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04. November 2015 15:12; Akt: 04.11.2015 16:07 Print

Bundesrat lockert Arbeitszeit-Regeln

Die Arbeitswelt hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert: Der Bund hat deshalb das Ein- und Ausstempeln von Mitarbeitern vereinfacht.

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Lockerere Regeln: Arbeitszeiterfassung bei der KESB in Liestal. (25. März 2015) (Bild: Keystone/Gaetan Bally)

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Der Bundesrat lockert die Vorschriften zur Arbeitszeiterfassung. Angestellte mit einem Bruttoeinkommen von über 120'000 Franken, die ihre Arbeitszeiten mehrheitlich selber bestimmen können, müssen künftig ihre Arbeitsstunden nicht mehr erfassen.

Voraussetzung dafür ist allerdings, dass diese Möglichkeit in einem Gesamtarbeitsvertrag (GAV) vorgesehen ist, wie der Bundesrat bekannt gab. Er geht davon aus, dass weniger als zehn Prozent der Arbeitnehmenden mit dieser Regelung auf die Arbeitszeiterfassung verzichten können.

Ausnahme Sonntag- und Nachtarbeit

Eine Lockerung sieht der Bundesrat auch für weniger gut verdienende Angestellte vor: Wer seine Arbeitszeiten zu einem grossen Teil selber bestimmen kann, muss künftig nur noch die Gesamtdauer der täglichen Arbeitszeit dokumentieren.

Einzig bei Sonntags- und Nachtarbeit muss auch weiterhin Arbeitsbeginn und -ende festgehalten werden. Für diese vereinfachte Arbeitszeiterfassung braucht es keinen GAV, sondern nur eine kollektive Vereinbarung zwischen dem Arbeitgeber und der Arbeitnehmervertretung.

Reaktion auf veränderte Arbeitsbedingungen

Die Arbeitswelt habe sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert, begründet der Bundesrat die Lockerung der Vorschriften. Ein Grossteil der beruflichen Tätigkeiten zeichne sich heute durch örtliche und zeitliche Flexibilität aus. Diese Entwicklung führe dazu, dass das Arbeitsgesetz mit der realen Arbeitswelt nicht mehr übereinstimme.

Die nun präsentierte Lösung entspreche dem Bedürfnis nach mehr Flexibilität bei der Erfassung der Arbeitszeit und nach weniger Bürokratie. Gleichzeitig werde sichergestellt, dass die arbeitsgesetzlichen Vorgaben überprüfbar blieben und der Gesundheitsschutz nicht eingeschränkt werde.

Heute sind einzig Topmanager von der obligatorischen Arbeitszeiterfassung ausgenommen. Für Kaderleute mit Weisungsrecht und vollamtliche Projektleiter gilt seit dem 1. Januar 2014 eine vereinfachte Arbeitszeiterfassung. Für alle übrigen Angestellten muss die Arbeitszeit derzeit lückenlos dokumentiert werden.

Langjähriger Konflikt

Die Revision des Arbeitsgesetz-Verordnung tritt bereits auf Anfang nächstes Jahr in Kraft. Die neue Regelung beruht auf einem Kompromiss zwischen den Sozialpartnern. Diesem hatten die Spitzen der Arbeitgeber und Gewerkschaften unter Vermittlung des WBF im Frühling zugestimmt.

Der Konflikt um die Arbeitszeiterfassung schwelte bereits seit Jahren. Im Juli 2013 begrub das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) einen Lockerungsvorschlag für Arbeitnehmende mit einem Lohn von über 175'000 Franken. Die Positionen der Sozialpartner lagen damals zu weit auseinander: Die Wirtschaft wünschte auch bei tieferen Lohnklassen mehr Flexibilität, die Gewerkschaften sahen den Arbeitnehmerschutz ausgehöhlt.

(dia/sda)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Ich stemple gern am 04.11.2015 16:05 Report Diesen Beitrag melden

    @ Reto, Mauro, Jann

    Ihr scheint noch nicht in der Arbeitswelt gewesen zu sein. Ohne Stempeln arbeitet man etliche Stunden gratis für den Arbeitgeber, mit Stempeln bekommst Du die effektiven Stunden die Du arbeitest gut geschrieben oder kannst diese später wieder als Freitage beziehen. Ich habe beide Systeme erlebt und bleibe beim Stempeln, das ist für mich als Arbeitnehmer viel ehrlicher.

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  • Ben Meier am 04.11.2015 16:12 Report Diesen Beitrag melden

    Nein danke, lieber stempeln

    Nein danke, lieber mit der Stechuhr arbeiten als ganz darauf zu verzichten. Ich verdiene keine 120'000 aber kenne beides. Ohne stempeln arbeitest du mehr als vorgesehen und kannst die Überzeit danach nicht wieder einziehen. Nein danke.

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  • fritz moser am 04.11.2015 16:18 Report Diesen Beitrag melden

    gute regelung

    wenn einer der über 120k verdient mehr als 60 stunden arbeiten will ist mir dies eigentlich egal. Als arbeitnehmer unterhalb dieser grenze bin ich froh stempeln zu dürfen damit ich nicht ausgenommen werde.

Die neusten Leser-Kommentare

  • Peter Waldner am 05.11.2015 17:26 Report Diesen Beitrag melden

    Mist

    Solange nur "Zeit" bezahlt werden muss und nicht "Leistung", bleibt das ganze System nur Mist.

    • Thomas am 06.11.2015 11:32 Report Diesen Beitrag melden

      @Peter Waldner

      Ist die Frage wie man Leistung messen soll. Dürfte bei vielen Jobs schwierig werden

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  • Lassie am 05.11.2015 11:50 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Öhm

    Ich habe seit über acht Jahre keine geregelte Arbeitszeit mehr, manche sagen auch Tagesstruktur dazu, und es stört mich überhaupt nicht. Für mich hat der Tag zweimal 12 Stunden, abwechselnd Hell und Dunkel. Das ist meine Stempeluhr. ;-)

  • Kader am 05.11.2015 11:12 Report Diesen Beitrag melden

    Galt schon seit 1.1.14?

    Ich wusste nicht, dass das für Kader bereits seit 1.1.14 galt. War das zwingend? Und ich hatte ewige Diskussionen zum Thema ...

  • Müller Reto am 05.11.2015 10:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    120k ist Kader

    Über 120k sind sowieso nur Kader und bei solchen Jobs sind Überzeiten nicht bezahlt. Ich verdiene zum Glück bloss 114 500.-/a und muss nicht stempeln und das bei 40std/Woche... Passt doch

  • Bartli am 05.11.2015 10:04 Report Diesen Beitrag melden

    Stempeln, wirklich?

    Stempeln ist gut. Auf dem Bild sehe ich, da werden Fingerabdrücke digitalisiert. Können die Abdrücke aufgezeichnet und verwertet werden?