Bis 116'000 Opfer

22. November 2017 12:49; Akt: 22.11.2017 14:05 Print

Bund wird wegen Autobahn-Lärm verklagt

von Stefan Ehrbar - Der Bund hat Verspätung beim Lärmschutz der Nationalstrassen. Betroffene sprechen von einem «Skandal» und bereiten Klagen vor.

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Lärm macht krank. Wer immer den Geräuschteppich von fahrenden Autos um sich hat, hat häufig einen erhöhten Blutdruck und schläft schlechter. Die Folgen sind drastisch: Das Bundesamt für Umwelt listet Herzkrankheiten, Nervosität und eine reduzierte Leistungsfähigkeit als Konsequenzen auf. Die Schweizer Bevölkerung verliert demnach jedes Jahr 46'000 Lebensjahre wegen Lärm. Volkswirtschaftlich gesehen verursacht Lärm externe Kosten von jährlich 1,9 Milliarden Franken.

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Der grösste Teil geht auf das Konto von Strassenlärm. Der Bund saniert deshalb die Nationalstrassen mit Lärmschutzwänden, Dämmen und speziellen Belägen. Doch das Bundesamt für Strassen (Astra) hinkt seinen ursprünglichen Planungen hinterher.

167 Kilometer «schlecht» und «sehr schlecht»

Schon 2015 gab sich der Bund mehr Zeit. Bis 2018 wollte er damals die Nationalstrassen grösstenteils sanieren. Doch noch immer stuft das Astra 167 Kilometer Nationalstrassen in die Kategorien «schlecht» und «sehr schlecht» ein. Auf diesen Abschnitten sind Sanierungsarbeiten im Umfang von etwa 360 Millionen Franken dringend nötig. Das geht aus einem aktuellen Bericht hervor.

Weitere 444 Kilometer Nationalstrassen gehören zur Kategorie «annehmbar»: Dort sind weitere Massnahmen bis 2030 nötig. Zwei Drittel der Nationalstrassen gelten hingegen als «gut» oder «sehr gut». Das Astra plant zurzeit Lärmschutz-Massnahmen im Umfang von insgesamt 860 Millionen Franken.

Einsprachen bis vors Bundesgericht

Dass die ursprüngliche Planung nicht eingehalten wurde, liege an der Komplexität, sagt Astra-Sprecher Thomas Rohrbach. Lärmschutz-Massnahmen stellten umfassende Änderungen der Strassenanlage dar und müssten öffentlich aufgelegt werden. Das bedeutet Genehmigungsverfahren und Einsprache- und Rekursmöglichkeiten. Die werden von Anwohnern nicht selten genutzt, was Verhandlungen bis vors Bundesgericht zur Folge hat. «Auf die Dauer dieser Verfahren hat das Astra keinen Einfluss», sagt Rohrbach.

Wenn alle heute geplanten Massnahmen umgesetzt werden, rechnet der Bund im Jahr 2030 mit 68'000 Personen, die unter übermässigem Strassenlärm von Autobahnen leiden. Gibt es ab jetzt keine weiteren Sanierungen mehr, sind es sogar 116'000. Sie dürfen nicht auf Besserung hoffen. «Ein vollständiger Schutz der Betroffenen ist aufgrund von technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht realisierbar», heisst es im Bericht. Schlussendlich dürften etwa 70 Prozent der ursprünglich Betroffenen geschützt werden.

Klagen in Vorbereitung

Für die Lärmliga Schweiz ist die verzögerte Sanierung ein Skandal, wie Präsident Peter Ettler sagt. Strassenlärm führe jährlich zu 500 Todesfällen wegen Herz-/Kreislaufversagen. «Das Astra macht aber im alten Trott weiter und in vielen Fällen gar nichts. Dabei ist die Sanierungsfrist für Nationalstrassen bereits 2015 abgelaufen.»

Alle Eigentümer von nicht sanierten Gebäuden an Autobahnen könnten seit 2015 jährliche Verzugszinsen auf der Entwertung ihrer Liegenschaft einfordern, sagt Ettler. Es gehe nicht ums grosse Geld: «Wenn das viele machen, erzeugt es Druck auf die Strasseninhaber». Die Lärmliga bereite nun einen entsprechenden Klagepool vor.

Die meisten Investitionen tätigt das Astra für Lärmschutzwände, gefolgt von Lärmschutzdämmen und speziellen Belägen. Den grössten Nachholbedarf gibt es auf den Strassen der Astra-Filiale Winterthur. In deren Zuständigkeit gehört auch das wohl grösste Lärmschutzprojekt, die Überdachung der Autobahn in Zürich-Schwamendingen auf fast einem Kilometer.

Auf welchen Abschnitten darüber hinaus Nachholbedarf besteht, sehen Sie in der Bildstrecke.

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • ASt am 22.11.2017 12:55 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wieso????

    Wieso baut man überall an die bestehende Autobahn? Wie in ZH Affoltern, Opfikon etc. Auch in Bern das gleiche Bild. Wieso zügeln die Menschen dort hin?

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  • Knaller am 22.11.2017 12:54 Report Diesen Beitrag melden

    Stoppt die Zuwanderung

    Mit dem könnte man mal beginnen! Wenn immer mehr Menschen in die Schweiz einreisen, wird auch immer mehr und mehr gebaut (jede Minute werden X Quadratmeter verbaut), logisch kommt man der Autobahn näher! Und nein, mit verdichteten und in die Höhe Bauen ist das Problem auch nicht vom Tisch!

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  • Nach Denklich am 22.11.2017 13:01 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Da sprechen

    gewisse Kreise immer noch das wir locker 10 Millionen in der Schweiz vertagen. Aber mehr Vekehr, mehr Autos, mehr Lärm... davon sprechen sie nicht.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • tt am 23.11.2017 06:28 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Wer war zuerst

    Ich behaupte mal, die Autobahnen war zu 99% vor den dortigen Anwohnern. Daher weiss man, wenn an sich eine Wohnung anschaut, das die Autobahn gleich um die Ecke ist, sollte sich jeder schämen, der hier klagen will.

    • @ tt am 23.11.2017 17:06 Report Diesen Beitrag melden

      Gesetz sagt das gleiche

      In Zonen mit überschrittenen Grenzwerten darf man gar nicht erst bauen, und wer nach Inkrafttreten des Gesetztes (1985) an eine Strasse gebaut hat, hat auch keinen Anspruch auf Sanierung. Die landläufige Meinung, dass an eine überbelastete Strasse gebaut, und dann Massnahmen eingefordert werden, ist also doppelt falsch...

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  • Jenny Fritz am 23.11.2017 02:16 Report Diesen Beitrag melden

    Auch anderen Lärm bekämpfen

    Auch die Bahn und die öV Busse, Tram machen Nachts Lärm. Insbesondere die Güterzüge welche in der Nacht fahren, machen einen ohrenbetäubenden Krach. Von diesen spricht niemand.

    • Boni am 23.11.2017 07:43 Report Diesen Beitrag melden

      Schienenbonus

      ja und hier wird mit einem zusätzlichen Schienenbonus gegenüber dem Strassenlärm extrem betrogen, der Schienenbonus wurde in Deutschland abgeschafft, in der Schweiz wird er immer noch angewendet und als Tabu verschwiegen. Googeln nach Schienenbonus lohnt sich!

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  • Expraesi am 22.11.2017 22:16 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    1.April?

    179mio für nicht mal einen Km? echt? ohne Witz?

  • Stryper am 22.11.2017 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Die Lösung: Berggemeinden

    Die Berg und Hügelgemeinden in AR, Tessin, Uri währen froh um Zuwachs, und haben schöne ruhige Ecken nur wollen immer alle ins Gedränge und jammern.

    • GAry am 23.11.2017 09:12 Report Diesen Beitrag melden

      @Stryber

      schön und gut fürs Wohnen, aber wo ist der Arbeitsplatz um den Verdienst zu haben? Wohl einige Km entfern, was Stassen-, Bahn-, oder Buslärm verusacht...

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  • wildh. am 22.11.2017 21:16 Report Diesen Beitrag melden

    Der erste

    Es ist immer die frage was war zuerst das Haus oder die Strasse.