Sicherheitslücken

12. August 2015 16:27; Akt: 12.08.2015 16:27 Print

Bund stoppt E-Voting in neun Kantonen

Herber Schlag für das E-Voting: Der Bundesrat hat Gesuche von neun Kantonen abgelehnt. Tests hatten eine Lücke beim Schutz des Stimmgeheimnisses entlarvt.

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In vier Kantonen funktioniert das System - insgesamt werden rund 96'000 Schweizer bei den Wahlen ihre Stimme abgeben können. (Bild: Keystone/Alessandro Della Bella)

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Wer in den Kantonen Luzern, Basel-Stadt, Genf oder Neuenburg wohnt, kann im Oktober bei den Nationalratswahlen seine Stimme elektronisch abgeben. Der Bundesrat bewilligte Gesuche dieser vier Kantone, wie es in einer Mitteilung heisst. Die Systeme lassen dank eines personalisierten Codes eine individuelle Verifizierung zu. Somit können erstmals 96'000 Schweizer elektronisch abstimmen.

Neun weitere Kantone haben ebenfalls einen Antrag für E-Voting gestellt. Doch das System des Consortiums Vote électronique war dem Bundesrat zu unsicher. Ergebnisse eines externen Audits hätten gezeigt, dass es «eine Lücke beim Schutz des Stimmgeheimnisses» gebe.

«Sicherheit vor Tempo»

Die Sicherheitslücke könne nicht mehr rechtzeitig vor den Nationalratswahlen geschlossen werden. Deshalb wies die Landesregierung das Gesuch der Kantone Zürich, Glarus, Freiburg, Solothurn, Schaffhausen, St. Gallen, Graubünden, Aargau und Thurgau ab. Der Bundesrat halte an seinem Ansatz «Sicherheit vor Tempo» fest.

Die elektronische Stimmabgabe war bislang nur für Auslandschweizer möglich. Bei den Nationalratswahlen 2011 konnten 22'000 Auslandschweizer in den Kantonen Aargau, St. Gallen, Graubünden und Basel-Stadt ihre Stimmen elektronisch abgeben. In diesem Jahr werden 34'000 Schweizer aus dem Ausland die Nationalräte wählen können.

Hoffen auf die Junge

E-Voting wird als ein Mittel gepriesen, die Beteiligung bei Wahlen und Abstimmungen zu steigern. Vor allem Junge sollen so motiviert werden. Diese Hoffnung hat sich bislang aber nicht erfüllt.

Versuche in den Kantonen Genf und Neuenburg lieferten ein ernüchterndes Resultat: Von den dort wohnhaften Personen, die per Computer abstimmen konnten, nutzten gerade einmal 20 Prozent diese Möglichkeit. Einen Grund dafür sieht die Bundeskanzlei beim «gut funktionierenden brieflichen Stimmkanal», wie in ihrer Broschüre «Vote électronique 2015» nachzulesen ist.

(dia/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Peter Meister am 12.08.2015 17:01 Report Diesen Beitrag melden

    Wow ...

    ... wenn der Bundesrat beim Bankgeheimnis gegenüber den Amis auch so strikte gewesen wäre und die Gesetze eingehalten hätte? Bei den Amis wird gekuscht, in der Schweiz werden Hürden über Hürden aufgebaut.

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  • Der Xperte am 12.08.2015 17:17 Report Diesen Beitrag melden

    E-Voting ist völlig unsicher! Völlig!

    E-voting ist und bleibt unsicher. Da können uns die Plauderis von Politikern noch viel erzählen. Wenn man in den Computer des US-Verteidigungsministeriums eindringen kann, so ist das Verfälschen des schweizerischen E-Votings ein Klacks dagegen. Ueberhaupt kein Problem! Also Finger weg von E-voting, wenn ihr überhaupt noch einen Funken von Demokratie-Verständnis in Euch habt.

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  • Marcel. Kiesslig am 12.08.2015 16:51 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Porblematik

    Ich sehe hier 1 Grund und 1 Problem. -Das bis jetzt erst 20% dies nutzen liegt wahrscheinlich daran, dass man dies bis jetzt geheim hielt und nicht National verbreitete. Wohl Absicht. Jetzt zum Problem und zwar die Sicherheit. -Wenn die Mehrheit der Stimmen, die Online abgegeben werden nicht dem Gemütszustand der Politiker passen. Dann könnte man einfach ein "Serverproblem" vorschieben und das ganze Resultat verwischen. Paranoid? Keineswegs! Zutraubar. Aber auch die physischen werden mittlerweile manipuliert von dem her..

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Geri Selfie am 13.08.2015 11:47 Report Diesen Beitrag melden

    Jede Stimme kann zurückverfolgt werden

    Auch die Systeme in GE und BS zeigten auf, dass man diese Manipulieren kann. Zudem kommt dann hinzu, dass man bei jeder Stimme zurückverfolgen kann, woher sie kommt, was meines Erachtens ein weiterer Schritt Richtung Überwachungstaat ist.

    • Peter Steiner am 13.08.2015 14:00 Report Diesen Beitrag melden

      Was bedeutet zurückverfolgt genau?

      Ich habe absolut kein Problem zu meiner Stimmabgabe zu stehen. Sie etwa schon? Warum soll zu Sicherheitszwecken nicht zurückverfolgt werden können, ob ich wahlberechtigt bin oder ob ich mehrmals stimmte? Wenn Sie auf das Stimmgeheimnis pochen, sollten Sie sich als Stimmenzähler wählen lassen. Aber nicht erschrecken, wenn Sie dann selber sehen, wie Stimmausweise und Stimmzettel behandelt werden.Viele wären extrem überrascht, wie wenig geheim das in der Realität abläuft. "Überwachung" ist heute schon problemlos möglich. Je kleiner die Gde umso mehr!

    • Geri Selfie am 13.08.2015 16:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Steiner: etwas naiv

      Es ist doch klar, dass man über die Elektronik genau zurückverfolgen kann, wer wie gewählt hat (und dies im Gegenauch über die Ewigkeit beweisen kann). Es gehört zu den Grundprinzipien der Demokratie, dass die Stimmabgabe geheim erfolgt ohne Möglichkeit der Rückverfolgung! Das elektronische Wahlen manipulierbar sind, zeigen u.a. auch die Wahlen in Venezuela und Ecuador, die allesamt elektronisch waren und manipuliert.

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  • James Dalton am 13.08.2015 11:41 Report Diesen Beitrag melden

    Kantönligeist

    zum Glück kocht jeder Kanton das eigene Süppchen. Es wäre ja fatal, wenn alle das gleiche System hätten. Wieso machen die Kantone (oder der Bund) nicht ein System für die ganze Schweiz. lieber 26 Mal konzeptionieren, Anbieter suchen, Geld aus dem Fenster schmeissen. Unlgaublich!

  • Informatiker am 13.08.2015 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    Das Problem

    Die Anforderung nach völliger Sicherheit widerspricht der Anforderung nach absolutem Schutz der Daten. Entweder werden die Daten anonymisiert (dann ist der Datenschutz gewährleistet, aber die Stimme nicht mehr nachprüf- und somit manipulierbar), oder die Daten im System können vom Stimmenden überprüft werden (dann ist die Korrektheit der Stimmabgabe gewährleistet, aber die Anonymität nicht). Ausser vielleicht wenn man die Bitcoin-Blockchain in einen Voting-Mechanismus umbaut (wobei ich hier meine Zweifel an der Anonymität habe) sehe ich nicht, wie dieser Widerspruch lösbar ist.

  • Urs G. am 13.08.2015 09:38 Report Diesen Beitrag melden

    Hallo

    es überrascht dass die Bundeskanzlei mitteilt, dass E-Voting nicht die gewünschte Zunahme bei der Stimmbeteiligung bringt. ?? wie auch, wenn niemand (Ausnahme Auslandschweizer) damit abstimmen kann?

  • Hil Billi am 13.08.2015 09:14 Report Diesen Beitrag melden

    BITTE NICHT

    Schafft das E-Voting schnell wieder ab. Ich finde es wichtiger das die Leute sich richtig mit den Stimmunterlagen beschäftigen. Wenn man am PC. abstimmt wird es schnell zur unwichtigen Nebensache.