Asylpolitik

21. Juni 2015 06:53; Akt: 21.06.2015 17:00 Print

Das Tessin will die Grenze schliessen

Frankreich hat seine Grenze zu Italien für Flüchtlinge geschlossen. Seither nimmt die Zahl der Asylsuchenden in der Schweiz deutlich zu.

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Grenzkontrolle in Chiasso: Der Ansturm der Asylsuchenden beschäftigt nun auch die Politik. (16. Juni 2015) (Bild: Keystone/Benedetto Galli)

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Gegenwärtig hält das Grenzwachtkorps (GWK) im Tessin jeden Tag 60 bis 70 Personen wegen illegalen Aufenthalts an. In der Woche zuvor waren es sogar 120 bis 130 Personen gewesen. Rund 85 Prozent von ihnen würden ein Asylgesuch stellen, berichtet die «NZZ am Sonntag». Der Ansturm beschäftigt mittlerweile auch die Politik. «Die Zahl der Asylsuchenden und illegalen Migranten, die zurzeit aus Italien ins Tessin reisen, ist doppelt so hoch wie noch vor einem Jahr», sagt der Tessiner Regierungspräsident Norman Gobbi (Lega) der Zeitung. «Wenn der Andrang der Asylsuchenden aus Italien anhält, müssen wir die Grenze vorübergehend schliessen. Nur so können wir Druck auf andere Staaten machen, die ihren Pflichten nicht nachkommen.»

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Gobbi zielt mit seiner Kritik namentlich auf Italien und Frankreich. Italien verzichtet seit mehreren Monaten darauf, ankommende Asylsuchende lückenlos zu registrieren, wie das die Dublin-Verordnung vorschreibt. Und Frankreich hat seine Grenze zu Italien für Flüchtlinge vor ein paar Tagen faktisch geschlossen, obwohl das Schengen-Abkommen das verbietet. «Ich bin weder gegen das Schengen-Abkommen noch gegen die Dublin-Verordnung, solange diese funktionieren. Nur funktionieren sie zurzeit nicht», sagt Gobbi.

«Die Grenzwache überprüft in Chiasso seit kurzem mit mehr Personal jeden Zug, der von Italien kommt», sagt Gobbi in der heutigen Ausgabe der «Schweiz am Sonntag». Sein Parteikollege Lorenzo Quadri geht noch weiter. «Ich wäre für einen Zaun», sagt er und schliesst sich damit dem ungarischen Regierungschef Viktor Orban an, der mit seinen Schliessungsplänen für die Grenze zu Serbien für Schlagzeilen sorgte. Quadri weiss aber, dass ein solches Projekt für die Schweiz «nicht sehr realistisch» ist. Realistischer sind «symbolische Zäune», wie sie SVP-Nationalrat Hans Fehr hochziehen will. «Wir brauchen wieder systematische Grenzkontrollen», sagt er. Die Armee soll das Grenzwachkorps dabei unterstützen.

Wenige Syrer ersuchen im Tessin um Asyl

Die meisten der Flüchtlinge, die zurzeit aus Italien ins Tessin reisen, stammen aus Eritrea, Somalia, Nigeria und Gambia, wie die «NZZ am Sonntag» unter Berufung auf eine Statistik des Grenzwachtkorps schreibt.

Eritreer und Somalier erhalten in der Schweiz gewöhnlich Asyl oder werden vorläufig aufgenommen, die Gesuche von nigerianischen und gambischen Gesuchstellern dagegen werden abgelehnt. Auffallend ist, dass zurzeit verhältnismässig wenige Syrer im Tessin um Asyl ersuchen.

(fal)

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Die beliebtesten Leser-Kommentare

  • Markus W. am 21.06.2015 13:16 Report Diesen Beitrag melden

    worauf wartet unsere Regierung?

    sofort dicht machen! Eine vernünftige Aufgabe für die Armee.... aber nicht erst 3 Monate mit der Entscheidung warten sondern JETZT!

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  • R.M. am 21.06.2015 11:10 via via Mobile Report Diesen Beitrag melden

    Sofort

    Macht das,dir Grenzen hätten gar nie geöffnet werden dürfen! Aber bitte überall und nicht nur im Tessin!!! Jeder hat gewusst was das für Folgen hat ausser die Politiker!

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  • buabali am 21.06.2015 11:40 Report Diesen Beitrag melden

    Volles Verständnis...

    Also ich verstehe das voll und ganz!!!

Die neusten Leser-Kommentare

  • Jörg am 23.06.2015 08:55 Report Diesen Beitrag melden

    Subito und nicht nur das

    Wenn Flüchtlinge unregistriert herumlaufen können und dies mit Absicht so gefördert wird, so bleibt nichts anderes übrig als die Grenze besser zu bewachen. Das ist wohl klar. Auch wenn es den Erfolg schwer haben wird, es zeigt doch, dass man ein Chaos nicht akzeptiert.

  • Christine am 22.06.2015 15:36 Report Diesen Beitrag melden

    Solidarität?!?

    Baut doch einen 3 m hohen Zaun rund um die Schweiz, dann ist das Problem gelöst.

  • Raffy am 22.06.2015 12:31 Report Diesen Beitrag melden

    Mein Plan

    Die Schweiz muss für Flüchtlinge unattraktiv gemacht werden: 1. Kein Bargeld mehr sondern nur noch Essensgutscheine, 2. Nur noch Nothilfe im medizinischen Bereich (kein Fullservice mehr), 3. abgeschlossene Flüchtlingscamps. Nur wer ein positiver Asylantrag hat, darf das Camp verlassen und 4. Keine Integration in ordentlichen Schulen.

  • Kevin B. am 22.06.2015 11:15 Report Diesen Beitrag melden

    Warum auch nicht?

    Dänemark hat dies in der Vergangenheit auch gemacht, Österreich bearbeitet keine neuen Asylanträge mehr, Frankreich hat Teilweise die Grenzen zu Italien geschlossen, Deutschland auch während dem G7 Gipfel. Es zeichnet sich ab, dass es immer mehr solche vorübergehenden Grenzschliessungen geben wird.

  • Tom Schneider am 22.06.2015 10:08 Report Diesen Beitrag melden

    Schläft weiter in Bern

    Während andere Regierungen handeln schläft unsere Regierung in Bern. Es ist scheinbar die Einzige, die sich noch an das Schengen-Abkommen haltet. Das Resultat: Flüchlingsansturm in die Schweiz