Tweet war echt

26. Juni 2012 11:51; Akt: 05.02.2013 10:24 Print

Das Protokoll des «Kristallnacht»-TwitterersDas Protokoll des «Kristallnacht»-Twitterers

von Lukas Mäder - SVP-Politiker Alexander Müller hat seine «Kristallnacht»-Aussage genau so gemacht, wie sie seit Sonntag verbreitet wird. Dies zeigt die Auswertung des Twitter-Archivs.

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Nachdem seine Aussagen zur «Kristallnacht für Moscheen» auf Twitter für Aufsehen sorgten, hat der Zürcher SVP-Lokalpolitiker die problematischen Tweets gelöscht. Am Sonntag teilte er per E-Mail mit: «Ich habe nie eine Kristallnacht gegen Moscheen gefordert und beabsichtige auch in Zukunft nicht dies zu tun.» Doch so harmlos waren die Äusserungen nicht, wie eine Auswertung der gelöschten Tweets zeigt. Der Social-Media-Berater Mike Schwede hat diese für 20 Minuten Online auf der Monitoring-Plattform Sysomos vorgenommen.

Am Samstagabend um 20.28 Uhr beginnt Alexander Müller darüber zu twittern, dass der Fotograf Spencer Tunick erstaunlicherweise immer wieder Menschen finde, die sich für die fotografischen Inszenierungen ausziehen. Darauf bringt er diese Nackt-Fotografien mit muslimischen Ländern in Zusammenhang, was zum Tweet führt. «Wie wärs wenn unterdrückte Frauen in Saudi-Arabien einmal einen kollektiven Nacktprotestmarsch in Mekka durchführen würden?»

Gerichtsurteil bringt Müller in Rage

Um 20.55 Uhr kommt Müller auf die Schweiz zu sprechen: «Es gibt in der CH immer noch Muslime die meinen sie hätten das Recht Frauen zu schlagen wenn diese Sex verweigern.» Dazu stellt er den Link auf einen Artikel zum Gerichtsurteil von Anfang Mai. Ein Muslim war damals wegen Äusserungen, die eine Züchtigung der Ehefrau bei Verweigerung von Geschlechtsverkehr rechtfertigten, nicht verurteilt worden.

Unmittelbar danach beginnt Müller, sich über solche radikalen Muslime zu äussern - in wenig zimperlicher Weise. «Wir sollten dieses Pack aus dem Land werfen. Ich will nicht mit solchen Leuten zusammenleben», schreibt er. Eine halbe Minute später schiebt er nach: «Vielleicht brauchen wir wieder eine Kristallnacht...diesmal für Moscheen.» Eine Aussage, die impliziert, dass die Reichspogromnacht im November 1938 gegen die Juden nötig gewesen war.

SVP-Präsidenten belogen?

Müller hat bisher gegenüber Dritten bestritten, dass er die Äusserung so gemacht oder als Aufforderung gemeint habe. Dem Stadtzürcher SVP-Präsidenten hat er offenbar nicht die Wahrheit gesagt, so sagte Roger Liebi am Montag zu 20 Minuten Online: «Er sagte mir, er hätte einen solchen Twitter-Beitrag veröffentlicht, aber in einem anderen Wortlaut.» Diese Aussage war offensichtlich falsch.

Doch nicht nur der Inhalt des Tweets steht nach dem Blick ins Archiv fest. Auch über die Absichten lässt Müller wenig Zweifel, nachdem seine Kristallnacht-Äusserung auf Kritik gestossen war. Um 21 Uhr schreibt er einem Kritiker, er wisse, was er sage, und lasse sich «von Moralisten nicht den Mund verbieten». Zudem schiebt er nach: «Ich würde gewisse Leute tats.[ächlich] gerne an die Wand stellen und erschiessen. Dreck weniger auf Erden wäre gut.» Damit lässt er wenig Zweifel an seinen gewalttätigen Fantasien.

Nicht gegen Synagogen

Wenige Minuten später bekommt Müller zudem die Gelegenheit, seine Äusserung zu relativieren. Eine Twitterin schreibt, dass er die Wiederholung der Reichskristallnacht erwäge. Daraufhin antwortet Müller: «Erzähl keine Scheisse. Reichskristallnacht wiederholen würde heissen Synagogen zerstören. Das habe ich nie erwogen!» Damit bestreitet Müller jedoch nicht, dass er die Zerstörung von Moscheen erwogen habe.

Am Sonntagabend bestritt Müller gegenüber Tages-Anzeiger.ch, dass der Kristallnacht-Tweet von ihm stamme. Doch offenbar ist er bereits am Montag wieder von seiner Version abgerückt, als er gegenüber der lokalen SVP-Spitze zugab, den Begriff «Kristallnacht» verwendet zu haben. Das Archiv von Sysomos zeigt jedoch: Alexander Müller hat seit Ende Januar keinen anderen Tweet über die Kristallnacht geschrieben.

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Video: Interview mit dem Präsidenten des Schweizerischer Israelitischer Gemeindebund (SIG), Herbert Winter (Keystone)

Update Januar 2013
Im «Tages-Anzeiger» vom 31. Januar 2013 erheilt Alexander Müller Gelegenheit, seine Sicht der Dinge darzulegen.

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  • Supa Buaschi am 27.06.2012 10:46 Report Diesen Beitrag melden

    @corsin meyer

    Hat überhaupt nichts mit einer Drohnung meinerseits zu tun... ich habe dazu nicht mal einen Grund. Ist eher die Befürchtung dass es soweit kommen könnte. Bitte zuerst denken bevor man wild interpretiert.

  • Nico am 26.06.2012 22:30 Report Diesen Beitrag melden

    Nicht akzeptabel

    Hier erzählt einer der in der Schulpflege arbeitet öffentlich wie er Muslime töten will und es gibt wirklich immernoch Leute die das verharmlosen oder versuchen zu rechtfertigen? Es hat mich viel mehr geschockt als ich gesehen habe dass Leute sowas versuchen zu verharmlosen oder rechtzufertigen als die Äusserung selbst.

  • Rico Mock am 26.06.2012 18:28 Report Diesen Beitrag melden

    Freie Meinung

    Von mir aus darf jeder seine Meinung kundtun und sagen was er will, ob diese jedoch sinnvoll ist oder nicht, das sei dahin gestellt. Jedoch völlig unnötig, dass hier ein solcher Aufstand in den Medien gemacht wird wegen diesem Beitrag. Vor allem, wenn ihr den Zeitungsbericht lest, auf den das Ganze bezogen sein soll, dann muss ich sagen, hat er nicht ganz Unrecht, wenn auch zu krass ausgedrückt. Ebenso ist es interessant, wie die SVP in der Luft auseinander genommen wird deswegen, aber die Aussage des anderen Herrn zu den Muslimen und der Züchtigung der Frauen, die ist auch nicht ohne.