«Luxuslösung»

27. März 2018 07:21; Akt: 27.03.2018 07:39 Print

Bundesamt für Umwelt sammelt zu viele Daten

Angesichts von Kosten von mehreren hunderttausend Franken für einzelne Messungen sieht die Eidgenössische Finanzkontrolle Sparpotenzial beim Bafu.

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Eine Art Insektenfalle, die für den Aufbau eines Monitoring-Netzwerkes von Feinden von Kulturpflanzen eingesetzt wird. (Archiv) (Bild: Keystone/Salvatore Di Nolfi)

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Politik und Verwaltung benötigen gute Datengrundlagen. Das Bundesamt für Umwelt (Bafu) produziert jedoch zu viele davon. Zu diesem Schluss kommt die Eidgenössische Finanzkontrolle (EFK).

Das Bafu deckt zwölf Umweltbereiche ab, darunter Luft, Abfall, Wald und Holz. Insgesamt werden 530 Indikatoren ermittelt. Das liege deutlich über den internationalen Erfordernissen, schreibt die EFK in einem am Dienstag veröffentlichten Bericht.

Das Bafu mache eindeutig zu viel, sagt Andreas Baumann von der Finanzkontrolle gegenüber srf.ch: Im Bafu seien sehr begeisterte Naturwissenschaftler. Es sei eine Luxuslösung und eine sehr wissenschaftliche Lösung. «Es ist aber vermutlich nicht immer die wirtschaftlichste Lösung», so Baumann.

Daten ohne Relevanz

Zudem seien nicht alle Informationen gleich nützlich. Das liege unter anderem daran, dass Zielwerte fehlten oder dass die Indikatoren nicht für interne Entscheidungen herangezogen würden. Umweltinformationen seien nur nützlich, wenn sie bewertet würden und dadurch relevant für Entscheidungen seien, schreibt die EFK.

Auch auf der Internetseite des Bafu sind die Indikatoren nur teilweise bewertet, die zugrundeliegenden Daten sind nicht systematisch abrufbar. So könnten sich Bevölkerung und Politik nur schwer ein Bild über den Zustand eines Umweltbereichs machen, heisst es im Bericht.

Die EFK empfiehlt daher, die Anzahl Indikatoren zu reduzieren. Diese müssten zudem mit Zielwerten hinterlegt, konsequent bewertet und veröffentlicht werden. Der gesetzliche Spielraum ist vorhanden. Von 177 Indikatoren, die die EFK untersucht hat, ist weniger als ein Fünftel eindeutig in einer gesetzlichen Grundlage genannt.

Kostenpunkt Messungen

Sehr präzise geregelt ist der Umweltbereich Biodiversität. Nicht definiert ist jedoch, wo und wie oft die Daten erhoben werden. Die Häufigkeit der Messungen und die Anzahl der Messpunkte seien entscheidende Kostentreiber, heisst es im Bericht. Hinzu kommt, dass hoch aufgelöste Messdaten laut EFK nicht besser genutzt werden. Angesichts der Kosten von mehreren hunderttausend Franken für einzelne Indikatoren sieht sie Sparpotenzial.

Bei den Kosten ortet die EFK ein weiteres Problem. Das Bafu hat 2017 für Grundlagendaten im Umweltbereich rund 21 Millionen Franken ausgegeben. Das sind aber nur die Kosten für extern eingekaufte Leistungen. Die internen Personalkosten werden nicht ausgewiesen. Das müsste sich nach Ansicht der EFK ändern. In seiner Stellungnahme weist das Bafu darauf hin, dass eine Vollkostenrechnung nicht mit vertretbarem Aufwand zu realisieren sei.

Insgesamt vermisst die EFK bei der Einführung neuer Indikatoren oder Datenerhebungen, dass der Zusatznutzen begründet und die gesamten Kosten beziffert werden. Auch müssten die Ausgaben von den jeweils zuständigen Stellen genehmigt werden.

(nag/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Der Valon am 27.03.2018 08:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sparpotenzial ist da!

    Ich habe im Bafu meinen Zivildienst abgearbeitet. Wir sind zu zweit(!) tagelang von ZH nach GR gefahren um dort die Blätter von markierten Bäumen zu messen. Ich habe damals Erwerbsersatz bekommen (5500) für diese Arbeit. Mein Kollege war normal angestellt dort. Ich dachte mir damals schon, dass man da einiges an Leerläufen einsparen könnte. Klar, die Umwelt ist das wichtigste Gut überhaupt, aber das gibt keinem Amt das Recht nicht zu uberlegen wie mit Geld umgegangen werden muss...

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  • Tamara am 27.03.2018 08:43 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Lustig

    So kommt es raus, wenn Ökonomen bewerten sollen, wovon sie keine Ahnung haben. Aber psst. Das dürfte man einem Ökonomen nie sagen. Der Markt regelt ja bekanntlich jedes Problem von alleine, wenn man ihn nur machen lässt.

  • Lisa Lea am 27.03.2018 08:05 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Unfair

    Ich bin kein Bafu Fan, aber diese Aussagen hier sind nicht fair. Wenn Gelder an Externe gegeben werden, dann weil das Parlament es so will. Jede Stelle beim Bafu wird vom Parlament genehmigt. Man stelle sich vor, wenn das Parlament auch noch bei jeder einzelnen Messung gefragt werden müsste. Ausserdem, wenn man schon Messstellen aufstellt, kann man ja gleich alles messen. Es wird davon nicht teurer. Und dass es nicht abrufbar ist für alle liegt am mangelhaften IT System beim Bund. Dafür ist das BBL zuständig und nicht das Bafu.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Mimi am 29.03.2018 18:55 Report Diesen Beitrag melden

    Geld kann man nicht essen...

    Dieses Geld ist das best investierte der Schweiz, denn: Erst wenn der letzte Baum gerodet, der letzte Fluss vergiftet, der letzte Fisch gefangen ist, werdet Ihr merken, dass man Geld nicht essen kann. (Weissagung der Cree)

  • Edmo am 28.03.2018 09:28 Report Diesen Beitrag melden

    Geschützte Werkstatt

    Weil in unserem Bildungssystem die Grenzwerte für die Zulassung zu Hochschulen immer weiter herabgesetzt werden, haben wir längst eine enorme Menge unbrauchbare Wissenschafter. Der Staat schafft dann halt einfach geschützte Werkstätten für die Überschüssigen. So können sie weiterhin auf Kosten der Steuerzahler gut leben und müssen sich nicht in der freien Marktwirtschaft als Taxifahrer abrackern.

  • wo sehen Sie das Problem? am 28.03.2018 00:15 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Datensammlung

    Guten Abend oder guten Morgen. Na und? Vielleicht kommt ein Tag, an welchem wir froh darüber sind.

  • wildh. am 27.03.2018 21:59 Report Diesen Beitrag melden

    Nichts!

    Diese Forschungen sind für nichts nur Geld Verschwendung.

  • Jean am 27.03.2018 21:44 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Geldverschwendug für NICHTS

    Dank unseren Steuern lässt es sich gut forschen. Ein Unternehmen der Privatwirtschaft wäre schon lange PLEITE!!!