Erleichterte Einbürgerung

15. Februar 2017 11:30; Akt: 15.02.2017 11:39 Print

Burka-Plakat ging vielen SVP-Wählern zu weit

von J. Büchi - Nicht nur für die Befürworter war das Anti-Einbürgerungs-Sujet ein rotes Tuch. Auch viele Gegner beurteilen es kritisch.

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Nun ist sie weg, die Frau im schwarzen Niqab. Wochenlang warb sie im öffentlichen Raum für ein Nein zur erleichterten Einbürgerung – vergebens, wie sich am Abstimmungssonntag zeigte. Das Stimmvolk nahm die Vorlage mit gut 60 Prozent Ja-Stimmen an. Wäre die Zustimmung ohne die Burka-Plakate noch höher ausgefallen – oder ging der Schuss nach hinten los?

Anhaltspunkte bietet die Tamedia-Nachbefragung. Nur knapp jeder vierte Befragte beurteilt die Plakate darin positiv:

Auch wenn nur die Antworten der SVP-Wähler betrachtet werden, fällt das Urteil für das Komitee um SVP-Hardliner Andreas Glarner wenig schmeichelhaft aus: 18 Prozent der SVP-Wähler hätten sich eine weniger plakative Kampagne gewünscht, 14 Prozent stellen sich auf den Standpunkt, die Burka und die dritte Einwanderer-Generation hätten nichts miteinander zu tun und fünf Prozent beurteilen die Plakate gar als «hetzerisch und irreführend».

«Gleichung ging nicht auf»

Politberater Mark Balsiger stellt fest: «Die Burka-Plakate waren ganz offensichtlich kontraproduktiv.» Zwar habe diese Kampagne – wie beabsichtigt – ein beträchtliches Echo erzeugt. Anders wie so oft in den letzten zwei Jahrzehnten sei die Gleichung «grosser Aufruhr führt zu Erfolg» dieses Mal aber nicht aufgegangen. «Die Befürworter konnten schnell und glaubhaft darlegen, dass sich unter den Kandidatinnen für die erleichterte Einbürgerung keine Burkaträgerinnen befinden.» Dadurch sei Glarners Strategie regelrecht «implodiert».

Gleichzeitig habe auch eine massive Gegenmobilisierung eingesetzt. «Das Sujet war ein Steilpass für Bewegungen wie Operation Libero, die es sich zur Aufgabe machten, die Kampagne der SVP zu demaskieren und die Befürworter an die Urne zu bringen.»

Glarner ist zufrieden

War die Kampagne also ein Fehler? Andreas Glarner winkt ab: «Ich würde alles noch einmal so machen.» Bei einem Ja-Anteil von fast 40 Prozent sei es gelungen, weit über die SVP-Wählerschaft hinaus zu mobilisieren. «Ich sehe wirklich keinen Grund, warum wir damit unzufrieden sein sollten.»

Das Sujet sei entgegen anderslautender Behauptungen sehr treffend, so Glarner. Nicht nur, weil es gut möglich sei, dass in einigen Jahren vollverschleierte Frauen um den Schweizer Pass ersuchen. «Die Burka ist auch ein Symbol dafür, dass die Behörden den Antragstellern künftig nicht mehr ins Gesicht sehen, sondern der Bund in einem reinen Bürokratie-Akt über Einbürgerungen entscheidet.»

Gut 13'000 Teilnehmer

Von Einbürgerungswilligen dürfe ein «gewisser Effort» erwartet werden, lautete das meistgenannte Argument der Nein-Stimmenden. Am zweithäufigsten argumentierten sie, es würden schon heute zu viele Menschen eingebürgert. Auf der Seite der Befürworter schwang eine Aussage obenaus: «Menschen, deren Eltern und Grosseltern bereits hier gelebt haben, gehören zur Schweiz.»

Aufschlussreich auch: Eingebürgerte stimmten nur unwesentlich anders als Personen, die den Schweizer Pass seit Geburt haben. Bei Eingebürgerten, die in der Schweiz geboren sind, lag die Zustimmung leicht unter dem Schweizer Schnitt (58%), bei Personen, die im Ausland zur Welt gekommen sind, leicht darüber (64%).

13'437 Personen aus der ganzen Schweiz haben zwischen dem 10. und 12. Februar 2017 online an der Tamedia-Nachbefragung teilgenommen. Die Politologen Fabio Wasserfallen und Lucas Leemann haben die Daten nach geografischen und politischen Variablen gewichtet. Der Fehlerbereich liegt bei 2,4 Prozentpunkten.

Weitere Informationen unter tamedia.ch/umfragen

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Minnie Mouse am 15.02.2017 07:19 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Plakate haben keinen Einfluss auf mich

    Mich haben Plakate noch nie interessiert und in meiner Entscheidung beeinflusst! Ich lese, worum es in einer Abstimmungsvorlage geht, und dementsprechend fälle ich meine Entscheidung!

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  • Giani75 am 15.02.2017 07:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Herr Glarner

    Ich frage mich jedes mal wer diesen Glarner eigentlich waehlt. Unglaublich.

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  • Nähm mi wunder am 15.02.2017 07:24 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    3. Generation ist doch ok

    Ich lese weiter unten einen Artikel über einen marokkanischen Schweizermeister im Thai-Boxen der sich dem IS anschloss und nun in I verurteilt wurde. War der auch schon in der 3. Generation hier?

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Die neusten Leser-Kommentare

  • strubeli1 am 17.02.2017 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Schade

    Ging in die hose...Schade eigentlich

  • Sehnsucht 67 am 15.02.2017 19:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Nein

    Dieses Plakat hatte nicht im geringsten mit der Einbürgerungs Initiative zu tun.

  • Delphin64 am 15.02.2017 19:26 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Anonymisieren

    Bei Frauen, die Burkas tragen, sieht man wenigstens noch die Augen und man hat Blickkontakt. Im Gegensatz zu unserer Polizei, die sich mit schwarzen Sonnenbrillen unkenntlich machen od. anonymisieren!

  • Loti am 15.02.2017 16:22 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Total daneben!

    Als SVP-Miglied bin ich extrem befremdet über dieses dümmliche Plakat, welches mit der Abstimmung nichts, aber auch gar nichts zu tun hat!

  • lys am 15.02.2017 15:53 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ein weiterer Schritt..

    ..in Richtung Genesung und Besinnung von Herrn Glarner & Kompanie. Finde solche Nachbefragungen sehr gut. Insbesondere Politiker sollten sich immer wieder mit sich selber auseinandersetzen. Genauso mit der Frage, ob sie mit solchen Hetzkampagnen wirklich so sehr das Volk vertreten, wie sie es dermassen überzeugt behaupten.