450'000-Fr-Projekt

21. Februar 2017 09:49; Akt: 21.02.2017 11:50 Print

Bund will mit TV-Serie Migranten abschrecken

Nigerianer drehen derzeit in Bern für eine TV-Serie. Diese soll Migranten von der Reise in die Schweiz abhalten und wird vom Bund finanziert.

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Der Plot der Serie «The Missing Steps» von Regisseur Charles Okafor ist simpel: Joshua, ein junger Student aus Lagos, gelangt mit einem gestohlenen Visum in die Schweiz. Hier realisiert er, dass es beinahe unmöglich ist, Asyl zu bekommen. Er schlägt sich als Sans-Papier durchs Leben, rennt in einem Berner Park vor Polizisten davon. Später wird er in einem Tram ohne Billett erwischt und der Polizei übergeben. Joshua muss nach Nigeria zurückkehren mit der Einsicht, dass er die besten Jahre seines Lebens verschenkt hat.

Das Skript haben Nigeria und die Schweiz abgenickt, wie das «Echo der Zeit» von Radio SRF berichtet. Die Geschichte soll Migranten vor Augen führen, dass sie in der Schweiz kein Eldorado erwartet, «wo Milch und Honig fliessen». Letztes Jahr stellten Nigerianer 1106 Asylgesuche in der Schweiz.

450'000 Franken teures Projekt

Die 13-teilige TV-Serie ist eine schweizerisch-nigerianische Koproduktion im Rahmen der Migrationspartnerschaft. Die Kosten von 450'000 Franken – damit könnte man in Nigeria mehrere Kinofilme produzieren – trägt der Bund.

«Wir haben festgestellt, dass fehlende oder falsche Informationen häufig Ursache der irregulären Migration sind», sagt Lukas Rieder, Sprecher des Staatssekretariats für Migration (SEM). Mit dem Film wolle man «objektive Informationen über die Migration liefern». Anders als bisherige Aufklärungsvideos soll die Serie keinen «didaktisch-aufklärerischen» Anstrich haben, betont Rieder. Sie solle leicht zu konsumieren sein, «mit dem typischen Nollywood-Flair versehen». «Nollywood», die nigerianische Filmindustrie, gilt als drittgrösste der Welt.

«Berichte von Flüchtlingen sind wichtiger»

Weniger angetan vom Projekt ist die Flüchtlingshilfe: «Eine Fernsehserie allein bewirkt wenig. Man muss vor allem die Fluchtgründe bekämpfen, um lebensgefährliche Reisen zu verhindern», sagt Sprecher Stefan Frey zu 20 Minuten. «Der Film wird einen Vater, der seine Familie nicht mehr ernähren kann, kaum aufhalten.» Zudem herrschten im Norden Nigerias «bürgerkriegsähnliche Zustände».

Hinzu kommt laut Frey, dass die Leute vor Ort eher den Berichten glaubten, die sie von Verwandten und Bekannten aus Europa erhalten. «Diese schicken Geld und beschönigen schon aus Stolz die Realitäten, weil sie zu Hause nicht den Eindruck erwecken wollen, gescheitert zu sein.»

«Botschaft nachhaltig verankern»

Der Bund ist dennoch überzeugt, dass die Botschaft der Serie verfangen wird. Rieder: «Mit dem Weg über das in Westafrika unglaublich beliebte Nollywood-Kino wollen wir ein noch grösseres Publikum erreichen und die Botschaft nachhaltig verankern.» Zudem würden 200'000 DVD-Kopien erstellt, die direkt in den Passzentren der nigerianischen Migrationsbehörden platziert werden. Mittels Testvorführungen soll zudem untersucht werden, wie die Episoden auf das Publikum wirken.

Noch offen ist, auf welchem Sender die Serie zu sehen sein wird. Den Entscheid überlässt der Bund der lokalen Produktionsfirma.

(daw)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • René B. am 20.02.2017 21:45 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Leerlauf

    Solange die Realität ganz anders aussieht, und jeder nur seine Papiere wegzuwerfen braucht um hier aufgenommen zu werden, bringt das gar nichts. Das müsste unterbunden werden. Ohne Papiere keine Einreise Punkt.

  • Cira1206 am 20.02.2017 21:40 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopschüttel

    Toll 450'000 Stutz. An allem Ecken und Enden wird gespart aber für so etwas hst man Geld. Macht die Grenzen dicht dann braucht es keine solchen Projekte.

  • Büetzer am 20.02.2017 21:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unglaublich

    Herausgeschmissene Steuergelder,aber das ist sich der Schweizer ja gewohnt.Schaut doch zum Wohl unserer eigenen Leute. Viele pensionierte können sich ja kaum finanziell über Wasser halten und der Bund gibt für so einen "Seich" 450'000.- aus.

Die neusten Leser-Kommentare

  • .Nicolas. am 21.02.2017 23:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    kosten?

    und wie sieht es mit der Sendezeit aus? und müsste man den ausländischen Sender nicht dafür bezahlen das er es sendet? das dürfen sicher wir bezahlen. wie immer.

  • Brahim Keta am 21.02.2017 19:38 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Na toll

    Warum sollten die Leute in Nigeria sich sowas ansehen? 450.000 Franken für sowas, na toll. Vorallem sind die Nigerianer heutzutage wohl das kleinste Problem.

  • Wolf67 am 21.02.2017 19:00 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Billiger wäre ein Werbespot

    Besser einen Werbespot der zeigt wie man Arbeitet in der Schweiz. Wie ein Tagesablauf aussieht mit einem Arbeitsweg von 2 Stunden.

  • Lämpel am 21.02.2017 06:29 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lose-lose Situation

    Ein neuer, sicher interessanter Ansatz. Vor allem die Idee, dass die Zeit als Asylsuchender in der Schweiz verlorene Zeit für alle ist. Eine lose-lose Situation.

  • Olga Lang am 21.02.2017 06:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Beste Werbung um auszuwandern

    Wer will man mit dieser TV Serie abschrecken?? Ganz sicher nicht diese arme Migranten, die in ihrem Land viel schlimmeres erlebt haben, als ertappt sein beim Schwarzfahren oder in einem schicken Büro ihre Personalien abgeben. Die Kosten des Films,angeblich 450 Kfr. sollte man dem Chefbeamte der dies entschieden hat, vom Salär abziehen und direkt in Nigeria für eine Schule ausgeben.