Legal Kiffen

08. Juli 2014 05:55; Akt: 08.07.2014 10:44 Print

Colorado als Vorbild für die Schweiz

von G. Brönnimann - Während der staatlich kontrollierte Cannabis-Verkauf im US-Bundesstaat Colorado floriert, geht die Kriminalität zurück. Nun drängen Schweizer Politiker auf die Legalisierung.

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Nach sechs Monaten legalem Verkauf von staatlich geprüften Cannabis-Produkten im US-Bundesstaat Colorado ist der von rechten Politikern und Journalisten beschworene gesellschaftliche und moralische Zerfall bisher ausgeblieben. Für rauchende Köpfe hatte etwa die ehemalige Staatsanwältin und heutige TV-Talkerin Nancy Grace gesorgt, als sie im Januar sagte: «Bekiffte Menschen erschiessen einander, stechen sich ab, erwürgen sich, fahren zugedröhnt rum – sie löschen ganze Familien aus.»

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«Der Himmel ist uns nicht auf den Kopf gefallen», sagt Andrew Freeman, Direktor von Colorados Marihuana-Adminstration, zur Nachrichtenagentur Reuters. Es sei aber noch zu früh, eventuelle «unbeabsichtigte Folgen» der Legalisierung zu eruieren.

Weniger Gewaltverbrechen nach 6 Monaten kiffen

Freude herrscht nicht nur wegen des Gras-Geldsegens (siehe Box), sondern auch wegen der soeben veröffentlichten Halbjahres-Verbrechensstatistik: Gegenüber 2013 ging die Kriminalität in der Millionenstadt Denver um 10,1 Prozent zurück, die Gewaltdelikte um 5,2 Prozent. Das Pro-Cannabis-Lager sagt, es liege daran, dass Konsumenten ihren Stoff nicht mehr bei Gangstern kaufen müssten. Überhaupt seien Kiffer friedlich, die Legalisierung könne die Verbrechensstatistik nur positiv beeinflussen. Denvers Polizei prahlt dagegen damit, der Rückgang sei allein auf ihre neue Einsatztaktik zurückzuführen. Und Experten mahnen, es sei noch viel zu früh, um irgendwelche Schlüsse zu ziehen.

Schweizer Politiker drängen auf Legalisierung

Dass die Cannabislegalisierung zu weniger Gewalt führt, macht für Sven Schendekehl vom Schweizer Verein «Legalize It!» durchaus Sinn. Erstens würde das organisierte Verbrechen geschwächt und zweitens sei es «erwiesen, dass das Gewaltpotenzial bei Alkoholkonsum um einiges höher ist als beim Kiffen». Dazu sagt Toni Berthel, Präsident der Eidgenössischen Kommission für Drogenfragen: «Beide Erklärungen haben etwas für sich.» Berthel fügt aber an: «Aus den wenigen Informationen aus Colorado lassen sich allerdings keine definitiven Schlüsse ziehen.»

«Das sind genau die erwarteten Resultate», kommentiert Nationalrat Geri Müller (Grüne) die News aus Colorado. Er meint: «Es ist an der Zeit, dass das Thema Cannabis-Legalisierung in der Schweiz wieder diskutiert wird.»

«Die bisherigen Resultate aus Colorado sind interessant: Sie entsprechen genau dem, was wir sagen», meint auch SP-Nationalrätin Marina Carobbio. Die Präsidentin der Nationalen Arbeitsgemeinschaft Suchtpolitik fügt an: «Auch wir sind nicht für den freien Verkauf, sondern für einen staatlich regulierten Markt. Drogenerwerb auf der Strasse ist ein Problem. Colorado ist ein regulierter Markt, der kleine Mengen straffrei erlaubt. Wir fordern, dass das auch in der Schweiz diskutiert wird, und dass die Pilotversuche ausgebaut werden, dass wir vernünftige Alternativen zu einem generellen Verbot finden.»

SVP bezweifelt Zusammenhang

SVP-Nationalrat Hans Fehr hat für all das kein Verständnis: «Drogen sind nicht gefährlich, weil sie verboten sind: Sie sind verboten, weil sie gefährlich sind», sagt er. Colorado positiv zu werten sei «absurd»: «Die Schäden und Risiken einer Legalisierung sind wesentlich grösser als irgendwelche Steuergewinne.» Der Zusammenhang zwischen Legalisierung und weniger Verbrechen sei «eine reine Behauptung, die niemand beweisen kann». Laut Hans Fehr warten auf Colorado «bald grössere Probleme als irgendein angeblicher Nutzen».

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • M.B. am 08.07.2014 06:04 Report Diesen Beitrag melden

    Fehr, bha!

    «Drogen sind nicht gefährlich, weil sie verboten sind: Sie sind verboten, weil sie gefährlich sind» Mit dieser Aussage disqualifiziert er sich selber. Es kommt so rüber, als ob der Bürger gar nichts hinterfragen darf, was die Politiker entscheiden. Verboten wurde Hanf aus ganz anderen Gründen. Es hat damals in den USA begonen mit den Verboten (Baumwollindustrie) und sie fangen auch an diese wieder aufzuheben. Dort können wir wirklich mal was nachmachen ;)

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  • Urs Meier Ueli Metzger am 08.07.2014 06:03 Report Diesen Beitrag melden

    Na macht schon

    jaaaaaaaaaaaaaaaaa legalisiert es endlich wir kiffen eh schon überall in parks, stränden und partys, einfach überall! es wird schon lange geduldet, fehlt nur noch der offizielle hacken auf dem papierchen

  • si mon am 08.07.2014 06:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    langsam Zeit

    Klar darf man Cannabis nicht verharmlosen, aber Alkohol auch nicht. Es ist wirklich an der Zeit, dass Cannabis rauchen legalisiert wird.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • Ron d'H. am 08.07.2014 21:34 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kiffen oder saufen?

    Wieso sollte man nicht kiffen dürfen, aber sich schon besaufen können! Jeder kann in irgendwelche Laden Alkohol kaufen, sich voll giessen und dazu gehörend sich aggressiv verhalten. Kann man dies vergleichen mit kiffen? Klares nein! Kiffer im durchschnitt verhalten sich eher ruhiger, ziehen sich mehr zurück, nehmen es gelassener, vielleicht geht alles so an denen vorbei, aber was wollen wir denn? Weniger kriminalität und vielleicht ein paar Kiffer mehr oder weiter motzen es sei illegal! Dann sollte man auch Alkohol, Ziggi's u.s.w. verbieten, die machen auch züchtig!

  • Joint am 08.07.2014 17:49 Report Diesen Beitrag melden

    Hehe

    Juhuiii gratis weed von der Krankenkasse oder bezahlen wir das 1000fr Krankenkassepremie?

  • hans am 08.07.2014 17:36 Report Diesen Beitrag melden

    lachhaft

    Die Abstimmung die ihr da macht ist soooo schlecht, ich selbst kiffe auch, mir ist es aber nie aufgefallen das kiffen faul macht. das ist ein klischee!!

  • muster am 08.07.2014 17:32 Report Diesen Beitrag melden

    Fragen über fragen

    Und wen es legal wehre warum darf es dann nur der Staat verkaufen? Last mich raten eigenanbau wehre immernoch illegal damit der Staat kein geld verliert?

  • Judge fuge am 08.07.2014 17:24 Report Diesen Beitrag melden

    ilegal ist es eine Pflanze zu verbieten!

    Cannabis-Natur VS. ÖL-,Auto-,Baumwoll-,Papier-, Pharma-Lobbys. Wir (Europa) hat sich von den Amis überreden lassen Cannabis zu verbieten. Also sollten wir dies unbedingt auch nachmachen, weil Sie für einmal eine gute Entscheidung getroffen haben. Da Pflanzen nicht mit einem patent belastet werden können wurde diese kriminalisiert damit die Pharma in Ruhe damit forschen kann und Bausteine davon als Patent verkaufen. Henry Ford hatte bereits eine Autocarroserie hergestellt mit Eigenschaften von Carbonfaser. Papier + Treibstoff wären auch möglich. Krebspatienten wäre auch bisschen geholfen.Rheuma