Flixbus in Zürich

12. November 2017 20:50; Akt: 12.11.2017 22:23 Print

Chauffeur «verwechselt» Frau und begrapscht sie

von Jennifer Furer - Eine 31-Jährige wurde von einem Flixbus-Chauffeur an den Brüsten angefasst. Er habe die Frau mit einer «intimen Beziehung» verwechselt, sagt er.

Bildstrecke im Grossformat »

Zum Thema
Fehler gesehen?

Die gebürtige Französin A.* lebt seit fünf Jahren in Zürich. Regelmässig reist die Elsässerin mit Flixbus nach Mulhouse, um ihre Familie zu besuchen. Im Oktober ereignete sich aber laut der Französin ein Vorfall, den sie zur Anzeige bringen will.

«Ich war spät dran und bin deshalb als Letzte am Sihlquai in Zürich angekommen», erzählt A. Sie habe den Flixbus von Zürich nach Frankfurt nehmen wollen. «Der Busfahrer kannte mich wegen meiner häufigen Reisen bereits. Er begrüsste mich freundlich.» Doch dann sei die Situation aus dem Ruder gelaufen.

«Ich habe gezittert und war völlig schockiert»

Zuerst habe sich der Mann nach ihrer Hose erkundigt. «Ich hatte Jeans mit Löchern an. Der Chauffeur meinte, ob ich mir nicht neue Hosen kaufen möchte», sagt A. Dann habe er auf ihr Dekolleté geschaut und gesagt, dass da etwas Schönes sei. «Er hat den Ausschnitt des T-Shirts runtergezogen, meine Brüste angefasst und sie angeschaut.» Völlig perplex sei sie stehen geblieben, bevor sie reagieren konnte und den Chauffeur zurückgewiesen habe, erzählt A.

«Ich habe gezittert und war völlig schockiert», sagt sie. Ein weiterer Fahrgast sei noch am Rauchen gewesen und habe sie beruhigt. «Er dachte, ich hätte den Buschauffeur gekannt, und versicherte mir, dass er sonst eingeschritten wäre.»

Über «den richtigen Umgang mit Gästen» informieren

Als A. in Mulhouse ausgestiegen sei, habe der Buschauffeur sich bei ihr entschuldigen wollen. «Er hat gesagt, dass er mich mit einer intimen Beziehung verwechselt habe. Das ist eine faule Ausrede», so A. Sie habe die Entschuldigung nicht angenommen und sich stattdessen an Flixbus gewandt, um den Vorfall zu melden.

Drei Wochen habe es gedauert, bis sie Antwort erhalten habe. Darin entschuldigt sich eine Kundenbetreuerin und versichert A., dass man sich mit dem Buspartner, der unter anderem Chauffeure für Flixbus stellt, in Kontakt setzen werde, um sie über «den richtigen Umgang mit Gästen» zu informieren.

«Wir hoffen, dass Sie seine Entschuldigung annehmen»

Einige Zeit später habe sich Flixbus erneut gemeldet und A. mitgeteilt: «Inzwischen liegt uns die Stellungnahme des Busfahrers vor. Er gibt an, Sie verwechselt zu haben, entschuldigt sich natürlich dafür und dass es zu diesem Missverständnis gekommen ist. Wir hoffen, dass Sie seine Entschuldigung annehmen.»

A. war entsetzt über diese Antwort: «Sie ist unsensibel und unangemessen. Jedes Opfer braucht eine Anerkennung, das hat Flixbus nicht verstanden.» Sie habe den Eindruck, dass Flixbus ihren Fall nicht ernst nehme.

Die 31-Jährige fragt sich: «Inwiefern gibt dem Busfahrer eine Verwechslung das Recht, eine Frau an intimen Stellen anzufassen?» A. werde nun rechtlich vorgehen und Flixbus sowie den Chauffeur sowohl in Frankreich und der Schweiz anzeigen. «Sexuelle Belästigung ist ein ernstes Thema. Man sollte handeln, wenn man davon betroffen ist.»

Busfahrer umgehend nachgeschult

David Krebs, ein Sprecher von Flixbus, bestätigt, dass eine Stellungnahme des Busfahrers vorliegt: «Gemäss ihm kam es zu einer Verwechslung und einem Missverständnis zwischen dem Busfahrer und der Passagierin. Der Fahrer entschuldigt sich hierfür.» Er sei umgehend nachgeschult und auf sein Fehlverhalten hingewiesen worden. «Flixbus und auch der Buspartner, bei dem der Fahrer angestellt ist, behalten sich weitere Massnahmen und Sanktionen vor.»

Krebs versichert, dass man den Hinweis sehr ernst nehme: «Wir haben den Fall umgehend nochmals zur internen Prüfung weitergeleitet.» Der Flixbus-Sprecher reagiert auch auf den Vorwurf von A., die Kommunikation der Kundenbetreuerin sei unangemessen und unsensibel gewesen: «Von uns als unbeteiligte Dritte, die zum Zeitpunkt des Zwischenfalls nicht vor Ort waren, lässt sich der genaue Ablauf im Nachhinein leider nicht mehr nachvollziehen.»

Für eine objektive Prüfung des Sachverhalts sei deshalb für Flixbus eine sachliche Position in der Kommunikation ausschlaggebend. Krebs betont: «Wir bedauern den Zwischenfall und distanzieren uns in aller Deutlichkeit von Belästigungen oder sexuellen Übergriffen jeglicher Art.»