Pyro gehalten

19. Januar 2018 22:21; Akt: 19.01.2018 22:21 Print

Fussball-Fan (14) muss DNA-Probe abgeben

Ein 14-Jähriger musste nach einem Fussballspiel, bei dem er eine Rauchfackel hielt, eine DNA-Probe abgeben. Laut der Polizei ein Missverständnis.

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Im August 2015 spielte der FC Zürich im Letzigrund gegen die Grasshoppers. Ein 14-jähriger Fussballfan war live dabei und wurde gefilmt, wie er eine Rauchfackel in der Hand hatte, wie der «Beobachter» schreibt. Die Stadtpolizei Zürich fahndete nach dem Jugendlichen und konnte ihn schliesslich ausfindig machen.

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Im Juni 2016 musste der Teenager zur Einvernahme auf den Polizeiposten. Später wurde er wegen Widerhandlung gegen das Sprengstoffgesetz von der Jugendanwaltschaft verwiesen und darf laut «Beobachter» das Stadion Letzigrund nicht mehr betreten.

Vater reichte Beschwerde ein

Der 14-Jährige musste auf dem Posten jedoch nicht nur Fingerabdrücke, sondern auch eine DNA-Probe abgeben. Dass er dies hätte verweigern können, darüber habe ihn niemand aufgeklärt. Die DNA des Jugendlichen war fortan in der nationalen Datenbank gespeichert. Diese dient dazu, ungeklärte Delikte zu lösen.

Der Vater reichte daraufhin beim Bundesamt für Polizei (Fedpol) ein Löschungsbegehren ein. Dort teilte man ihm mit, eine Löschung sei erst nach fünf Jahren möglich. Erst als sich der Vater an die Ombudsstellen der Stadt und des Kantons Zürich wandte, kam Bewegung in die Sache. Für die erkennungsdienstliche Behandlung ist die Kantonspolizei zuständig. Diese kam zum Schluss, dass die DNA-Entnahme beim Jugendlichen irrtümlich war.

«Beweise auf Vorrat sind verboten»

«Beobachter»-Jurist Daniel Leiser bezeichnet das Vorgehen als unverhältnismässig. Schliesslich sei der 14-Jährige geständig gewesen, ein Delikt habe also nicht aufgeklärt werden müssen. «Beweise auf Vorrat zu sammeln ist in der Schweiz verboten», so Leiser.

Beat Jost, Sprecher der Kantonspolizei Zürich, kontert: «Es handelt sich um ein schweres Delikt, da müssen wir trotzdem Spuren sichern», sagt er zu 20 Minuten. Die DNA könne im Falle eines Widerrufs des Geständnisses oder als zusätzlicher Beweis vor Gericht gegen den Beschuldigten verwendet werden.

«Sobald wir davon erfuhren, wurde das Profil gelöscht»

Im Fall des 14-jährigen Fussballspielers habe die Kantonspolizei wegen eines Missverständnisses nicht nur Fingerabdrücke und Foto gespeichert, sondern auch eine DNA-Entnahme durchgeführt. «Als wir von der Ombudsstelle vom Irrtum erfuhren, wurde das DNA-Profil umgehend aus der Datenbank gelöscht», so Jost.

Laut Gesetz müssen Betroffene über die DNA-Entnahme aufgeklärt werden. Dabei erfahren sie, dass ihr Profil ins Informationssystem aufgenommen wird, welche Auskunftsrechte sie haben und welche Voraussetzungen für eine Löschung gelten. Verwaltet wird die Datenbank vom Fedpol. Ende 2016 waren in der Datenbank CODIS 185'393 Personenprofile und 71'152 Tatortspuren gespeichert, wie Sprecherin Lulzana Musliu erklärt. Letztere sind DNA-Profile von Tatorten, die noch keiner Person zugeordnet werden konnten.

Frist variiert je nach Schwere der Tat

Wie lange ein DNA-Profil in der Datenbank gespeichert bleibt, hängt vom Delikt ab. Je nach Schwere der Tat kann dies fünf bis zehn Jahre dauern. Wurde ein Profil nicht gelöscht, geschieht dies spätestens nach 30 Jahren oder 20 Jahre nach der Entlassung aus dem Vollzug. Bei Minderjährigen sind die Fristen allerdings kürzer, da sie unter das Jugendstrafgesetz fallen.

Eine DNA-Probe «wird in der Regel von Personen genommen, die als Täter oder Teilnehmer eines Verbrechens oder Vergehens verdächtigt werden», heisst es im DNA-Profil-Gesetz. Bei Strafmündigkeit macht das Gesetz hier zwischen Minderjährigen und Erwachsenen allerdings keinen Unterschied.

(vro)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • carmen diaz am 19.01.2018 22:27 Report Diesen Beitrag melden

    wenn etwas in ein system...

    ...aufgenommen wird, ist es doch immer auf vorrat...

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  • Tim am 19.01.2018 23:48 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    ist doch egal

    Da hatte der Vater wohl Angst, dass sein Sprössling noch dümmeres anstellt und die DNA an einem Tatort ihn übrrführt!

  • Sean am 19.01.2018 22:37 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    DNA Datenbank

    Es wäre für die Allgemeinheit von Vorteil, jeden Menschen so zu registrieren. Jedoch werden die Meisten (mich eingeschlossen) sich dagegen aussprechen. Bei der Frage wieso bin ich mir selber nicht schlüssig. Man hat zwar nichts böses vor, und geht hoffentlich ohne (grössere) Delikte durch's Leben, jedoch ist es trotzdem ein bisschen Angst einflössend.

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Die neusten Leser-Kommentare

  • lic. iur. Mitdemfingeraufanderezeigen am 20.01.2018 22:03 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Kopfschüttel

    Der Vater würde sich besser darum kümmern, dass sein Spross keine Pyrofackeln zündet. So entstehen wohlstandsverzogene Bengel.... guter Job stolzer Papa...

  • 92er am 20.01.2018 16:47 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    datenvorrat

    und gerade gestern hatt einer beim app "jodel" einer gebeichtet das er bei fedpol arbeite und dna profile niemals gelöst werden auwenn anderes behauptet wird XD... der vater glaubd doch nicht ernsthaft das die dna gelöscht wurde oder?

  • Mar Tin am 20.01.2018 16:20 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Läuft so

    Die Polizei macht grundsätzlich, was sie will. Gesetze? Gelten nur für Normalbürger. Diese Willkür muss ein Ende haben. Auch für die Polizei gilt das Gesetz!

  • Güscht am 20.01.2018 15:54 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Der Staat als Datenkrake?

    Was passiert eigentlich mit den erhobenen Daten, wie z.B mit Fingerabdrücken etc. Wenn es zu keiner Anklage kommt?

  • Michelle am 20.01.2018 15:33 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Ja klar

    Er hat die fackel ausversehen gehalten. Die fackel kam aus dem nichts und er hat sie aufgehoben und nicht gleich gelöscht. Doch macht wirklich sinn. Manche denken wohl immer noch, dass 14 jährige unschuldige kinder sind, trifft leider bei vielen nicht zu. Sollte es aber wirklich ein dämlicher zufall gewesen sein, dann find ich es richtig, dass die akte von ihm gelöscht wurde, aber ich habda so meine zweifel.

    • Kurt am 20.01.2018 15:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Michelle

      Du hast den Artikel leider nicht ansatzweise verstanden.

    • Michelle am 20.01.2018 16:56 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Kurt

      Wenn ich die likes und dislikes ansehe, bist es wohl eher du, der ihn nicht ansatzweise verstanden hat ;)

    • Fred am 20.01.2018 19:39 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Michelle

      1 zu 0 für Michelle

    • Luzius am 20.01.2018 23:52 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

      @Michelle

      Genau denn die likes sagen genau aus wer richtig und wer falsch liegt, siehe Facebook dort findest du jede Wahrheit im Leben #gottlasshirnregnen

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