Bush Dynastie jemals für etwas anderes als für die reiche Oberschicht da gewesen sind. Aber alle die Möchtegern-Millionäre wählen immer noch ihre eigenen Ausbeuter, zum Teil sogar mit Genuss.

  • Blue Angel am 08.03.2018 12:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Bravo. Warum nicht

    Und was wenn? Ist kompetent, hat gute Ansichten, ist geradlinig und besser als mancher Möchtegern CEO.

  • Lämpel am 08.03.2018 12:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    BR nein danke

    Bundesrat, nein danke. Frau Martullo würde bald vergessen, dass wir in einer Demokratie leben und es noch weitere sechs, ebenfalls sehr fähige Regierungspersonen gäbe.

  • Lämpel am 08.03.2018 12:17 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Brüssel

    Wenn soviel Durchsetzungskraft, dann lasst Frau Martullo doch die Verhandlungen in Brüssel führen.

  • Lämpel am 08.03.2018 12:13 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    China lässt grüssen

    Eine solche Selbsternennung entspricht nicht schweizerisch demokratischen Vorstellungen.